Mikroplastik: Vom Pansen ins Fleisch?
Mikroplastik stresst Mikroben im Rinderpansen und bremst die Fermentation – das zeigen neue Studienergebnisse. „Unsere Studie zeigt, dass Mikroplastik nicht einfach durch den Pansen von Rindern hindurchgeht“, sagt Autorin Jana Seifert. Ihr Fazit: Landwirtschaft muss Plastik besser vermeiden und entsorgen, weil es echte Folgen für Tiere und womöglich auch Menschen hat. Im In-vitro-Modell fermentierten die Forscher fünf Kunststoffarten in zwei Größen und steigenden Dosen 24 Stunden mit Heu oder Gerste in ruminaler Flüssigkeit. Unabhängig von Polymer, Größe oder Dosis sank die kumulative Gasproduktion (stärker bei Gerste als bei Heu), während der pH unverändert blieb. Die Fettsäureprofile verschoben sich: Bei Heu stieg Acetat an, mehrere andere VFAs (Volatile Fatty Acids, Flüchtige Fettsäuren) nahmen ab; bei Gerste stiegen Acetat und Isovalerat, Propionat fiel. Parallel zeigte die Metaproteomik deutliche Mikrobiom-Shifts (u. a. weniger Bacteroidetes, mehr Firmicutes/Proteobacteria) und eine funktionelle Verlagerung hin zu Stress-, Reparatur- und Translationsprozessen, während Enzyme des Kohlenhydrat- und Aminosäurestoffwechsels zurückgingen. Die Autoren interpretieren diese Muster als Hinweis auf eine durch Mikroplastik ausgelöste mikrobiell-physiologische Belastung, die die Fermentationseffizienz beeinträchtigen könnte. Bemerkenswert ist, dass die Trockenmasse-Degradation dosisabhängig zunahm – teils in einer Größenordnung, die nahelegt, dass Mikroplastik im Pansen zumindest teilweise abgebaut oder fragmentiert wird. Die Größenreduktion könnte Nano-Partikel erzeugen, die leichter Gewebe passieren und so das Translokationsrisiko in Muskelgewebe – und damit in die Lebensmittelkette erhöhen. In-vivo-Arbeiten müssen nun tatsächliche Belastungen, Abbauwege, Partikelaufnahme und mögliche Folgen für Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit klären. „Wir müssen besser verstehen, wie sich Mikroplastik auf die Tiergesundheit und die Lebensmittelsicherheit auswirkt – insbesondere, da die weltweite Kunststoffproduktion weiter steigt“, erklärt Studienleiter Daniel Brugger. |