Stellschraube 1: Shared ServicesDie größte Effizienzreserve liegt nicht zwangsweise in einer Fusion, sondern in der Betriebswirtschaft, Stichwort Shared Services. Warum betreiben faktisch alle KVen und KZVen eigene IT-Infrastrukturen, eigene Rechenzentren oder Einzellösungen, eigene Beschaffungsprozesse, eigene Buchhaltungssysteme, eigene Hotlines, etc.? Warum werden Systeme 34-mal angepasst, gepflegt, abgesichert und neu ausgeschrieben? Personalverwaltung, IT-Betrieb, Einkauf/Beschaffung, Gebäudemanagement, Buchhaltung oder Hotline – all das ließe sich regional oder bundesweit bündeln, ohne dass gleich die Versorgungssteuerung zentralisiert werden muss. Wer ernsthaft sparen will, muss an Serverräume, Schnittstellen und Parallelverträge ran – nicht unbedingt an Gremien und an Vorstände. Stellschraube 2: Mehr Transparenz, mehr EffizienzDamit nicht genug: Ein System, das sich über Umlagen finanziert, braucht mehr als Hochglanz-Jahresberichte. Es braucht vergleichbare, öffentliche Kennzahlen, die nicht nur gut aussehen, sondern Druck erzeugen. Das könnten etwa die IT-Kosten pro Nutzer, durchschnittliche Prozesszeiten, Widerspruchsquoten, Prüfeffekte und mehr sein. Wer 3,25 Prozent Umlage nimmt, muss erklären können, warum das nötig ist – und was dafür besser läuft als bei 2,8 oder 1,6 Prozent. Wettbewerb entsteht durch Konkurrenz. Und genau das wäre einen Gedanken wert: Ärzte bzw. Zahnärzte sollten eine KV anhand von Leistungskriterien auswählen, aber nicht nur, weil sie im Bundesland X arbeiten. Stellschraube 3: Skandale sind kein BürokratieproblemDoch Kritik ist noch an anderer Stelle angebracht. Wenn in der Selbstverwaltung Geld durch missglückte Immobilienprojekte, Beteiligungen oder Prestigevorhaben verbrennt, dann ist das kein Beweis dafür, dass „Verwaltung an sich“ zu teuer ist. Es ist ein Beleg für mangelhaftes Arbeiten. Risikomanagement, Compliance, Aufsicht – das klingt nach zusätzlicher Bürokratie, ist aber in Wahrheit die billigere Variante im Vergleich zum Verbrennen von Geldern. Sprich: Verwaltungskosten sind mehr oder minder planbar. Skandale sind es nicht. |