Das Endometriumkarzinom (EC) zählt zu den weltweit häufigsten gynäkologischen Malignomen und ist für einen erheblichen Anteil der krebsassoziierten Morbidität und Mortalität bei Frauen verantwortlich. Die Inzidenz dieser Entität steigt seit Jahren, unter anderem bedingt durch demografische und lebensstilassoziierte Risikofaktoren. Für Ärztinnen und Ärzte wird die Diagnostik und Therapie anspruchsvoller: Molekulare Marker und individualisierte Therapiekonzepte sind zunehmend relevant für die Versorgung.1
Dieser Trend spiegelt sich auch in den aktuellen Leitlinien dieser Tumorentität wider. Besonders die europäischen ESGO-ESTRO-ESP-Leitlinien berücksichtigen zukünftig die neuesten Erkenntnisse zur molekularen Diagnostik und zu personalisierten Therapieansätzen.1 Die S3-Leitlinie befindet sich derzeit noch in Überarbeitung.3
Die Innenseite der Gebärmutter ist mit einer Schleimhaut, dem Endometrium, ausgekleidet. Eine Endometriumhyperplasie beschreibt eine Verdickung der Gebärmutterschleimhaut durch vermehrtes Zellwachstum und ist zunächst meist nicht bedrohlich. Weisen die Zellen jedoch atypische Veränderungen auf, kann dies auf eine Vorstufe des Endometriumkarzinoms hinweisen und das Krebsrisiko erhöhen.2-4
Ein Endometriumkarzinom kann dann entstehen, wenn die Zellen dieser Schicht entarten, sich unkontrolliert teilen und in umliegendes Gewebe eindringen. Häufig liegt ein langanhaltender Überschuss an Östrogen bei relativem Progesteronmangel vor, was zu einer dauerhaften Stimulation und Verdickung des Endometriums führt. In dieser Phase können sich genetische Veränderungen (z.B. in Signal- und Reparaturgenen) ansammeln, die aus atypischen Vorstufen schließlich ein invasives Karzinom entstehen lassen.4
Der Tumor kann sowohl in die Gebärmutterhöhle als auch in die Muskelschicht hineinwachsen. In fortgeschrittenen Stadien kann sich der Krebs auf weitere Teile des weiblichen Genitaltrakts wie Gebärmutterhals oder Eileiter ausbreiten. Auch benachbarte Organe im Becken, etwa die Blase, können betroffen sein. Metastasen treten häufig in Lymphknoten, Knochen, Leber oder Lunge auf.4
Die klassische Einteilung des Endometriumkarzinom bestand lange Zeit aus zwei Haupttypen. Die Typ-I-Karzinome machen rund 80 % aller Fälle aus. Sie sind in der Regel östrogenabhängig und treten meist bei Frauen zwischen 55 und 65 Jahren auf. Als Vorstufe gilt häufig eine atypische Endometriumhyperplasie. Die Prognose ist meist günstig. Die Typ-II-Karzinome sind seltener, östrogenunabhängig und umfassen Tumorformen wie das seröse oder klarzellige Karzinom, das Karzinosarkom sowie G3 endometrioide Karzinome. Sie betreffen vor allem ältere Frauen ab etwa 65 Jahren und verlaufen meist aggressiver mit ungünstigerer Prognose.4,5
Die Unterteilung in Typ-I und Typ-II hat sich als zu ungenau herausgestellt. Die Therapie des EC befindet sich derzeit in einem Wandel. Neue Daten zu den unterschiedlichen Prognosen von high‑grade- und low‑grade-NSMP-Tumoren verdeutlichen die hohe Dynamik von Forschung und klinischer Praxis. Frühstadien kommen heute meist ohne systematische Lymphonodektomie aus. Die Einführung der molekularen Diagnostik hat die Abschätzung des Rezidivrisikos deutlich präzisiert und beeinflusst bereits jetzt maßgeblich die Wahl verschiedenen Therapiekonzepte. 1
Bei primär fortgeschrittenen Stadien steht inzwischen ein breites Spektrum an Behandlungsoptionen zur Verfügung, das von operativen Verfahren und Chemotherapie über verschiedene Immuncheckpoint-Inhibitoren bis hin zu Kombinationen reicht (Tab.1). 3,4
Tabelle 1 Therapieformen zur Behandlung eines Endometriumkarzinoms.3
Therapieform
Kurzbeschreibung
Ziel
Operation
Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) meist mit Eileitern und Eierstöcken, ggf. Lymphknoten- und Bauchnetzentfernung.
Basistherapie; potenziell kurativ, vor allem im Frühstadium.
Chemotherapie
Chemotherapie nach der Operation kann verbliebene Tumorzellen zerstören.
Ergänzend nach Operation (adjuvant) oder wenn OP nicht möglich; senkt Rückfallrisiko.
Brachytherapie
Kurzdistanzbestrahlung innerhalb der Vagina.
Besonders bei lokal begrenztem oder bösartigem Tumor; reduziert Rezidive.
Externe Bestrahlung
Bestrahlung „von außen“ (Beckenbestrahlung).
Bei fortgeschrittenem Tumor, hohem Risiko oder bei Rückfall.
Hormontherapie
Hochdosierte Gestagene (Tabletten oder Spirale).
Option bei sehr frühem Tumor und Kinderwunsch-Erhalt; meist temporär.
Immuntherapie
Checkpoint-Inhibitoren wie Dostarlimab und Pembrolizumab (bei bestimmten Biomarkern).
Für fortgeschrittene Tumoren oder nach Rückfall nach Chemotherapie.
Palliativtherapie
Symptomkontrolle, Chemotherapie, Immun- oder Hormontherapie zur Lebensqualitätsverbesserung.
Bei nicht heilbarer oder fortgeschrittener Erkrankung.
Perspektivisch ist mit einer noch feineren Anpassung der Therapiestrategien an molekulare Risikoprofile sowie mit weiteren Zulassungen neuer, bislang wenig etablierter Substanzen zu rechnen.1
Auf dem ESGO-Jahreskongress 2025 vorgestellte europäische Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie des Endometriumkarzinoms greifen diese neuen Erkenntnisse auf. Wie bereits in früheren Arbeiten werden vier Risikogruppen unterschieden. Durch die überarbeitete FIGO-Klassifikation lässt sich die Zuordnung nun gleichzeitig anhand der anatomischen Ausbreitung und der jeweiligen molekularen Subgruppe vornehmen (Tab. 2).
Tabelle 2 2023 FIGO-Klassifikation des Endometriumkarzinoms. Modifiziert nach 6.
Stadium
Unterstadium
Beschreibung
I
IA
Auf die Gebärmutterschleimhaut begrenzte Erkrankung oder nicht aggressiver histologischer Typ, d. h. niedriggradiges Endometroid mit Invasion von weniger als der Hälfte des Myometriums ohne oder mit fokaler Beteiligung des lymphatischen Raums (LVSI) oder Erkrankung mit guter Prognose
IA1
Nicht aggressiver histologischer Typ, der auf einen Endometriumpolypen beschränkt ist oder auf das Endometrium begrenzt ist
IA2
Nicht aggressive histologische Typen, die weniger als die Hälfte des Myometriums betreffen, ohne oder mit fokalem LVSI
IA3
Niedriggradige endometrioide Karzinome, die auf die Gebärmutter und den Eierstock beschränkt sind
IB
Nicht aggressive histologische Typen mit Invasion der Hälfte oder mehr des Myometriums und ohne oder mit fokalem LVSI
IC
Aggressive histologische Typen, die auf einen Polypen begrenzt sind oder sich auf das Endometrium beschränken
II
IIA
Invasion des zervikalen Stromas von nicht aggressiven histologischen Typen
IIB
Erhebliche LVSI bei nicht aggressiven histologischen Typen
IIC
Aggressive histologische Typen mit jeglicher Beteiligung des Myometriums
III
IIIA
Invasion der Gebärmutterschleimhaut, der Adnexe oder beider durch direkte Ausbreitung oder Metastasierung
IIIA1
Ausbreitung auf Eierstock oder Eileiter (außer bei Erfüllung der Kriterien für Stadium IA3)
IIIA2
Befall der Gebärmutter-Serosa oder Ausbreitung durch die Gebärmutter-Serosa
IIIB
Metastasierung oder direkte Ausbreitung in die Vagina und/oder in die Geschlechtsorgane oder das Beckenperitoneum
IIIB1
Metastasierung oder direkte Ausbreitung in die Vagina und/oder die Parametrien
IIIB2
Metastasierung in das Beckenperitoneum
IIIC
Metastasierung in die pelvinen oder paraaortalen Lymphknoten oder in beide
IIIC1
Metastasierung in die pelvinen Lymphknoten
IIIC1i
Mikrometastasierung
IIIC1ii
Makrometastasierung
IIIC2
Metastasierung in paraaortale Lymphknoten bis zu den Nierengefäßen, mit oder ohne Metastasierung in die Beckenlymphknoten
IIIC2i
IIIC2ii
IV
IVA
Invasion der Blasenschleimhaut und/oder Darmschleimhaut
IVB
Bauchfellmetastasen jenseits des Beckens
IVC
Fernmetastasen, einschließlich Metastasen in extra- oder intraabdominalen Lymphknoten oberhalb der Nierengefäße, Lunge, Leber, Gehirn oder Knochen
Die molekulare FIGO-Klassifikation 2023 fasst für das EC vier molekular eindeutig definierte, prognoserelevante Subtypen zusammen: POLE‑mutierte, Mismatch‑Repair‑defiziente (MMRd), p53‑abnormale Tumoren sowie NSMP‑Karzinome (Kein spezifisches molekulares Profil), die weiter in östrogenrezeptorpositive (ER+) Formen mit günstiger Prognose und prognostisch ungünstigere ER‑ bzw. High‑Grade‑Karzinome unterteilt werden. Diese molekulare Einteilung erlaubt es, Patientinnen deutlich differenzierter und gezielter nach Tumorbiologie und individuellem Risikoprofil zu behandeln. Im Vergleich zur früheren FIGO-Klassifikation ergab eine Studie, dass sich bei rund einem Viertel der Patientinnen das Tumorstadium bei Anwendung der neuen Klassifikation änderte, was die prognostische Relevanz dieses Klassifikations-Updates unterstreicht.7
Besonders bei frühen Stadien eröffnet diese Einteilung die Möglichkeit, Therapien in günstigeren molekularen Subgruppen zu deeskalieren und bei prognostisch ungünstigen Subgruppen gezielt zu intensivieren, also die Behandlung konsequent nach der jeweiligen Risikokonstellation auszurichten.
Abkürzungen:
ER: EstrogenrezeptorLVSI: Lymphovaskuläre Invasion.MMRd: Mismatch-Reparatur-defizientNSMP: Kein spezifisches molekulares Profilp53-aberrant: Veränderungen im p53-Tumorsuppressor-Genp53abn: p53-abnormalPOLE-mutiert: Genveränderung im POLE-Gen, das für die DNA-Polymerase Epsilon kodiert
Referenzen:
Bildquelle: ©2026 GlaxoSmithKline
NP-DE-DST-WCNT-250016 (02/2026)