Etwa 20 % der gesamten Ärzteschaft sind von Burnout betroffen.1,2 In einigen Facharztgruppen liegen die Zahlen besonders hoch. So ergab eine Studie der European Society for Medical Oncology unter jungen Onkologinnen und Onkologen in Europa eine Prävalenz von etwa 70 %.3 Einer der Gründe: die hohe Arbeitsbelastung. Hinzu kommen der intensive Patientenkontakt, schwierige Therapieentscheidungen und ein hoher Dokumentationsaufwand.4 Inzwischen wird dem Thema in zahlreichen Publikationen, auf Kongressen und in Fortbildungsformaten viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die Lösung scheint klar: Ärztinnen und Ärzte brauchen Resilienz.
Tatsächlich unterscheiden sich Menschen hinsichtlich ihrer Resilienz. Teilweise ist sie erblich bedingt und die gute Nachricht ist: Sie kann bei jedem Menschen gefördert werden.5 Doch was ist Resilienz eigentlich? Es ist die Fähigkeit, auch unter widrigen Lebensumständen die psychische Gesundheit aufrecht zu erhalten.5 Sie wird als das Produkt eines dynamischen Prozesses verstanden, welcher die Stressoren zwar nicht beseitigt, die Betroffenen aber befähigt, diese zu bewältigen.5
Es werden 3 Formen des Umgangs mit Stress beschrieben:5
Resiliente Menschen besitzen hierfür Fähigkeiten, die ihnen durch die Stresssituationen helfen und sie vor negativen Entwicklungen wie z. B. Burnout schützen. Diese Fähigkeiten werden als Schutzfaktoren bezeichnet.5
Als inzwischen gut belegte Schutzfaktoren gelten:5
Daneben können sich weitere Faktoren positiv auswirken. Zum Abschätzen der Resilienz wurde erstmals 1993 von Wagnild und Young eine Resilienz-Skala anhand der Datenbasis einer Zufallsstichprobe von n = 810 älteren Personen der amerikanischen Allgemeinbevölkerung entwickelt und evaluiert.6 Der Fragebogen enthält 25 Fragen, die Auswertung erfolgt schlicht über die Summe der Einzelwerte und ein hohes Ergebnis steht für eine hohe Resilienz.7
Im Jahr 2008 wurde dann eine vereinfachte Resilienz-Skala mit 13 Parametern von Leppert et al. entwickelt und anhand einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Bevölkerung (n = 2.671) validiert.7
Wie stark stimmen Sie den folgenden Aussagen zu (1 = „ich stimme nicht zu“; bis 7 = „ich stimme zu“):
Auswertung der Resilienzskala:
Punktwerte 13 - 66 = niedrig; Punktwerte 67 - 72 = moderat; Punktwerte 73 - 91 = hoch
Welchen Wert haben Sie in der Resilienz-Skala erzielt? Ist es Zeit für Resilienz-fördernde Maßnahmen?
Mehrere Publikationen von Kolleginnen und Kollegen aus der Ärzteschaft mit Empfehlungen zu diesem Thema sind erschienen.1,9,10 Unter anderem eine Zusammenfassung von 200 Interviews deutscher Ärztinnen und Ärzte unterschiedlichen Alters, Fachdisziplinen und Hierarchieebenen.1 Die Frage, die sich die Autoren Zwack und Schweitzer stellten: Wenn jede fünfte Ärztin bzw. jeder fünfte Arzt von Burnout betroffen ist, was ist dann mit den anderen? Ziel der Interviews war es, die Resilienz-Strategien erfahrener Kolleginnen und Kollegen zu sammeln.1
Drei wichtige Punkte die bei der Burn-out-Prävention unterstützen können:11
1. Realität und Anspruch vergleichen
Tipp: Strukturierte Methoden wie die Pomodoro-Technik (25 Minuten konzentriertes Arbeiten, 5 Minuten Pause) helfen, ungestörte Zeitblöcke zu schaffen und so die eigene Wirksamkeit zu steigern.
Mithilfe dieser Punkte können Sie ein funktionierendes System aufbauen, das Sie wirksam bei der Burn-out-Prävention unterstützt. Burnout ist kein individuelles Versagen, sondern eine ernstzunehmende berufliche Belastungsfolge. Nutzen Sie die vorgestellten Instrumente, um Ihre eigene Resilienz zu stärken und teilen Sie Ihre Strategien im Kommentarbereich, damit die Kolleginnen und Kollegen von Ihren Erfahrungen profitieren können.
Referenzen:
Bildquelle: ©shutterstock/Asset-ID: 1971108200
NP-DE-ON-WCNT-250065 (01/2026)