Patienten setzen bei Erkältungen gern auf Hausmittel wie Vitamin C, Sonnenhut und Honig. Welche Maßnahmen können tatsächlich Symptome lindern? Zeit für einen Evidenz-Check.
Es ist mal wieder so weit: Überall hustet und schnupft es um einen herum. Der klassische grippale Infekt wird durch unterschiedliche Viren ausgelöst und heilt in den meisten Fällen ohne besondere Behandlung von selbst aus. Dennoch ist bei vielen Betroffenen der Wunsch groß, aktiv etwas zu ihrer Genesung beizutragen. Für Ärzte stellt sich daher die Frage: Welche Empfehlungen sind sinnvoll und wissenschaftlich gut belegt? Genau dieser Frage hat sich die Cochrane Collaboration gewidmet – und liefert einen evidenzbasierten Überblick darüber, was Patienten tatsächlich helfen kann. Eine Übersicht.
Eine Cochrane-Review deutet darauf hin, dass Kochsalzspülungen bei akuten Atemwegsinfekten einzelne Symptome – insbesondere eine verstopfte Nase – wahrscheinlich leicht lindern können. Die Methode gilt insgesamt als gut verträglich und zählt zu den Hausmitteln, für die es vergleichsweise gute Hinweise auf einen Nutzen gibt. Nasenduschen sowie isotonische oder leicht hypertonische Salzsprays verursachen dabei nur selten leichte Nebenwirkungen.
Obwohl Dampfinhalationen seit Langem als Hausmittel genutzt werden, ist ihre Wirksamkeit wissenschaftlich eher schwach belegt. Die vorhandenen Studien zeigen ein widersprüchliches Bild, und weder eine verkürzte Krankheitsdauer noch eine geringere Virusausscheidung konnten überzeugend nachgewiesen werden. Dennoch empfinden viele Menschen die warme, feuchte Luft subjektiv als wohltuend. Gefährlich wird Inhalieren vor allem, wenn heiße Gefäße versehentlich umkippen. Das ist vor allem für Kinder riskant und sollte immer bedacht werden.
Für akuten Husten bei Kindern zeigt ein Cochrane-Review eine unzureichende Datenlage, da viele Studien nur einzelne Nächte untersucht haben. Andere Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass Honig die Hustenintensität und -häufigkeit über wenige Tage leicht verringern kann.
Für Erwachsene und Kinder über einem Jahr ist Honig ein gut verträgliches Hausmittel mit schwacher Wirkung. Säuglinge im ersten Lebensjahr dürfen ihn aufgrund des Botulismus-Risikos nicht bekommen.
Extrem gut untersucht ist Vitamin C. Die regelmäßige Einnahme von mindestens 200 mg pro Tag senkt die Erkältungsrate in der Allgemeinbevölkerung nicht – nur Personen unter extremen körperlichen Belastungen profitieren. Allerdings verkürzt Vitamin C die Dauer einer Erkältung geringfügig: bei Erwachsenen im Schnitt um etwa 8 Prozent, bei Kindern um rund 14 Prozent.
Für gesunde Menschen ohne Defizit ist eine routinemäßige Supplementierung nicht nötig, aber wer ohnehin Vitamin C einnimmt, kann mit einer leicht verkürzten Krankheitsdauer rechnen. Sehr hohe Dosen können Nebenwirkungen wie Verdauungsprobleme oder bei Risikopersonen Nierensteine verursachen.
Ältere Studien fanden noch Hinweise auf eine leichte Verkürzung der Erkältungsdauer, wenn Zink sehr früh eingenommen wird. Aktuellere Cochrane-Daten fallen jedoch deutlich zurückhaltender aus: Der Nutzen ist unklar und, wenn vorhanden, eher gering. Zudem treten häufiger Nebenwirkungen wie Übelkeit oder unangenehmer Geschmack auf. Zink bleibt damit eine Option für motivierte Erwachsene bei frühzeitigem Einsatz – jedoch mit unsicherem Effekt.
Die Studienlage zum Sonnenhut (Echinacea) ist heterogen, mitunter aufgrund verschiedener Zubereitungen. Zur Vorbeugung grippaler Infekte zeigen Analysen leichte, aber teils nicht signifikante Effekte. Für die Behandlung sprechen manche Daten für einen minimalen Nutzen. Insgesamt gilt Echinacea als möglicherweise leicht wirksam, wobei belastbare Daten fehlen.
Probiotika können die Anzahl von Atemwegsinfekten etwas verringern und teilweise auch deren Dauer verkürzen. Die Datenlage ist jedoch oft nur niedrig bis moderat, und die Wirksamkeit hängt stark vom verwendeten Stamm ab. Für die akute Behandlung spielen sie kaum eine Rolle, können aber für Menschen mit häufigen Infekten als vorbeugende Maßnahme sinnvoll sein. Nebenwirkungen sind überwiegend mild. Blähungen oder Bauchschmerzen können auftreten.
Ältere Analysen zeigten noch einen kleinen Schutz vor Atemwegsinfekten in bestimmten Gruppen. Genau deshalb wünschen sich viele Menschen diese Supplemente. Neuere und deutlich hochwertigere Daten zeigen jedoch keinen verlässlichen Effekt in der Allgemeinbevölkerung.
Vitamin D bleibt wichtig für Knochengesundheit und Stoffwechsel, ist aber kein Mittel zur Erkältungsprävention. Eine Supplementation richtet sich weiterhin nach individuellen Risikofaktoren – und nicht nach der Erkältungssaison.
Ein Fazit: Vergleichsweise gut belegt ist die Kochsalz-Nasenspülung, die eine verstopfte Nase spürbar erleichtern kann. Auch ein Versuch mit Vitamin C ist sinnvoll. Für Husten lohnt sich Honig als Empfehlung, zumindest für Erwachsene und für Kinder über einem Jahr. Und Probiotika sind eine Option, falls Patienten vorbeugend etwas unternehmen wollen.
Viel Ruhe, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und der Verzicht auf Reizstoffe wie Zigarettenrauch unterstützen zusätzlich den natürlichen Heilungsprozess. Bei schwereren Symptomen lohnt sich eher der Griff zu OTCs mit einem Wirkstoff, etwa Ibuprofen bei Schmerzen, Xylometazolin-Nasensprays bei verstopfter Nase, Dextromethorphan als Hustenstiller, Ambroxol als Hustenlöser und viele mehr.
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