Das deutsche Gesundheitssystem sei „kränker als der Patient“, so Patientenbeauftrager Stefan Schwartze. Zum Jahresempfang serviert er den Ärzten seine Vorwürfe: Ineffizienz, Kommunikationsfehler und Diagnose-Odysseen.
Beim Jahresempfang des Patientenbeauftragten der Bundesregierung hat Stefan Schwartze grundlegende Reformen im Gesundheitswesen angemahnt. Der SPD-Politiker eröffnete den Abend mit einem breiten Themenaufriss – und einer klaren Diagnose: „Das System darf nicht kränker sein als der Patient.“ Die Versorgung sei zu komplex und ineffizient. Die Folgen: lange Wartezeiten, schwierige Diagnosewegen und mangelhafte Abstimmung zwischen den Behandlern.
Schwartze griff auch die Forderung des Medizinischen Dienstes Bund nach einer verpflichtenden Offenlegung von Behandlungsfehlern auf. Dessen Vorstandsvorsitzender Stefan Gronemeyer hatte zuletzt kritisiert, dass Patienten bislang nicht automatisch informiert würden, wenn eine Behandlung anders verlaufe als geplant. Das müsse sich ändern: „Immer, wenn ein Fehler passiert oder ein Schaden aufgetreten ist, der nicht hätte sein sollen, müssen die Betroffenen unaufgefordert darüber in Kenntnis gesetzt werden“, sagte Gronemeyer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Schwartze warnte davor, die Debatte auf individuelles Fehlverhalten zu verengen. Stattdessen müsse der Fokus stärker auf strukturellen Ursachen liegen. „Wir wollen die Fehler in den Blick nehmen, die durch die Organisation entstehen“, so Gronemeyer. Dazu gehöre auch ein besserer Zugang zu Organisations-, Hygiene- und Wartungsplänen in medizinischen Einrichtungen – nicht nur zum Schutz der Patienten, sondern auch zur Sicherheit des medizinischen Personals.
Zusätzlich sollen Patientenrechte gesetzgeberisch gestärkt werden. Schwartze verwies auf ein Gesetz, das der Bundestag im Dezember 2025 verabschiedet hatte und das bis Anfang Februar 2026 im Bundesrat auf der Tagesordnung steht. Vorgesehen ist, dass Versicherte künftig eine kostenlose Kopie ihrer vollständigen Behandlungsakte erhalten können – in Praxen und Kliniken. Zudem werde derzeit ein Urteil zur umfassenden Akteneinsicht im Bundesjustizministerium umgesetzt.
Weitere Verbesserungen erhofft sich Schwartze vom geplanten Primärarztsystem. Erste Gespräche dazu sollen am 27. Januar im Bundesgesundheitsministerium beginnen. Ziel sei es, unnötige Wege zu vermeiden und Behandlungspfade klarer zu strukturieren – damit Odysseen bei der Diagnosefindung künftig die Ausnahme bleiben. Gleichzeitig müsse die freie Facharztwahl erhalten bleiben, ebenso die Möglichkeit, den Primärversorger zu wechseln. Für Chroniker seien zudem Sonderregelungen notwendig, um zusätzliche Arztbesuche zu vermeiden.
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