In Brasilien häufen sich Chagas-Fälle nach dem Genuss frischer Säfte. Wieso gerade Açaí und Zuckerrohr zum Risiko wurden, welche Symptome drohen und wie sich Reisende schützen können.
In den vergangenen Monaten traten in Brasilien vermehrt Chagas-Fälle auf, die alle mit dem Konsum frisch gepresster Säfte, vor allem aus Açaí-Beeren und Zuckerrohr, in Verbindung gebracht werden. Das Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT) warnt deshalb vor dem Genuss nicht pasteurisierter Säfte und rät Reisenden, bei unklaren Beschwerden medizinischen Rat einzuholen und eine Chagas-Infektion in die Diagnostik einzubeziehen. Bei gemeldeten Ausbrüchen konnten jeweils kontaminierte Säfte als Infektionsquelle identifiziert werden – darunter Fälle mit Todesfolge im Bundesstaat Pará und mehrere Ausbrüche in weiteren Regionen des Landes.
Weltweit rechnet die WHO mit etwa 30.000 neuen Infektionen und über 10.000 Todesfällen pro Jahr. Trotzdem wird die Chagas-Krankheit als vernachlässigte Tropenkrankheit eingestuft, da sie trotz starker gesundheitlicher Folgen wenig Beachtung erfährt. Prof. Dr. Tomas Jelinek vom BCRT betont: „Eine sichere Vorbeugung in betroffenen Gebieten ist kaum realisierbar, wenn man nicht vollständig auf frische Früchte und Fruchtsäfte verzichtet.“
Verursacher der Krankheit ist der Parasit Trypanosoma cruzi, der in Lateinamerika klassischerweise per kontaminierten Kot der infizierten Raubwanzen übertragen wird. Allerdings häufen sich auch Fälle, in denen der Parasit über kontaminierte Lebensmittel in den Körper gelangt, etwa durch unzureichend pasteurisierte Säfte oder Wildfleisch. Sogar Länder ohne Raubwanzen können betroffen sein – zum Beispiel durch Bluttransfusionen, Organtransplantationen oder die Übertragung von der Mutter auf das Kind.
Der Verlauf der Chagas-Krankheit ist vielfältig: Viele Infizierte bemerken ihre Erkrankung nicht. In der akuten Phase treten unspezifische Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, geschwollene Lymphknoten und Organvergrößerungen auf. Bei oraler Übertragung fällt die Symptomatik meist schwerer aus, oft mit Bauchschmerzen und Verdauungsbeschwerden. Bis zu einem Drittel der Infizierten erleiden langfristig schwere Organschäden – besonders Herz und Verdauungstrakt sind gefährdet.
Die Therapie erfolgt mit Benznidazol oder Nifurtimox, wirkt aber am besten, wenn sie früh startet. Mit fortschreitender Krankheitsdauer sinken die Erfolgschancen, und Nebenwirkungen treten häufiger auf. Laut Prof. Jelinek ist „die frühzeitige Erkennung und eine gut überwachte Behandlung entscheidend, um die Heilungschancen zu erhöhen und schwere Folgeerkrankungen zu verhindern.“
Für die meisten Reisenden gilt: Das Risiko einer Ansteckung ist gering, steigt aber bei längeren Aufenthalten oder einfachen Unterkünften. Das BCRT rät zu gezielter Aufklärung über die Übertragungswege und empfiehlt konsequenten Insektenschutz – etwa durch Moskitonetze. Nach dem Aufenthalt in Risikogebieten und bei unklaren Beschwerden sollte immer auch an eine mögliche Chagas-Infektion gedacht werden.
Die Pressemitteilung liegt der Redaktion vor.
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