KOMMENTAR | Der Bundesrat lehnt die PTA-Vertretung in Apotheken ab. Die Begründung: Eine Ausbildung sei nicht mit einer Approbation gleichzusetzen. In meinen Augen: Thema verfehlt.
Vorweg: Als PTA habe ich dem Ländervotum zur Apothekenreform mit besonderer Spannung entgegengesehen – und war am Ende enttäuscht. Nicht, weil ich erwarte, dass Politik jeden Berufsgruppenwunsch erfüllt, sondern weil die Debatte um die geplante befristete PTA-Vertretung für mich versinnbildlicht, wie schwer sich das System mit pragmatischen, eng begrenzten Lösungen für die Versorgung in der Fläche tut. Genau dort, wo seit Jahren Apotheken schließen, Personal fehlt und Patienten längere Wege in Kauf nehmen müssen, setzt der Bundesrat bei einem zentralen Instrument den Rotstift an und sendet damit ein Signal, das viele in den Teams als Abwertung wahrnehmen dürften.
Formal hat der Bundesrat Ende Januar eine umfangreiche Stellungnahme zum Regierungsentwurf des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) beschlossen. Damit ist die Reform nicht entschieden, aber politisch stark eingehegt: Die Bundesregierung kann darauf reagieren, anschließend wird im Bundestag beraten – und später landet das Paket wieder im Bundesrat.
Inhaltlich lassen sich aus der Länderposition drei große Linien ablesen: Finanzierung stabilisieren, Strukturänderungen begrenzen und den Versand bzw. die Plattformen stärker kontrollierbar machen. Hier die Punkte in einer Übersicht:
Die Ablehnung der PTA-Vertretung hat natürlich Gegenreaktionen ausgelöst – vor allem beim Bundesverband pharmazeutisch-technischer Assistent:innen (BVpta). Dessen Bundesvorsitzende Anja Zierath dazu: „Wir haben von Anfang an betont: Eine PTA-Vertretung darf keine Gleichsetzung mit der Approbation sein. Genau deshalb haben wir uns für eine verbindliche Weiterqualifizierung, klare Zuständigkeiten und enge Grenzen ausgesprochen.“ Zierath kritisiert zudem die pauschale Ablehnung durch den Bundesrat und spricht sicher für viele Apo-Teams, wenn sie zusammenfasst: „Was wir brauchen, sind tragfähige Konzepte mit klaren Qualifikationsanforderungen, nicht Stillstand.“
Für die ärztlich-apothekerliche Perspektive ist diese Reaktion doppelt interessant. Erstens verweist sie auf den Fachkräftemangel als echten Hemmschuh für den geregelten Apothekenbetrieb. Zweitens macht sie deutlich, dass die Reformdebatte längst nicht mehr nur um Honorare kreist, sondern auch um Kompetenzprofile, Delegation und Verantwortungsketten.
Dass diese Linien nicht nur im Parlament, sondern auch in der Branche selbst hoch umstritten sind, zeigte parallel der BVDAK-Kooperationsgipfel in München. Dort gab es eine Talkrunde zur „Stellung der Apotheken zwischen den Plattformen“, unter anderem mit Olaf Heinrich, CEO von Redcare Pharmacy (Shop Apotheke), und Dr. Ina Lucas, ABDA-Vize (Apothekerkammer Berlin). In der Diskussion prallten typische Reformnarrative aufeinander: Heinrich äußerte sich kritisch dazu, dass eine Fixum-Erhöhung allein die heutige Struktur nicht sichern werde, Lucas hielt dagegen, dass Versorgung in der Fläche ohne angemessene Bezahlung der Vor-Ort-Leistungen nicht zu haben sei. Zusätzlich wurden Rx-Boni und Fragen der Lieferqualität/Kühlkette angesprochen – Themen, die den Bundesratsfokus auf Kontrolle und faire Rahmenbedingungen im Versandhandel spiegeln. Die Politik diskutiert Instrumente und Paragrafen, die Branche diskutiert bereits, welches Versorgungsnetz Deutschland künftig will und welche Rolle Plattformen dabei spielen sollen.
Nach dem Votum ist klar: Im Bundestag wird nicht nur über Details, sondern über den Kurs im Ganzen verhandelt. Bleibt es bei einer Reform, die Versorgung vor allem über neue Betriebsmodelle absichern will, oder setzt man stärker auf eine finanzielle Stabilisierung der bestehenden Strukturen? Kommt es zu Nachschärfungen beim Versand, und wenn ja: mit welchen Kontrollinstrumenten? Und nicht zuletzt: Wird die Frage, wie PTA-Kompetenzen sinnvoll weiterentwickelt werden können, politisch wirklich „abgeräumt“ – oder kehrt sie als Teil eines qualifikationsgebundenen Stufenkonzepts zurück?
Als PTA würde ich mir wünschen, dass die Debatte an diesem Punkt weniger symbolisch und mehr lösungsorientiert geführt wird: Versorgungssicherheit entsteht nicht durch Zuständigkeitsgrenzen allein, sondern durch praktikable, qualitätsgesicherte Modelle, die im Alltag funktionieren – in der Apotheke genauso wie in der Arztpraxis.
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