Morbus Fabry ist eine X-chromosomal vererbte lysosomale Speicherkrankheit, die auf einen Mangel des Enzyms α-Galactosidase A zurückgeht. Dadurch lagern sich Glykosphingolipide in verschiedenen Geweben und Organen ab, was zu einem komplexen, systemischen Krankheitsbild führen kann. Prognosebestimmend sind in erster Linie die renalen, kardialen und zerebralen Manifestationen. Dabei tragen vor allem die mit der Erkrankung assoziierten neurologischen Symptome, die auf Läsionen im peripheren oder zentralen Nervensystem zurückgehen, maßgeblich zur eingeschränkten Lebensqualität der Betroffenen bei.
Neurologische Symptome können erstes Warnsignal sein
Periphere Nervenschäden können bei Fabry-Patient*innen verschiedene neurologische Symptome auslösen, die teils schon im Kindes- oder Jugendalter auftreten und oft zu den ersten Anzeichen der Erkrankung gehören. Neuropathische, meist als brennend empfundene Schmerzen, vornehmlich an Händen und Füßen, auf dem Boden einer Small-Fiber-Neuropathie sind ein typisches Frühsymptom1. Solche Fabry-assoziierten neuropathischen Schmerzen können episodisch (als sogenannte Fabry-Krisen) oder auch chronifiziert auftreten. Vor allem Akroparästhesien mit Missempfindungen oder Schmerzen in den Extremitäten sind bei den Betroffenen häufig anzutreffen1, 2.
Ein weiteres neurologisch bedingtes Phänomen bei Morbus Fabry ist die generalisierte Hypo- oder Anhidrose. Die Schweißproduktion des Körpers ist bei Fabry-Patient*innen mitunter deutlich vermindert, was sich in einer Hitze- bzw. Belastungsintoleranz äußern kann1. Schwindelattacken, Tinnitus, neurosensorischer Hörverlust und Kopfschmerzen werden ebenfalls mit der Erkrankung in Verbindung gebracht1, 2.
Im Erwachsenenalter haben Fabry-Patient*innen mit zerebraler Beteiligung ein erhöhtes Risiko für wiederkehrende transitorische ischämische Attacken und Schlaganfälle. Fabry-assoziierte Schäden der kleinen hirnversorgenden Blutgefäße (zerebrale Mikroangiopathien) können auch zu einer vaskulären Demenz führen1. Darüber hinaus sind kognitive Auffälligkeiten bei der Informationsverarbeitung und im Bereich der exekutiven Funktion bei Fabry-Patient*innen beschrieben worden. Das Ausmaß der kognitiven Beeinträchtigung scheint mit den für die Erkrankung typischen Veränderungen der weißen Substanz zu korrelieren, die sich magnetresonanztomografisch als helle Flecken, sogenannte „White Matter Hyperintensities“, darstellen3.
Fazit
Die mit Morbus Fabry assoziierten neurologischen Symptome reichen von neuropathischen Schmerzen bis hin zu kognitiven Störungen. Beim klassischen Phänotyp, der überwiegend bei männlichen Genträgern auftritt, sind neuropathische Schmerzen neben Angiokeratomen oft die ersten Hinweise auf die Erkrankung. Da die Symptome unspezifisch sind, ist eine differenzialdiagnostische Aufarbeitung unerlässlich. Neurolog*innen können hier einen wichtigen Beitrag zur Früherkennung leisten.
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