Ich lese regelmäßig medizinische Leitlinien - die Empfehlungen sind immer fachlich schlüssig und patientenzentriert verfasst. Gleichzeitig erlebe ich im Apothekenalltag oft, dass diese Empfehlungen bei Patient:innen nur teilweise oder gar nicht umgesetzt werden. Das scheint weniger ein medizinisches Problem zu sein, als ein strukturelles: Zeitmangel in den Praxen, begrenzte Vergütung für Gespräche, bürokratische Hürden oder fehlende Versorgungsangebote. Als schreibende PTA und Studentin der Naturheilkunde stehe ich dabei gewissermaßen „zwischen den Stühlen“ – durch das Studium vertraut mit den Leitlinien, aber auch durch die Arbeit in der Apotheke und persönliche Erfahrungen nah an den Patient:innen, die deren Umsetzung im Alltag nicht erleben. Mich interessiert, in welchen Bereichen Kolleg:innen aus Praxis und Klinik diese Diskrepanz besonders wahrnehmen und welche pragmatischen Lösungen es gibt, um Leitlinien unter realen Bedingungen besser abzubilden – ohne den Behandlern, die unter hohem Druck arbeiten, einen Vorwurf zu machen.