Wie schaffen es Melanomzellen, das Immunsystem auszutricksen? Forscher haben jetzt einen bislang unbekannten Hautkrebs-Mechanismus enthüllt.
Melanome zählen zu den gefährlichsten Hauttumoren. Nun haben Forscher einen raffinierten Mechanismus aufgedeckt, wie diese Krebszellen das Immunsystem aushebeln: Melanomzellen verschicken sogenannte extrazelluläre Vesikel, winzige Bläschen, die gezielt Immunzellen lahmlegen. Die Entdeckung könnte neue Wege für die Behandlung eröffnen.
Extrazelluläre Vesikel (EV) sind mikroskopisch kleine, von Zellen abgeschnürte Bläschen. Sie dienen Melanomzellen offenbar als „Waffen“, um das Immunsystem auszutricksen. Die Forscher konnten zeigen, dass Melanomzellen bestimmte EV produzieren, die einen speziellen Liganden auf ihrer Oberfläche tragen. Dieser Ligand kann an einen Rezeptor andocken, der sich ausschließlich auf bestimmten Lymphozyten – also Immunzellen, die Krebs bekämpfen – findet.
Wenn die EV auf die Immunzellen treffen heften sie sich an die Lymphozyten, beeinflussen deren Funktion: „Wir haben entdeckt, dass der Krebs im Prinzip diese Vesikel auf die Immunzellen abschießt, die ihn attackieren, und so deren Aktivität stört oder sie sogar tötet“, erklärt Prof. Carmit Levy, die die Studie leitete.
Die Forscher hoffen, dass dieses Wissen künftig in neue Therapien münden kann. Denkbar wäre zum einen, die Immunzellen zu stärken, sodass sie der Sabotage besser standhalten. Zum anderen könnten gezielt die Moleküle blockiert werden, mit denen die Vesikel an die Immunzellen andocken. „Es ist bereits klar, dass diese Entdeckung weitreichende therapeutische Implikationen hat“, sagt Prof. Levy. „Dieser Befund eröffnet neue Ansätze für eine wirksame Immuntherapie gegen das Melanom.“
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