Narben entstehen immer dann, wenn die Haut tiefer verletzt wurde und der Körper das Malheur mit Ersatzgewebe flickt. Die faserreiche Reparatur kommt nach Unfällen, Operationen, Infektionen oder auch nach hartnäckiger Akne zum Einsatz.
Wenn die Haut tief genug verletzt wurde, dass nicht nur die oberste Schicht (Epidermis), sondern auch die Dermis und ggf. das subkutane Gewebe betroffen sind, entsteht eine Narbe. In diesen Fällen reicht eine vollständige Regeneration mit „Originalgewebe“ nicht aus, und der Körper repariert den Defekt mit faserreichem Bindegewebe. Dieses Ersatzgewebe besteht vor allem aus Kollagenfasern, wenigen Zellen und einer veränderten extrazellulären Matrix – funktionell stabil, aber nie ganz so belastbar, elastisch und „intelligent“ wie die ursprüngliche Haut.
Die Narbenbildung ist eingebettet in den mehrphasigen Prozess der Wundheilung. Klassisch werden drei bis vier Phasen unterschieden, die ineinander übergehen und sich teilweise überlappen:
In der Entzündungsphase kommen zunächst Thrombozyten und Entzündungszellen (Neutrophile, Makrophagen) zum Einsatz, um die Blutung zu stillen, Keime abzuräumen und beschädigtes Gewebe zu entfernen. Danach folgt die proliferative Phase, in der Fibroblasten, Endothelzellen und Keratinozyten in die Wunde einwandern, neues Granulationsgewebe bilden und die Oberfläche wieder verschließen.
Die eigentliche Narbenentstehung beginnt in der Proliferations- und setzt sich in der Maturationsphase fort. Fibroblasten synthetisieren zunächst vor allem Kollagen Typ III und andere Matrixbestandteile (z. B. Proteoglykane, Glykosaminoglykane), um den Defekt rasch zu stabilisieren. Parallel kommt es zur Angiogenese: Neue Kapillaren sprießen ein, weshalb frische Narben oft gerötet und gut durchblutet wirken.Im weiteren Verlauf der Maturations- oder Remodellingphase wird dieses provisorische Kollagen Typ III schrittweise durch stabileres Kollagen Typ I ersetzt. Kollagenfasern werden umgebaut, neu ausgerichtet und dichter gepackt, gleichzeitig nimmt die Zahl der Blutgefäße und Zellen ab – die Narbe verblasst und wird fester (Narbenreifung). Mechanische Reize (Zug- und Scherkräfte), lokale Entzündung und genetische Faktoren beeinflussen, wie ausgeprägt dieser Remodelling-Prozess verläuft und ob eher unauffällige oder überschießende Narben entstehen.
Medizinisch lässt sich gut zwischen regenerativer Wundheilung und Reparation unterscheiden. Oberflächliche Verletzungen, die nur die Epidermis betreffen, können vollständig regenerieren – die Haut bildet aus der Basalzellschicht eine intakte neue Oberfläche, ohne sichtbare Narbe.Dringen Verletzungen hingegen in die tieferen Dermisschichten ein, kommt es zur Reparation: Das verlorene Gewebe wird durch kollagenreiches Bindegewebe ersetzt, das strukturell und funktionell von normaler Haut abweicht. Regeneration bedeutet also „Originalgewebe“, Reparation hingegen „Ersatzgewebe“.
Im Prozess der Narbenreifung ändert sich die Hautarchitektur nachhaltig. Die Kollagenfasern liegen nicht mehr dreidimensional netzartig, sondern überwiegend parallel ausgerichtet; dadurch wird das Gewebe zwar stabil, aber weniger elastisch. Zudem fehlen in Narben wichtige Hautanhangsgebilde: Es gibt keine Haarfollikel, keine Schweiß- und Talgdrüsen sowie kaum pigmentbildende Melanozyten.Die Durchblutung ist nach Abschluss der Reifung deutlich reduziert, was die blasse bis weißliche Farbe vieler alter Narben erklärt. Nervenendigungen können unterbrochen, fehlgeleitet oder in neu gebildetes Bindegewebe eingelagert werden – wodurch sensorische Störungen wie Hypästhesien, Parästhesien, Juckreiz oder neuropathieähnliche Schmerzen auftreten können.
Narben können sich auf unterschiedliche Weise zeigen: Flach oder eingesunken (atroph), manchmal auch erhaben (hypertroph) oder sogar übermütig wachsend (Keloid). Anfangs sind viele Narben gerötet, später werden sie meist heller als die Umgebung bzw. blass bis weißlich. Manche Narben sind sie auch „aktiv“ und gehen mit sensorischen Empfindungsstörungen wie Juckreiz, Spannungsgefühl, Schmerzen oder Beweglichkeitseinschränkungen einher.
Komplikationen entstehen meist aus einem gestörten Heilungsprozess oder einer schlechten Wundversorgung. Zu den typischen Problemen gehören:
Abbildung 1. Keloid.
Ob eine Narbe unauffällig bleibt oder auffällig wird, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab. Allein die Art der Wunde kann Einfluss auf das spätere Erscheinungsbild haben: Saubere Schnittwunden verheilen eher zu unauffälligen Narben als zerfetzte, kontaminierte oder verbrannte Wunden. Wird die Wunde versorgt und über eine Naht verschlossen, bleibt die Narbe meist unauffälliger als Wunden, die offen abheilen gelassen werden. Neben dem Wundheilungsprozess neigen bestimmte Lokalisationen eher zu hypertropher Narbenbildung. Das sind häufig Körperregionen, an denen die Haut ständig hoher Zugspannung ausgesetzt ist, z. B. Sternum, Schultern oder über Gelenken.
Wie so häufig in der Wundheilung kommen außerdem individuelle Faktoren dazu, die eine Narbenbildung begünstigen können, u.a. genetische Disposition, Hauttyp oder auch das Alter, da bei älteren Menschen die Haut dünner und weniger elastisch wird und sich die Wundheilungszeit verlängert. Zusätzlich können Komorbiditäten wie Durchblutungsstörungen, Immunsuppression oder Diabetes mellitus die Narbenbildung beeinflussen.
Infektionen und gestörte Wundheilung (z. B. durch Hämatom, Nekrosen, Fremdkörper) erhöhen deutlich das Risiko für hypertrophe Narben und Keloide.
Prinzipiell ist eine Narbe zunächst „nur“ ein vorläufiger Endzustand der Wundheilung und bedarf keiner Therapie. Sorgen Narben allerdings für Probleme, ob funktionell oder auch kosmetisch, gibt es durchaus Gründe, sie zu behandeln. Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig und je nach Narbentyp wird oft eine Kombination genutzt:
Ziel bleibt immer dasselbe: Die Narbe optisch zu entschärfen und, wenn nötig, wieder mehr Funktion und Beweglichkeit zu ermöglichen. Bei oberflächlichen Hautverletzungen ist die richtige Pflege ebenfalls entscheidend. Lesen Sie hier, wie Sie Schürfwunden am besten behandeln. Für die richtige Wundversorgung und passende Produkte finden Sie hier eine Übersicht.
Referenzen: