COPD-Management ist Teamarbeit. Sobald Praxis und Apotheke koordiniert handeln, steigt die Versorgungsqualität. Wie die Zahnräder ineinandergreifen und wo es häufig noch hakt.
COPD-Betroffene profitieren am meisten, wenn Praxis und Apotheke an einem Strang ziehen. Das bedeutet konkret: Rauchstopp konsequent unterstützen, Bronchodilatation zielgerichtet dosieren und bedarfsweise anpassen, Inhalationstechnik regelmäßig überprüfen und Exazerbationen präventiv vorbeugen. Der internationale Leitfaden der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD 2025) und die deutsche Nationale Versorgungsleitlinie COPD (NVL COPD) als evidenzbasierte S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Versorgung, dienen als Orientierung für ebendieses Vorgehen. Aus diesen Empfehlungen lassen sich klar standardisierte Abläufe und pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) in der Apotheke ableiten – perspektivisch voraussichtlich um eine pDL zur Tabakentwöhnung ergänzt.
Der stärkste krankheitsmodifizierende Schritt bleibt der Rauchstopp. Zur Entlastung der Beschwerden bieten sich evidenzbasierte Kurzinterventionen an: Nikotinersatz in Form von Kaugummi, Pflaster oder Inhaler. Außerdem erhöhen Vareniclin oder Bupropion und Rückfallprophylaxen die Abstinenzchancen signifikant. Und genau hier wird die geplante pDL Tabakentwöhnung eine Lücke schließen – niedrigschwellig in Apotheken angeboten, sowie strukturiert und anschlussfähig an die haus- oder lungenfachärztliche Beratung.
Auch Impfungen sind Exazerbationsprävention: Die jährliche Grippeimpfung beispielsweise senkt das Risiko für schwere Atemwegsinfektionen. Ebenso empfohlen ist bei Erwachsenen ab 60 Jahren eine einmalige Impfung mit einem 20-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoff. COVID-19-Auffrischungen erfolgen gemäß den jeweils aktuellen STIKO-Hinweisen. Zudem empfiehlt die STIKO eine einmalige RSV-Impfung für alle ab 75 Jahren sowie für 60- bis 74-Jährige mit schweren Grunderkrankungen wie einer ausgeprägten COPD. Diese Prioritäten decken sich mit den internationalen Empfehlungen der GOLD-Initiative, die Influenza- und Pneumokokken-Impfungen ausdrücklich zur Reduktion unterer Atemwegsinfektionen bei COPD hervorhebt. Auch Bewegung, Atemphysiotherapie und pneumologische Rehabilitation verbessern Belastbarkeit, Dyspnoe und Lebensqualität und gehören frühzeitig in jeden Therapieplan.
Die Bronchodilatation ist die Basis der Pharmakotherapie. Je nach Symptomlast beginnen Patienten mit langwirksamen Bronchodilatatoren, bei höherer Belastung sind Beta-2-Sympathomimetika (LABA) oder langwirksame Muskarinantagonisten (LAMA) bevorzugt.
Der Therapieerfolg steht und fällt mit dem passenden Inhalations-Device und der korrekten Technik. DPI brauchen einen ausreichenden Peak-Inspiratory-Flow; bei niedrigen Flüssen oder Koordinationsproblemen sind pMDI in Kombination mit einem Spacer, atemzuggesteuerte pMDI oder Vernebler im Vorteil. Studien aus der Versorgungspraxis zeigen durchschnittlich drei Fehler pro Inhalation an. Außerdem sind bis zu zwei von drei Anwendungen fehlerhaft – ein starkes Argument für strukturierte Schulung. Hier greift die pDL „Erweiterte Einweisung in die korrekte Arzneimittelanwendung mit Üben der Inhalationstechnik“ an. Der Vorschlag: ein standardisiertes Vorgehen, Dokumentation und Recall nach 12 Monaten. Die Vergütung dafür liegt bei 20 € netto, die Abrechnung erfolgt über das Sonderkennzeichen gemäß DAV/NNF. Hierfür stellt die ABDA/BAK SOPs, Checklisten und Videos bereit – inklusive didaktischer Hilfen für Erst- und Folgeverordnungen.
Ambulant gilt, dass SABA (ggf. plus SAMA) zur raschen Bronchodilatation, (O₂-Ziel 88–92 % bei Hypoxämie), und systemische Glucocorticoide in fixer Kurzzeit-Dosis (Prednisolon-Äquivalent 40 mg/Tag) für 5 Tage ohne Ausschleichen genutzt werden sollen. Antibiotika hingegen nur bei purulentem Sputum oder erhöhtem CRP. CRP-gestützte Strategien senken außerdem unnötige Verordnungen. Ein klarer Action-Plan – bestehend aus Warnzeichen, medikamentösen Schritten und Schwellen für ärztliche Vorstellung – verhindert gefährliche Verzögerungen.
COPD kommt selten allein: kardiovaskuläre Komorbidität, Osteoporose, Angst/Depression, GERD, Diabetes und Infektanfälligkeit beeinflussen Verlauf, Adhärenz und Device-Wahl. Es wäre sinnvoll, eine gemeinsame Dokumentationssprache zwischen Praxis und Apotheke zu nutzen. Über Eosinophilen-Status, Exazerbationshistorie, Device-Typ, Fehlerprofil, PIF-Messung, ICS-Nebenwirkungen und Impfstatus kann man sich auf diese Weise bei Bedarf schnell miteinander austauschen. So würde aus der Routineversorgung von COPD-Patienten ein kontinuierliches Qualitätsprojekt mit messbarem Nutzen, bei dem ein Zahnrad sicher ins nächste greift.
Aktuell abrechenbar sind u. a. die Inhalations-pDL (20 €), die erweitere Medikationsberatung (90 €) sowie weitere pDL nach Rahmenvertrag/DAV-Hinweisen. Auch politisch ist derzeit eine Weiterentwicklung auf dem Weg: Das BMG plant, pDL ärztlich verordnen zu lassen. Als neue pDL ist zudem eine kurze, strukturierte Tabakentwöhnungs-Beratung in der Apotheke vorgesehen. Parallel laufen Diskussionen zur Finanzierung und Struktur der pDL im Zuge der Apothekenreform. Details sind noch im Fluss, die fachliche Richtung ist aber klar – die Apotheke vor Ort wird immer mehr zu einem niedrigschwellig erreichbaren Patienten- Dienstleistungsunternehmen.
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