Mit dem Glukosespiegel sinkt auch die Laune? Wie viel Bedeutung man dem Zuckerlevel beimessen darf – und was das eigene Körpergefühl mit der Stimmung zu tun hat.
Viele kennen das Gefühl: Der Magen knurrt, die Laune sinkt – „hangry“ eben. Bisher wurde vermutet, dass die Stoffwechselprozesse im Körper direkt für die Stimmungseinbrüche sorgen. Forscher aus Bonn und Tübingen haben diesen Zusammenhang jetzt genauer untersucht und liefern überraschende Ergebnisse.
Das Forschungsteam begleitete 90 gesunde Erwachsene über vier Wochen. Die Teilnehmer trugen kontinuierliche Glukose-Sensoren und dokumentierten per App ihre aktuelle Stimmung, ihr Hungergefühl und ihre Sättigung. Ziel: den Zusammenhang zwischen Blutzucker, Hunger und Stimmung genau aufzuzeigen. Die Auswertung zeigte: Fiel der Glukosespiegel ab, verschlechterte sich meist auch die Stimmung – aber nur, wenn die Teilnehmer bewusst Hunger verspürten. Entscheidend war also nicht der gemessene Glukosewert, sondern das subjektive Gefühl des Energiemangels. Erst wenn der Hunger bewusst wahrgenommen wurde, sank auch die Laune.
Besonders spannend: Wer sehr sensibel auf eigene Körpersignale reagierte, zeigte stabilere Stimmungen. Laut den Autoren kann ein gutes Körpergefühl – die sogenannte Interozeption – als Puffer gegen Stimmungsschwankungen dienen. Emotional stabil bleibt demnach, wer aufmerksam auf Signale wie Hunger achtet und entsprechend gegenregulieren kann.
Die Forscher sehen in diesen Erkenntnissen Ansatzpunkte für Behandlungen bei Stoffwechsel- oder psychischen Störungen. Entscheidend könnte sein, gezielt die Körperwahrnehmung zu trainieren oder den Vagusnerv zu stimulieren – letzterer verbindet Organe und Gehirn und reguliert die Interozeption.
Unterm Strich: Nicht der Glukosewert selbst macht „hangry“ – sondern, wie deutlich wir den Hunger spüren. Die bewusste Wahrnehmung des Körpers rückt damit als Stellschraube für die Stimmung ins Rampenlicht.
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