Drei bis fünf Tage vor der Untersuchung nur noch leicht Verdauliches – so lautet die Standardempfehlung vor einer Darmspiegelung. Darunter leidet die Adhärenz. Muss das wirklich sein?
„Je gründlicher Ihr Darm vorbereitet ist, desto besser lässt er sich begutachten“ – diese Information erhält man als Patient üblicherweise im vorbereitenden Gespräch auf eine Koloskopie. Neben den genauen Anweisungen für den Vortag der Untersuchung, der vom Abführprozedere bestimmt ist, wird für die vorausgehende drei- bis fünftägige Phase oft eine ballaststoff- und kernarme Kost ans Herz gelegt, um für bestmögliche Sichtverhältnisse im Darmlumen zu sorgen. Während wohl die meisten die induzierte Diarrhoe als unangenehmsten Teil des Ganzen empfinden, wird bisweilen auch mit dem tagelangen Verzicht auf Vollkornprodukte, Tomaten, kernhaltiges Obst etc. gehadert. Adhärenzstudien zeigen, dass die Bereitschaft, eine Vorsorgekoloskopie im empfohlenen Abstand zu wiederholen umso größer ist, je weniger restriktiv die Ernährungsvorgaben im Vorfeld der Untersuchung sind.
Doch könnte ein nur eintägiger Verzicht auf ballaststoff- und rückstandsreiche Kost den Darm genauso gut – und ohne Abstriche bei der Polypendetektion – auf die Darmspiegelung vorbereiten wie eine mehrtägige derart restriktive Kost? Eine Reihe älterer Einzelstudien bescheinigt einer auf nur einen Tag beschränkten Reduktionskost eine ebenso effiziente Vorbereitung auf die Koloskopie wie dem üblichen mehrtägigen Verzicht auf rückstandreiche Kosts (siehe hier, hier und hier). Um den diesbezüglichen Forschungsstand auch im Hinblick auf Polypendetektion und Patientencompliance zusammenzufassen, haben 2025 zwei asiatische Arbeitsgruppen systematische Übersichtsarbeiten samt Metaanalysen publiziert.
Primärer Endpunkt der ersten, in Clinical Endoscopy publizierten Metaanalyse war der Vergleich der Darmvorbereitungsqualität zwischen einer ein- und einer mehrtägig praktizierten präkoloskopischen Reduktionsernährung. Als sekundäre Outcomes verglichen die Analysten die Detektionsraten von Polypen und Adenomen im Besonderen sowie als koloskopisches Qualitätsmerkmal die zökale Intubationsrate/-zeit. Dazu screenten die indonesischen Studienautoren 533 Einzelstudien aus großen Medizindatenbanken (PubMed, Cochrane, Scopus, Science Direct, ClinicalTrials.gov), aus denen final sechs Studien mit insgesamt knapp 2.500 erwachsenen Probanden (davon 49,9 % weiblich und 50,1 % männlich) in die Metaanalyse aufgenommen wurden.
Die wichtigsten Einschlusskriterien waren:
Zur Berücksichtigung relevanter Verzerrungen wurde das Cochrane Risk-of-Bias tool for randomized trials (RoB 2) angewendet.
In fünf der sechs einbezogenen RCTs betrug die lange Reduktionskostphase 3 Tage, in einer RCT 2 Tage. Die statistische Auswertung der Einzelstudienergebnisse lieferte keinen signifikanten Unterschied in der Qualität der Darmvorbereitung zwischen ein- und mehrtägigem Verzicht auf rückstandsreiche Kost. Eine gute Qualität der Darmvorbereitung, indiziert durch einen BBPS-Score ≥ 2 für jedes einzelne Darmsegment, wurde für 87,2 % (1 Tag) bzw. 87,1 % (≥ 2 Tage) bei einer Odds Ratio (OR) von 1,03 ermittelt.
Auch bezüglich der sekundären Endpunkte der Polypen- und Adenom-Detektionsraten, Gesamtrückzugszeit, zökaler Intubationsrate und -dauer waren keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Kohorten mit ein- und mehrtägiger Reduktionskost nachweisbar.
Aufbauend auf der vorgestellten Metaanalyse hat eine chinesische Forschungsgruppe Ende 2025 eine systematische Übersichtsarbeit plus Metaanalyse in BMC Gastroenterology publiziert. Das Studiendesign umfasste ebenfalls das Screening von ca 1.050 Studien in großen Medizindatenbanken und anschließender Selektion von insgesamt 5 geeigneten Vergleichs-RCTs (insgesamt 2.248 Probanden) zwischen ein- und mehrtägiger Reduktionskost vor der Koloskopie. Primärer Zielpunkt war wiederum die Darmvorbereitungsqualität (BBPS-Score). Als Sekundäroutcomes wurden Polypen-/Adenom-Detektionsraten und unerwünschte Vorfällen sowie als neue Endpunkte die Toleranz der Untersuchten sowie deren Bereitschaft, für späteren Darmuntersuchungen dasselbe vorbereitende Ernährungsregime zu praktizieren, definiert.
Für die Darmreinigungsqualität wurden auch in dieser Arbeit für die ein- und die mehrtägige Restriktionsdiät gleich gute Werte ermittelt (ca. 90 % BBPS-Score ≥ 2 pro Darmsegment). Desgleichen zeigten sich bezüglich der Polypen- bzw. Adenomdetektion sowie des Auftretens unerwünschter Ereignisse analog der indonesischen Metaanalyse keine statistisch signifikanten Unterschiede. Letztere wurden dagegen in der Patiententoleranz ermittelt, die für die nur eintägige Nahrungseinschränkung erheblich höher ausfiel (OR 1,67) und in einer noch höheren Bereitschaft (OR 2,64) mündete, diese verkürzte Restriktionsdiät bei Folgeuntersuchungen erneut zu praktizieren.
Die Autoren beider Metaanalysen kommen zu einem übereinstimmenden Fazit. Demnach bringt eine länger als einen Tag andauernde Reduktionskost mit weitgehendem Verzicht auf rückstandsreiche Lebensmittel keine verbesserte Darmvorbereitung für eine Koloskopie mit sich und verbessert auch nicht deren Zuverlässigkeit. Zudem sei jede Verlängerung der Ernährungsbeschränkung mit einer sinkenden Adhärenz für nachfolgende Vorsorgekoloskopien verbunden.
Zu bedenken gibt es dabei relevante Limitationen. Aufgrund enger Eignungskriterien umfassten beide Metaanalysen lediglich 6 bzw. 5 Einzelstudien, die zudem zum Teil identisch sind, sodass insgesamt deutlich weniger Probandenbefunde einflossen als die Addition der Teilnehmerzahlen aus beiden Analysen (ca. 4.700) ergibt. Überdies gab es keine Berücksichtigung unterschiedlicher Abführregimes (verschiedene Laxantien, Einzeldosis versus gesplittete Einnahme), die für die Darmsäuberungsqualität relevant sein könnten.
In Deutschland gibt es keine eigenständige „Ernährungsleitlinie“ für die Koloskopie-Vorbereitung. In den fachmedizinischen Empfehlungen dominiert aber der 3- bis 5-tägige Verzicht auf rückstandsreiche Nahrung. Demgegenüber empfehlen die European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) in ihrer zuletzt 2019 upgedateten Leitlinie sowie die US Multi-Society Task Force on Colorectal Cancer nur für den Tag vor der Koloskopie eine ballaststoffarme Ernährung.
Der nicht ärztlich tätige Autor dieser Zeilen, der lediglich über die Erfahrung von vier Koloskopien aus Sicht des Untersuchten verfügt, vermag keine Bewertung abzugeben ob ein nur eintägiges Verzichten dem Untersucher ein ebenso gutes und effizientes Arbeiten ermöglicht wie ein mehrtägiges „Darben“. Trotz Bevorzugung ballaststoffreicher Kost ist der Autor aber gerne bereit, den ohnehin nur in Mehrjahresabständen zu übenden Verzicht im Vorfeld der Darmkrebsvorsorge mehr als einen Tag lang zu praktizieren. Wenn es dem Behandler die Arbeit erleichtert und der Untersuchungsqualität zugutekommt, ist es das allemal wert.
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Bildquelle: Midjourney