Die aviäre Influenza wütet schlimmer denn je in Geflügelbetrieben. Eine Impfung wird in Deutschland bisher abgelehnt, weil geimpfte Tiere nicht problemlos in den Handel gehen können. Ändern zwei neue Impfstoffe das nun?
Die hochpathogene aviäre Influenza (HPAI) sorgt in manchen Regionen in Deutschland weiter für Beunruhigung. Niedersachsen erlebt als geflügelstärkstes Bundesland Deutschlands ein Seuchengeschehen historischen Ausmaßes – mit gravierenden Folgen für Tierhaltungen und Betriebe.
Bereits die Zahlen für 2025 waren dramatisch: Laut Tierseucheninformationssystem (TSIS) des Friedrich-Loeffler-Instituts wurden zwischen dem 15. Oktober und dem 29. Dezember 2025 insgesamt 93 Ausbrüche der Geflügelpest bei Hausgeflügel registriert, davon 59 in Putenhaltungen. Mehr als 1,7 Millionen Tiere mussten aus Seuchenschutzgründen getötet werden. Noch nie zuvor waren in Niedersachsen so viele Tierverluste infolge der Geflügelpest zu verzeichnen. Auch das neue Jahr begann ohne Entspannung: 2026 wurden bereits erste HPAI-Ausbrüche in Norddeutschland bestätigt, unter anderem in zwei großen Betrieben mit 10.500 Mastputen bzw. 12.400 Entenküken. In letzterem Fall wurde der hoch pathogene Subtyp H5N1 nachgewiesen.
In Niedersachsen wird Geflügel in großer Zahl gehalten (mehr als 100 Millionen), über die Hälfte der deutschen Masthühner und viele Puten stammen aus dem Bundesland. Nach Einschätzung des Landvolks Niedersachsen ist genau diese hohe Tierdichte ein zentraler Treiber des Ausbruchsgeschehens. Mit steigender Bestandsdichte erhöhe sich auch die statistische Wahrscheinlichkeit eines Seuchenfalls. Landvolk-Präsident Holger Hennies fordert daher Konsequenzen auf struktureller Ebene: einen raschen Bürokratieabbau sowie die Möglichkeit, neue Ställe in weniger dicht besiedelten Regionen zu errichten.
Aktuell scheiterten solche Vorhaben häufig am Bau- und Immissionsschutzrecht. Besonders im Osten Niedersachsens würden Genehmigungen kaum erteilt, obwohl der Bedarf groß sei. Das Recht müsse wieder so „schlank“ werden, dass Stallbauten möglich seien, so Hennies. Auch Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte sieht Handlungsbedarf. Perspektivisch hält sie eine geringere Besatzdichte in einzelnen Regionen für notwendig. Zudem gebe es auf Betriebsebene noch Verbesserungspotenzial bei den Biosicherheitsmaßnahmen, um das Einschleppen des Virus zu verhindern.
Vor diesem Hintergrund kommt einer weiteren Entwicklung besondere Bedeutung zu: Am 12. Januar 2026 hat die Europäische Kommission zwei Impfstoffe gegen die aviäre Influenza zugelassen. Es handelt sich um sogenannte DIVA-Impfstoffe („Differentiate Infected from Vaccinated Animals“) des Herstellers Boehringer Ingelheim zur aktiven Immunisierung gegen hochpathogene H5-Viren. Die Impfstoffe sind für Hühner und Puten zugelassen, einer der beiden kann zusätzlich bei Enten eingesetzt werden. Ein integrierter Biomarker ermöglicht es, geimpfte Tiere eindeutig von infizierten Tieren zu unterscheiden – eine zentrale Voraussetzung für die Zulassung in der EU (DocCheck berichtete).
Diese DIVA-Funktion könnte helfen, Handelsbeschränkungen zu vermeiden, da Überwachungsprogramme auch bei laufenden Impfkampagnen zuverlässig umgesetzt werden können. Der Hersteller appelliert daher an politische Entscheidungsträger, bestehende Exportregelungen zu überprüfen und Impfstoffe als Instrument der Seuchenbekämpfung anzuerkennen. Der Virusstamm H5 gilt als der am weitesten verbreitete Erreger der Geflügelpest und ist maßgeblich für das aktuelle Seuchengeschehen in Deutschland und der EU verantwortlich – mit erheblichen wirtschaftlichen Schäden entlang der gesamten Produktions- und Lieferketten.
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