Antibiotika-Prophylaxe nach Geburt?
Bei bis zu 30 % aller vaginalen Geburten kommt es zum Dammriss. Damit gehört dieser zu den häufigsten Geburtsverletzungen. Eine andere Art der (iatrogenen) Geburtsverletzung ist die Episiotomie – also die operative Erweiterung des Geburtskanals durch Inzision des Damms (Perineum). Beide Verletzungen bergen das Risiko von Wundinfektionen, eine prophylaktische Antibiotikagabe wird bislang jedoch nicht empfohlen. Ein Forscherteam aus Dänemark hat nun den Effekt einer prophylaktischen Antibiotikatherapie nach Episiotomie bzw. zweitgradigem Dammriss evaluiert und die Ergebnisse im BMJ veröffentlicht. Dazu wurden insgesamt 442 Gebährende randomisiert in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe erhielt ab 6 Stunden postpartal insgesamt 3 Dosen Amoxicillin mit Clavulansäure im Abstand von je 8 Stunden; die andere Gruppe erhielt ein Placebo. Dabei beobachteten die Forscher zwar keinen signifikanten Einfluss auf das Risiko für Wundkomplikationen (22 % in der Verumgruppe, 29 % in der Placebogruppe, p = 0,1), jedoch war unter Antibiotika-Therapie nur ein geringerer Anteil dieser Wundkomplikationen klinisch relevant (9 % Verum vs. 17 % Placebo, p = 0,01). Zudem hatten die Patientinnen aus dem Verum-Arm durchschnittlich eine geringere Wund-Dehiszenz und brauchten in den folgenden 6 Monaten seltener eine anderweitige Antibiotikatherapie. Die Autoren schlussfolgern daraus, dass eine prophylaktische Antibiotikagabe postpartal erwogen werden sollte. Allerdings scheinen zum jetzigen Zeitpunkt weitere Studien notwendig, bevor die Ergebnisse aus dieser Single-Center-Studie auf die Allgemeinpopulation übertragen werden können – eine allgemeine Empfehlung lässt sich noch nicht ableiten. |