Bei Wildvögeln und in Geflügelhaltungen steigen die Infektionszahlen: Experten beobachten die Ausbreitung der hochpathogenen Aviären Influenza besorgt. Wie gefährdet sind eure Haustiere?
Die Aviäre Influenza (AI) gilt als eine der schwersten Tierseuchen weltweit und beschäftigt Fachleute seit Jahren vermehrt. Verursacht wird sie durch Influenza-A-Viren der Subtypen H5 und H7. Besonders gefährlich sind hochpathogene Varianten (HPAI), die schwere Erkrankungen und Todesfälle bei Geflügel verursachen können. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) ist das Risiko eines Eintrags und der Weiterverbreitung von HPAI-H5-Viren unter Vögeln in Deutschland derzeit hoch.
Während Vögel das Hauptreservoir darstellen, sind inzwischen auch Infektionen bei Säugetieren, insbesondere bei Katzen, dokumentiert. In Südkorea wurde bereits 2016 ein Fall beschrieben, bei dem sich Hauskatzen mit dem H5N6-Virus infizierten. Genetische Analysen zeigten, dass die Virusvarianten eng mit den Stämmen aus nahegelegenen Geflügelfarmen verwandt waren. Eine aktuelle Untersuchung aus den Niederlanden bestätigt diese Anfälligkeit: Zwischen 2020 und 2023 wiesen 11,8 Prozent der untersuchten Streunerkatzen Antikörper gegen HPAI-H5-Viren auf – deutlich mehr als Hauskatzen mit nur 0,46 Prozent. Die Autoren führen dies auf häufigeren Kontakt zu infizierten Wildvögeln und das Fressen von Aas zurück.
Auch in Polen, den USA und Südkorea wurden in den letzten Jahren H5N1-Infektionen bei Katzen bestätigt, häufig infolge der Aufnahme von rohem Geflügelfleisch. Laut dem FLI verliefen viele dieser Fälle tödlich. Biologin Sabrina Karl beschreibt den Verlauf als meist schwer und „oft tödlich, da das Virus nicht nur die Atemwege, sondern auch Organe und das Nervensystem angreift“. Typische Symptome bei Katzen sind Apathie, Fieber, Appetitlosigkeit, Zittern, Atemnot neurologische Störungen und Ikterus. Eine spezifische antivirale Therapie existiert derzeit nicht. Die Behandlung konzentriert sich auf unterstützende Maßnahmen wie Sauerstoffgabe, Flüssigkeitstherapie und Fieberkontrolle.
In Regionen mit Infektionsgeschehen sollten Freigänger-Katzen also vorübergehend im Haus bleiben, um den Kontakt zu infizierten Wildvögeln zu vermeiden. Hunde scheinen gegenüber HPAI-Viren deutlich resistenter zu sein. Eine Fallstudie aus Polen dokumentiert allerdings den Nachweis von H5N1 bei einem Hund mit Atemwegssymptomen während eines Ausbruchs bei Katzen. Die Autoren schließen daraus, dass HPAI auch bei Hunden vorkommen kann – vor allem bei engem Kontakt zu infizierten Katzen oder Geflügel. In Italien wurden bei Hunden Antikörper gegen H5N1 gefunden, ohne dass Krankheitssymptome festgestellt wurden. Nach aktuellem Wissensstand gelten Hunde somit als weniger empfänglich, ein Infektionsrisiko – etwa durch rohes Geflügelfleisch – bleibt aber bestehen.
Eine Infektion erfolgt in der Regel durch:
oder den Verzehr von rohen oder unzureichend erhitzten tierischen Produkten, etwa Geflügelfleisch oder nicht pasteurisierter Milch.
Katzen gelten bisher als sogenannte Dead-End-Hosts – also Wirte, bei denen das Virus nicht weitergegeben wird. Das Risiko einer Übertragung auf den Menschen wird deshalb derzeit als sehr gering eingeschätzt. Dennoch mahnt das FLI, dass eine enge Überwachung von Haustieren, die mit infizierten Vögeln in Kontakt kommen könnten, wichtig ist.
Bildquelle: Midjourney