Erkrankungen des Herzkreislaufsystems gehören in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. Allein im Jahr 2024 ließen sich 33,7 % der Todesfälle auf Krankheiten des Kreislaufsystems zurückführen.1 Es existiert eine weite Reihe an verschiedenen koronaren Erkrankungen. Eine weit verbreitete und besonders interessante Erkrankung ist dabei die Herzinsuffizienz bzw. die Linksherzinsuffizienz (Heart failure, HF).2
Eine HF beschreibt eine Erkrankung, bei der die Pumpleistung des Herzens nicht mehr ausreichend ist, um die Blutversorgung des Körpers zu gewährleisten.3 Die Anzahl von Herzinsuffizienzdiagnosen ist über die Jahre enorm gestiegen: weltweit leben laut Global Burden of Disease Study 2023 rund 56,1 Millionen Menschen mit Herzinsuffizienz.4 HF tritt dabei gehäuft bei Menschen ≥ 60 Jahren auf. Viele dieser Erkrankten weisen zusätzliche Komorbiditäten wie Übergewicht, Hypertension und/oder Diabetes auf.5 Eine HF tritt nicht spontan auf, sondern wird immer durch eine zuvor existierende Erkrankung begründet.6 Allerdings kann eine HF in jedem Alter auftreten. Bei jüngeren Patient:innen (25–60 Jahre) wird eine HF häufig durch ischämische Herzerkrankungen verursacht, während sich HF bei älteren Personen eher aufgrund bestehender chronischer Erkrankungen wie einer hypertensiven Herzerkrankung oder COPD entwickelt.7,8
Risikofaktoren sind u. a. die oben genannten Komorbiditäten, sowie Alkohol- und Tabakkonsum, schlechte Ernährung und bestimmte Chemo- oder Radiotherapien.5Im Jahr 2024 war die HF die zweithäufigste Todesursache bei Frauen und die siebthäufigste bei Männern in Deutschland.1 Die 5-Jahres-Mortalität liegt im Mittel bei 50–60 %.6
HF existiert in vielfältigen Manifestationen. Basierend auf den betroffenen Arealen des Herzens kann die HF entweder die linke oder rechte Herzhälfte betreffen, oder sogar als eine globale HF auftreten.6 In diesem Artikel fokussieren wir uns spezifisch auf die Linksherzinsuffizienz.
Für die Linksherzinsuffizienz existieren verschiedene Klassifikationen. Zum einen kann eine HF basierend auf der vorliegenden linksventrikulären Ejektionsfraktion (EF), also dem Anteil des Blutvolumens, das während der Systole aus der Herzkammer gepumpt wird, in drei unterschiedliche Formen unterteilt werden:
Abbildung 1: Herzkammern und Herzmuskel bei HFrEF, HFmrEF und HFpEF
Zudem existieren weitere Klassifikationssysteme der AHA/ACC/HFSA (American Heat Association/ American College of Cardiology/Heart Failure Society of America) und der NYHA (New York Heart Association). Sie charakterisieren eine HF basierend auf dem Vorliegen von Symptomen bzw. der eingeschränkten physischen Leistungsfähigkeit.14,15
Typische Symptome einer HF sind dabei klassischerweise Kurzatmigkeit, insbesondere nach Anstrengung oder im Liegen, sowie eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Erschöpfung. Hinzu kommen u. a. Ödeme an den Beinen, Fußgelenken und/oder Füßen, trockener unproduktiver Husten sowie auffällige Atemgeräusche und Brustschmerzen.16,17 Das Vorliegen und die Ausprägung der einzelnen Symptome können dabei geschlechtsspezifisch sein und von Patient:in zu Patient:in variieren und im Lauf der Erkrankung zunehmen.18,19 Zudem kann sich eine HF durch eine akute Episode und durch eine chronische Erkrankung manifestieren.13
Da Symptome mit anderen Erkrankungen oder fehlender körperlicher Fitness überlappen können, ist eine eindeutige Diagnose oft erschwert.20 Die Diagnostik der HF beinhaltet eine Bestätigung der Diagnose, eine Abklärung der Ätiologie und auslösender Faktoren, sowie eine Erkennung etwaiger Komorbiditäten zur Prognoseeinschätzung.17,21 Dazu erfolgt neben einer körperlichen Untersuchung auch eine apparative Diagnostik inkl. EKG, Echokardiogramm und Bildgebung.6 Zudem werden Bluttests auf das Vorliegen natriuretischer Peptide – insbesondere NT-proBNP und BNP – durchgeführt, die diagnostische Biomarker für eine HF darstellen.21
Ziel der Therapie bei einer HF ist es, den Progress der Erkrankung so lange wie möglich zu verzögern und sogenannte Dekompensationen und damit verbundene Hospitalisierungen zu verhindern.14–16 Bei Dekompensationen handelt es sich um Ereignisse, nach denen der Körper nicht mehr in der Lage ist, die eingeschränkte Leistungsfähigkeit des Herzens auszugleichen und sich Symptome und Prognose der Patient:innen verschlechtern.22Neben Therapieansätzen, die auf die der Herzinsuffizienz zugrunde liegenden Faktoren und Komorbiditäten abzielen – etwa eine Anpassung des Lebensstils – wird auch eine gezielte medikamentöse Behandlung eingesetzt.6 Dabei spielt die verbleibende EF eine entscheidende Rolle für die Wahl der Therapie.
Für die Behandlung der HFrEF existieren umfassende Empfehlungen der ESC (European Society of Cardiology ) und AHA/ACC/HFSA-Leitlinien. So finden SGLT2-Inhibitoren, sGC-Stimulatoren, ACE-Hemmer und Angiotensinrezeptorblocker, Betablocker, steroidale Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten sowie Diuretika Verwendung.14–16
Die Therapielandschaft bei HFpEF ist dagegen recht spärlich und die Empfehlungen der ESC und AHA/ACC/HFSA weichen voneinander ab. Während AHA/ACC/HFSA vergleichbare Empfehlungen bei HFrEF und HFpEF geben, empfiehlt die ESC bislang nur SGLT2-Inhibitoren und Diuretika bei Bedarf.14–16
Für die HFmrEF werden tendenziell vergleichbare medikamentösen Strategien wie für die HFrEF empfohlen.14–16
Ansonsten steht insbesondere die Behandlung zugrundeliegender Ursachen wie etwaiger Hypertonie oder anderer Komorbiditäten im Fokus.6 Fortgeschrittene Stadien der HF können auch invasive Therapien wie eine kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) oder eine Implantation eines Kardioverter-Defibrillators nötig machen. So soll die Lebensqualität der Patient:innen verbessert und das Risiko für einen plötzlichen Herztod reduziert werden.6
Referenzen:
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