Eine Kundin hat den Arztausweis ihres Freundes dabei. Die will bestimmt an Schlafmittel kommen, vermute ich. Doch ein Anruf bei besagtem Arzt offenbart mir die Wahrheit – und eine unschöne Geräuschkulisse.
Eine Frau kommt in die Apotheke – mit dem Ärzteausweis eines Freundes, der im Moment krank bei ihr zuhause liegt. Der Arzt hat ihr einen Zettel mitgegeben mit zwei Medikamenten, die sie ihm besorgen soll.
Einen Moment habe ich wohl etwas seltsam geschaut und (misstrauisches Ich) Schlaf- und Beruhigungsmittel oder so etwas erwartet … aber nein. Auf dem Zettel steht „Spasmo cibalgin Supp und Torecan Supp“. Ah, gut. Oder besser: Ah, schlecht. Denn beides gibt es nicht mehr. Spasmo cibalgin seit sicher 7 Jahren, Torecan-Zäpfchen seit letztem Jahr.
Ich kann sie ersetzen, es gibt Zäpfchen mit ähnlicher Wirkung: Buscopan® Supp und Itinerol® Supp. Ich könnte aber auch fragen, ob der Patient beim Torecan die Tabletten will – die gibt es noch. Oder statt Buscopan lieber Paspertin®-Zäpfchen.
Die Frau gibt mir darauf die Telefonnummer von zuhause. Ihr Mann sei auch da, der werde abnehmen – tut er auch. Als ich ihn frage, ob ich den Arzt selbst wohl kurz ans Telefon bekommen kann, versucht er es. Aber die andauernden (und lauten!) Kotzgeräusche im Hintergrund zeigen schnell, dass der ärztliche Patient nicht zu sprechen ist.
Ich gebe dann einfach den von mir ausgewählten Ersatz mit. Auch wenn beide Präparate nicht rezeptpflichtig sind, sollten sie helfen. Dass der Arzt nicht wusste, dass es die Medikamente nicht mehr gibt, wundert mich nicht – als Psychiater hat er nicht so viel mit den somatischen Sachen zu tun.
Ich hoffe, die Medikamente haben ihm geholfen.
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