Die Zahnseide steht wieder griffbereit: Mit dem neuen Jahr kommen die guten Vorsätze. Nach der stresserfüllten Weihnachtszeit ist nun auch wieder Luft im zahnärztlichen Terminkalender. Wie ihr sie bestmöglich nutzt.
Für viele startet jetzt wieder ein neues Arbeits- und Berufsjahr. Man ist guter Dinge, hat Kraft getankt und darf als Mediziner wieder ganz viele spannende Patientenfälle betreuen. Ich möchte mein Jahr mit einem kleinen Rückblick in die Weihnachtszeit beginnen.
Die letzten Wochen vor Weihnachten fühlen sich in einer Zahnarztpraxis wie in einer Wundertüte an. Der Jahresendspurt mit den Vorsorgestempeln, Zahnersatzeingliederungen und Schmerzpatienten füllt den Terminkalender. Und dann wären da noch die Fälle, die sich aufgrund von süßen Leckereien einen zusätzlichen Termin buchen. Gebrannte Mandeln vom Weihnachtsmarkt sind ein Klassiker: Die süße Leckerei verursacht bei Zahnkronen des Öfteren ein Knacksen und bringt diese zu Fall. Vielleicht ist es aber auch der heiße Punsch, der Nervenentzündungen so richtig hervorkitzelt. Besonders gut macht sich ebenfalls der kalte Wind, der die Haut peelt – aber leider auch die freiliegenden Zahnhälse aus dem Winterschlaf holt und schlimme Schmerzen im ganzen Mund verursacht. Apropos der ganze Mund: Da weiß man als Zahnarzt leider gar nicht recht, wo man mit der Ursachenforschung überhaupt beginnen soll. Ein Links, ein Rechts, ein Oben, oder Unten wäre sehr hilfreich. Aber gut, im ganzen Mund kann auch sehr vieles sein.
Gibt es Veränderungen der Mundschleimhaut? Gerade das Herpes-simplex-Virus tobt sich gerne mal bei geschwächtem Immunsystem aus. Die Bläschen können so richtig fies sein – und der Bläscheninhalt ist leider auch hoch infektiös. Es kann aber auch sein, dass das Jahr so stressig war und unsere lieben Patienten unter Rückenschmerzen, Nackenschmerzen und oftmals auch unter Kiefergelenkschmerzen leiden. CMD ist hier das Schlagwort. Den kleinen Beißerchen wird das schnell mal zu viel, wenn die Kaumuskulatur ungebremst die Zähne zusammenbeißen lässt. Vielleicht liegt der beidseitige Zahnschmerz im Mund aber auch daran, dass die Erkältungszeit angebrochen ist: Die Nasennebenhöhlen sind ordentlich mit Schleim gefüllt, Belüftung ist ein Fremdwort, und die Oberkieferbackenzähne pochen dann so richtig schön, wenn der Betroffene schlafen gehen möchte.
Ach ja, die lieben Zähne. Manch einer hat das ganze Jahr über wenig daran gedacht. Die Zahnbürste wird meistens doch als Teil der Körperhygiene bedacht, aber wie sieht es mit Zahnseide aus? Ist überhaupt noch eine im Badezimmerschrank vorzufinden? Oder ist schlicht die Motivation flöten gegangen, sich jeden Abend auch noch durch die Zahnzwischenräume zu arbeiten – was nervig ist und häufig das Zahnfleisch zum Bluten bringt? Tja, das wäre ein guter Neujahrsvorsatz, der alle Zahnärzte freuen würde: Wenn Patienten die Zahnseide direkt vor der Zahnbürste stehen hätten und täglich einen kleinen Streifen davon benutzen würden.
Sehr wünschenswert wäre auch, wenn sich die lieben Patienten direkt zu Jahresbeginn um einen Vorsorgetermin bemühen würden. Dann hätte man für beide Seiten eine gute Planbarkeit und auch die Möglichkeit, kleine Löchlein zeitnah zu reparieren. Wenn ich an die letzten Tage im Jahr zurückdenke, dann klingelte das Telefon an der Rezeption ununterbrochen: „Hier tut ein bisschen was weh. Da könnte es über die Feiertage noch mehr wehtun. Wieso kann man nicht noch einen Notfalltermin bekommen?“ Die Mitarbeiterin an der Rezeption konnte einem wirklich leidtun. Sie wiederholte das Mantra tausendmal am Tag, dass alle Termine vergeben sind. Nur noch ganz dringende Akutfälle könnte sie dazwischen quetschen. Planbare Behandlungen waren einfach nicht mehr unterzubringen – reguläre Termine dann erst wieder im neuen Jahr. Ihr lieben Kollegen der anderen Fachrichtungen, ihr kennt diese aufgewühlten Patienten am Jahresende sicher auch, oder?
Lasst uns hoffnungsvoll und voller Elan in das neue Jahr 2026 starten. Sicherlich klingelt das Telefon die ersten Arbeitstage auch im Dauermodus, aber wir sind jetzt wieder bereit für die großen und kleinen Herausforderungen des Arbeitsalltags. In diesem Sinne: ein gutes und erfolgreiches neues Jahr mit gelungener Kommunikation, zielführenden Ideen und kollegialem Austausch.
Bildquelle: Midjourney