Kaum ein Arzneimittel wird so kontrovers diskutiert wie die Impfung gegen COVID-19. Dabei lautet ein Argument, dass es keine Langzeitdaten gibt. Nun trudeln sie langsam ein und zeigen: Impfen lohnt sich.
Nur wenige Arzneimittel sind so gut erforscht, wie die COVID-19-Impfung. Die Pandemie beschleunigte das Sammeln der notwendigen Daten aufgrund der hohen Infektionszahlen um ein Vielfaches, wodurch ungewöhnlich schnell Aussagen über Wirkungen und Nebenwirkungen getroffen werden konnten. Nie gab es eine größere Impfkampagne, nie wurden mehr Daten zu einer Impfung gesammelt. Dennoch ist die COVID-19-Impfung – vorrangig mit mRNA-Impfstoffen – die am meisten diskutierte Impfung und ein gerne genutztes Ziel vieler Impfgegner. Gerade daher ist es wichtig, in diesem Zusammenhang immer wieder über belastbare Zahlen zu berichten und so die Diskussion auf möglichst sachliche Beine zu stellen.
Besonders häufig wird kritisiert, dass es bislang keine Langzeitdaten zur Impfung gibt – woher auch? Eine neue großangelegte Kohortenstudie aus unserem Nachbarland Frankreich liefert nun erste Langzeitdaten zur Sterblichkeit in Abhängigkeit von der COVID-19-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff. Ein Forscherteam wertete dafür eine Kohorte von 22,7 Millionen geimpften und 5,9 Millionen ungeimpften Probanden über einen Beobachtungszeitraum von knapp 4 Jahren aus. Die geimpften Probanden waren im Mittel etwas älter, häufiger weiblich, sozioökonomisch weniger benachteiligt, hatten aber mehr kardiometabolische Komorbiditäten. Zur Reduktion von möglichen Confoundern nutzten die Forscher gewichtete Cox-Modelle, die für soziodemografische Faktoren sowie 41 Komorbiditäten korrigiert wurden.
Das wichtigste Ergebnis: Die Daten liefern keinerlei Hinweise auf eine erhöhte Langzeitsterblichkeit in Zusammenhang mit mRNA-COVID-19-Impfungen. Im Gegenteil: Für Geimpfte war das Risiko an Covid zu sterben um satte 74 % reduziert. Und auch das Gesamtsterberisiko über alle Ursachen hinweg war um 25 % geringer als in der Gruppe der Ungeimpften. Die niedrigere Sterblichkeit blieb auch in Subgruppen bestehen (z. B. abhängig von Alter, Geschlecht, Region, Vorerkrankungen etc.). Insgesamt konnte eine zeitliche Dynamik beobachtet werden: Der Schutzeffekt der COVID-19-Impfung war im ersten Teil des Beobachtungszeitraums höher als im späteren Verlauf. Damit unterstreicht die Studie den Nutzen und die Sicherheit der mRNA-Impfung gegen COVID-19, die weiterhin weltweit genutzt wird.
Die Autoren können zwar nicht ausschließen, dass Rest-Confounder einen Einfluss haben (z. B. das Risikoverhalten oder die sogenannte Healthy Vaccinee Bias), aber auch nach Kalibrierung blieb der positive Effekt der COVID-19-Impfung auf die Sterblichkeit bestehen. Die ersten 6 Monate nach einer Impfung nahmen die Forscher nicht in ihre ursprüngliche Analyse mit auf, um die Immortal Time Bias zu vermeiden. Eine zusätzliche Analyse zeigte jedoch auch für diesen Zeitraum ein um 29 % reduziertes Sterblichkeitsrisiko in der Gruppe der Geimpften. Besonders stark reduziert war dieses für die COVID-19-Sterblichkeit.
Auch wenn unbeobachtete Unterschiede zwischen den beiden Gruppen einen Einfluss auf die Sterblichkeit gehabt haben könnten (wie das genannte Risikoverhalten) ist die wichtige Nachricht vor allem: Es gibt keinen Hinweis auf eine erhöhte Sterblichkeit – auch langfristig – durch die Exposition gegenüber mRNA-Impfungen.
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