Das Multiple Myelom (MM) wird grundsätzlich als seltene Form von Blutkrebs betrachtet und macht rund 10 % der hämatologischen Neoplasien weltweit aus.1,2 In den letzten Jahrzehnten ist die Krankheitslast weltweit jedoch deutlich gestiegen.3
In Deutschland verliefen Inzidenz und Mortalität lange parallel – doch in den letzten 20 Jahren ist die Sterblichkeit gesunken, während die Inzidenz weiter zunimmt. Besonders interessant ist, wie sich die Belastung durch das Multiple Myelom im Zeitraum der letzten dreißig Jahre entwickelt hat – und welche Unterschiede zwischen Altersgruppen, Geschlechtern sowie verschiedenen Regionen und Bevölkerungsgruppen sichtbar werden.
Daten aus aktuellen Studien zeigen eine kontinuierliche Zunahme der Inzidenz des Multiplen Myeloms, insbesondere in Ländern mit höherem wirtschaftlichem Entwicklungsstand.3,4
Weltweit werden jährlich rund 187.000 neue Fälle diagnostiziert, die globale Inzidenzrate liegt bei etwa 1,8 pro 100.000 Einwohner.4 Obwohl das Multiple Myelom insgesamt zu den seltenen Krebserkrankungen zählt, gehört es zu den häufigsten Tumoren des Knochens und Knochenmarks.
In Deutschland liegt die Inzidenz bei rund drei bis sechs Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner* jedes Jahr, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen.5 Aktuell sind die Sterblichkeitsraten insgesamt in der Altersgruppe der 70- bis 74-Jährigen am höchsten.3,6
Aufzeichnungen der letzten drei Jahrzehnte (1990-2021) zeigen, dass Westeuropa im weltweiten Vergleich die höchste Inzidenz und höchste Prävalenz des Multiplen Myeloms aufwies, während Asien die höchsten Mortalitätsraten verzeichnete.3
Daten aus dem Jahr 2022 zeigen, dass Asien mittlerweile bei Inzidenz, Prävalenz und Mortalität weltweit an der Spitze liegt (Tabelle 1).4
Kontinent
Inzidenz
(Fälle/ Häufigkeit)
Mortalität
5-Jahres-Prävalenz
Asien
73.870 / 39,3 %
53.795 / 44,3 %
200.077 / 37,1 %
Europa
50.092 / 26,7 %
31.969 / 26,3 %
149.397 / 27,7 %
Nordamerika
37.050 / 19,7 %
15.120 / 12,5 %
117.011 / 21,7 %
Lateinamerika & Karibik
15.194 / 8,1 %
11.402 / 9,4 %
42.717 / 7,9 %
Afrika
8.978 / 4,8 %
7.632 / 6,3 %
21.376 / 4,0 %
Ozeanien
2.768 / 1,5 %
1.470 / 1,2 %
8.370 / 1,6 %
Tabelle 1 Weltweite Inzidenz, Mortalität und Prävalenz beider Geschlechter des Multiplen Myeloms.4
Zudem bestehen deutliche ethnische Unterschiede: Menschen afrikanischer Abstammung haben ein etwa zweifach höheres Risiko, an einem Multiplen Myelom zu erkranken, als Menschen europäischer Herkunft.7 Besonders positiv hingegen ist der Rückgang der Sterblichkeit innerhalb einiger ethnischen Gruppen in den letzten 20 Jahren einzuordnen – insbesondere bei amerikanischen Ureinwohnern (–52 %) und Menschen afrikanischer Abstammung (–26 %).7
Auch wenn therapeutische Innovationen die Überlebenschancen in den letzten Jahren deutlich verbessert haben, zeigt sich: Die weltweite Krankheitslast des Multiplen Myeloms nimmt weiter zu – und das in alarmierendem Tempo.
Einerseits haben aktuelle Therapien die 5-Jahres-Überlebensrate deutlich verbessert – von ursprünglich rund 37 % auf 62 %.8,9 Andererseits wird die Krankheitslast weiter zunehmen. Prognosen bis 2045 gehen von einem weltweiten Anstieg der Neuerkrankungen um 70,8 % (von 188.000 auf 321.000 Fälle) und der Todesfälle um 79,5 % (von 121.000 auf 218.000) aus.4
Besonders Ostasien zeigte zuletzt signifikante Zuwächse bei Inzidenz (+3,88 %) und Prävalenz (+5,63 %).3 Diese Entwicklungen verdeutlichen den Bedarf an internationalen Maßnahmen, um Prävention, Früherkennung und Versorgung zu verbessern.
Aktuelle Register unterscheiden noch nicht zwischen den Stadien MGUS (monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz), schwelendes Myelom und aktives Myelom – ein Defizit, das präzisere Klassifikations- und Datenerfassungssysteme dringend erforderlich macht.11 Denn ohne klare Unterscheidung wird die tatsächliche Krankheitslast verzerrt dargestellt. MGUS und schwelendes Myelom sind Vorstufen, die in der Regel nicht behandlungsbedürftig und mit deutlich geringerem Risiko für Organschäden oder sogar mit Mortalität verbunden sind. Werden sie gemeinsam mit aktivem Myelom erfasst, entsteht ein falsches Bild von Häufigkeit und Schwere der Erkrankung.12,13
Perspektivisch lässt sich einordnen, dass sich das Multiple Myelom von einer seltenen zu einer global bedeutsamen Krebsform entwickelt.4 Hier sind Forschung und Weiterentwicklungen in der Therapie gefordert. Zu den größten Fortschritten in der Behandlung des Multiplen Myeloms zählen innovative Therapieformen wie die CAR-T-Zelltherapie und Antikörper-Konjugate, die die bisherigen Standardtherapien entscheidend erweitern.10
Trotz besserer Überlebenschancen wird die Zahl der Erkrankungen in den kommenden Jahren weiter wachsen – ein eindrücklicher Hinweis darauf, dass präzisere Daten, gezielte Forschung und internationale Zusammenarbeit wichtiger sind denn je.
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* Das in diesem Text gewählte generische Maskulinum bezieht sich ausdrücklich auf alle Geschlechteridentitäten.
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NP-DE-BLM-WCNT-250020, Dez. 2025