Kuscheltiere, Superheldenfiguren und Bausteine lassen Kinderaugen leuchten. Doch Augen auf beim Spielzeugkauf: Die DGE warnt vor hormonaktiven Schadstoffen – und gibt wertvolle Tipps.
Spielzeug gehört zu Weihnachten einfach dazu. Doch was fröhlich verpackt unter dem Baum landet, birgt manchmal unerwünschte Überraschungen: Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) warnt vor hormonaktiven Schadstoffen in beliebten Kindergeschenken. Vor allem für Kleinkinder, die direkten Hautkontakt mit den Spielwaren haben und sie gerne in den Mund nehmen, steigt damit das Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen.
Die Problemliste ist lang: Endokrine Disruptoren wie Phthalate, Bisphenole, bromierte Flammschutzmittel, PFAS, Schwermetalle und Pestizidrückstände finden sich häufig in Kunststoffen, Lacken und Textilien. Sie können, so DGE-Seniorprofessor Josef Köhrle, „selbst in sehr kleinen Mengen die körpereigenen Hormonsignale stören“. Besonders bei Kindern, deren Haut- und Schleimhautbarrieren noch nicht vollständig ausgebildet sind, sind die Folgen potenziell gravierend. Das Spektrum reicht von Störungen des Wachstums und Stoffwechsels bis hin zu Problemen bei der Entwicklung und Fruchtbarkeit.
Laut DGE ist die Auswahl an belasteten Produkten groß: Von Kunststoffspielzeug über Spielmatten, Kleidung und elektronische Gadgets bis hin zu Second-Hand-Kunststoffen, in denen teils noch längst verbotene Stoffe stecken. Als besonders kritisch nennt Köhrle „preiswerte Produkte aus dem Internet“, die bei Kontrollen regelmäßig durch hohe Schadstoffwerte auffallen. Gerade zur Weihnachtszeit überschwemmen neue Spielwaren die Haushalte – und mit ihnen potenziell unerwünschte chemische Beigaben.
Während Rückrufaktionen und Warnmeldungen zeigen, dass viele Produkte immer wieder negativ auffallen, bleiben Eltern oft im Unklaren, wie sie unsichere von sicheren Spielwaren unterscheiden sollen. Köhrle fordert daher: „Wir brauchen dringend die Umsetzung der EU-Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit (CSS) von 2020.“ Ziel: Hormonaktive Substanzen genauso streng handhaben wie krebserregende oder erbgutschädigende Stoffe – und aus Kinderspielzeug verbannen.
Die DGE rät zu hochwertigen Spielwaren seriöser Anbieter und dazu, auf auffällige Gerüche zu achten. Neue Spielzeuge sollten vor dem Verschenken ausgelüftet, waschbare Produkte einmal durchgewaschen werden. Ältere Kunststoffartikel möglichst meiden, bei Online-Schnäppchen kritisch bleiben und – wenn Zweifel bestehen – einen Blick in die Rückrufdatenbanken werfen.
Eltern können die Belastung ihrer Kinder mit bewussten Kaufentscheidungen reduzieren. Doch das Grundproblem lässt sich damit nicht allein lösen, so Köhrle: „Langfristig brauchen wir [...] klare Vorgaben und strenge Kontrollen, damit nur solche Produkte überhaupt in den Handel kommen, die keine vermeidbaren gesundheitlichen Risiken mit sich bringen.“
Bildquelle: Chris Benson, Unsplash