Kaffeekonsum bei VHF: Neue Daten stellen alte Empfehlungen infrage
Kann eine tägliche Tasse Kaffee das Risiko für Rückfälle von Vorhofflimmern (VHF) oder Vorhofflattern nach elektrischer Kardioversion senken? Darauf deuten zumindest neue Studienergebnisse hin. Untersucht wurden 200 Patienten (Durchschnittsalter 69 Jahre, BMI > 30, 71 % Männer) mit persistierendem VHF/Vorhofflattern, die allesamt zuvor regelmäßig Kaffee konsumiert hatten. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt: mindestens eine Tasse Kaffee täglich vs. kompletter Verzicht auf Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke. Nach sechs Monaten traten erneute Episoden von VHF/Vorhofflattern bei 47 % der Kaffeegruppe und 64 % der Abstinenzgruppe auf – ein statistisch signifikant um 39 % reduziertes Rückfallrisiko zugunsten moderaten Kaffeekonsums. Die Rückfälle wurden engmaschig mittels EKG und zum Teil Langzeitmonitoring erfasst. Als mögliche Mechanismen diskutieren die Autoren entzündungshemmende Inhaltsstoffe des Kaffees, eine leichte Blutdrucksenkung durch die harntreibende Wirkung sowie indirekte Effekte über gesteigerte körperliche Aktivität und vagale Modulation. Die Ergebnisse sind insbesondere für Patienten relevant, die nach Kardioversion wegen möglicher Rhythmusinstabilität bislang auf Kaffee verzichten. Die DECAF-Studie liefert die erste randomisierte Evidenz, dass moderater Konsum nicht nur unbedenklich sein könnte, sondern möglicherweise sogar protektiv wirkt. Dennoch gibt es wichtige Einschränkungen: Die Fallzahl ist mit 200 Personen relativ klein, die Nachbeobachtung auf sechs Monate begrenzt. Zudem war eine Verblindung nicht möglich – Placeboeffekte und Verhaltensänderungen lassen sich daher nicht vollständig ausschließen. Die Daten gelten außerdem nur für Menschen mit bestehendem VHF/Vorhofflattern und moderatem Kaffeekonsum; Aussagen zu Hochdosen oder zur Primärprävention sind nicht ableitbar. Insgesamt liefert die Studie jedoch einen relevanten Impuls, bisherige pauschale Empfehlungen gegen Kaffee bei VHF zu überdenken. |