Alles neu macht die Impfsaison: Jetzt aktualisiert die STIKO ihre Empfehlungen zur Schutzimpfung gegen Meningokokken und Herpes zoster. Was ihr wissen müsst – und was die Corona-Pandemie damit zu tun hat.
Die STIKO empfiehlt als Standardimpfung neu in ihrem 44. Epidemiologischen Bulletin für alle älteren Kinder und Jugendlichen die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y (MenACWY) mit einem der drei in der BRD altersgerecht zugelassenen tetravalenten Konjugat-Impfstoffe. Diese Impfung soll unabhängig vom Impfstatus gegen Meningokokken im Alter von 12 bis 14 Jahren als Einmaldosis gemäß den Fachinformationen durchgeführt werden. MenACWY-Nachholimpfungen sollen bis zum 25. Geburtstag erfolgen.
Es empfiehlt sich, die MenACWY-Impfung im zeitlichen Zusammenhang mit der routinemäßigen J1-Vorsorgeuntersuchung im Jugendalter durchzuführen. Die Verabreichung kann zeitgleich mit den weiteren von der STIKO empfohlenen Impfungen für diese Altersgruppe erfolgen (Vierfachimpfung gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Poliomyelitis [TdapIPV], Impfung gegen Humane Papillomviren [HPV]). Die STIKO verbindet mit dieser Einführung der MenACWY-Impfung auch die Erwartung einer Steigerung der TdapIPV- und HPV-Impfquoten.
Ziel der Impfempfehlung ist die Reduktion der invasiven Meningokokken-Erkrankungen (IME) durch MenACWY und der Folgen. Aufgrund der Seltenheit von durch MenACWY induzierte IME bei Kleinkindern, speziell auch der – u. a. aufgrund der Impfungen gegen diesen Serotyp – deutlichen Reduktion invasiver MenC-Infektionen, empfiehlt die STIKO nach Gesamtevaluation der vorliegenden Evidenz zum jetzigen Zeitpunkt für Kleinkinder keine allgemeine MenACWY-Impfung. Auch die bisherige STIKO-Empfehlung zur monovalenten MenC-Impfung im Alter von ≥ 12 Monaten, einschließlich der bislang empfohlenen Nachholimpfungen bis zu einem Alter von < 18 Jahren entfällt künftig. Der Nutzen dieser Impfung im Kleinkindalter wird vom RKI als sehr gering eingeschätzt. Die Indikationsimpfempfehlung gegen MenACWY und B für gesundheitlich gefährdete Personen, einschließlich Säuglingen und Kleinkindern, mit angeborener oder erworbener Immundefizienz bleibt hiervon unberührt.
Unverändert gültig bleibt auch die Empfehlung zur Impfung gegen Meningokokken B bei Säuglingen ab dem Alter von 2 Monaten. Gemäß Fachinformation besteht die Impfserie im Alter von 2 bis 23 Monaten aus 3 Impfdosen im Alter von 2, 4 und 12 Monaten, ab dem Alter von 24 Monaten bis zum 5. Geburtstag aus 2 Impfdosen. Auch die Reise-Impf-Empfehlungen gegen Meningokokken bleiben unverändert bestehen und es sei daran erinnert, dass vor allem Jugendliche ab 15 Jahren besonders gefährdet sind, Meningokokken-Erkrankungen zu erleiden. Solche IME der Serogruppen A, C, W oder Y sind zwar sehr selten, verlaufen aber in den meisten Fällen fulminant und haben eine Letalität von ca. 10–13 %. Überlebende leiden häufig an Langzeitfolgen (z. B. Hydrozephalus, Epilepsie, chronisches Nierenversagen, Amputationen, Hörverlust und psychische Störungen) und einer verminderten Lebensqualität.
Der zentrale Grund für diese radikale Überarbeitung der STIKO-Impfempfehlung gegen Meningokokken ist die vor allem nach der COVID-19-Pandemie zu beobachtende Verschiebung der Serogruppen. Altersübergreifend nahm in den letzten 10 Jahren die Inzidenz der Serogruppe C kontinuierlich ab. Die Serogruppe Y hat sich dagegen in allen Altersgruppen ausgebreitet. Noch stärker verbreitet ist weiterhin die Serogruppe B, vor allem bei jüngeren Altersgruppen bis zum Alter von 25 Jahren. Die Serogruppe Y ist es ab dem Alter von 70 Jahren, in dem die Inzidenz von IME wieder zunimmt, die im Erwachsenenalter vorher vergleichsweise selten auftritt.
Das 44. Epidemiologische Bulletin enthält auch die 25 Seiten lange wissenschaftliche Begründung der STIKO mit u. a. einer wichtigen Feststellung zur Herden-Immunisierung: „Durch die gezielte Impfung von Jugendlichen können Populationseffekte erzielt und somit andere Altersgruppen indirekt vor ACWY-IME geschützt werden. Daher ist der größte indirekte Effekt auf die Reduzierung von ACWY-IME in Deutschland voraussichtlich durch eine Impfung von Jugendlichen zu erreichen. Die Einführung einer MenACWY Primärimpfung im Jugendalter stellt sich, basierend auf den Modellierungsergebnissen, somit als effizienteste Strategie dar.“
Und die bei allen Altersgruppen bis zum Alter von 25 Jahren am häufigsten IME induzierende Serogruppe B? Hier scheint sich die STIKO auf die Effekte der während der ersten 5 Lebensjahre empfohlenen MenB-Impfung zu verlassen, denn obgleich für die Altersgruppe ab 10 Jahren zwei MenB-Impfstoffe zur Verfügung stehen, hat die Kommission neben dieser für Säuglinge und Kleinkinder nur eine Men-B-Reiseimpfempfehlung ausgesprochen. Und der bereits im September 2024 ab dem Alter von 10 Jahren von den europäischen Behörden zugelassene pentavalente Impfstoff hat diese Zulassung auf Wunsch des Herstellers im Januar 2025 wieder entzogen bekommen, für einen weiteren wurde (noch) keine Zulassung beantragt. Abschließend sei daran erinnert, dass es in der BRD erfahrungsgemäß noch einige Monate dauern wird, bis die tetravalente Impfung tatsächlich als Kassenleistung angeboten und abgerechnet werden kann.
Dies betrifft nicht die sofort umsetzbare Erweiterung der Indikations-Impfempfehlung gegen Herpes zoster, welche im 45. Epidemiologischen Bulletin publiziert wurde. Die Personengruppe für die Indikationsimpfung gegen diese Post-Varizellen-Erkrankung wurde auf das Alter ≥ 18 Jahre abgesenkt. Indikationen sind erhöhte gesundheitliche Gefährdung infolge einer angeborenen bzw. erworbenen Immundefizienz oder infolge schwerer Ausprägung einer chronischen Grunderkrankung. Das betrifft z. B. Personen mit bzw. nach:
Diese Personen sollen eine zweimalige Impfung mit dem adjuvantierten HZ/su- Totimpfstoff im Abstand von 2–6 Monaten erhalten. Ausdrücklich weist die STIKO darauf hin, dass leichte oder unkomplizierte bzw. medikamentös gut kontrollierte Formen chronischer Grunderkrankungen bei Personen zwischen 18 und 59 Jahren nach ihrer Einschätzung nicht mit einem deutlich erhöhten HZ-Risiko verknüpft sind und daher nicht von der Empfehlung umfasst werden. Die Standard-Impfempfehlung für die Altersgruppe ab 60 Jahren besteht unverändert.
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