Ein gängiges Antibiotikum soll das Schizophrenie-Risiko bei Jugendlichen senken. Was hinter diesem Verdacht steckt und wie plausibel die aktuellen Ergebnisse zu den Effekten von Doxycyclin sind.
Schizophrenie macht sich meist im frühen Erwachsenenalter bemerkbar. Bislang gibt es kaum Ansätze, die das Entstehen der Krankheit verhindern könnten. Eine aktuelle Studie liefert Hinweise, dass das breit eingesetzte Antibiotikum Doxycyclin einen schützenden Nebeneffekt haben könnte.
Im Rahmen der Studie wurden Daten von über 56.000 Jugendlichen ausgewertet, die bei gleichzeitig bestehenden psychischen Problemen Antibiotika verschrieben bekamen. Dabei zeigte sich: Wer Doxycyclin erhalten hatte, entwickelte – im Gegensatz zu Patienten, die andere Antibiotika einnahmen – deutlich seltener eine Schizophrenie. Genauer lag der Unterschied bei 30–35 Prozent weniger Erkrankungsfällen in der Doxycyclin-Gruppe.
Zu viel dieses Vorgangs wird mit der Entstehung von Schizophrenie in Verbindung gebracht. Der aktuelle Datenvergleich spricht dafür, dass Doxycyclin hier einen schützenden Effekt haben könnte.
Die Forscher schlossen aus, dass der Zusammenhang nur dadurch zu erklären wäre, dass viele junge Patienten Doxycyclin bei Akne einnahmen – also möglicherweise gesünder waren als Patienten, die aus anderen Gründen Antibiotika einnahmen. Auch versteckte Unterschiede zwischen den Gruppen wurden in der Analyse weitgehend berücksichtigt. Der Leiter der Studie, Professor Ian Kelleher, betont: „Weil die Studie beobachtend war und keine randomisierte kontrollierte Studie, können wir keine endgültigen Aussagen zur Ursache machen. Dennoch ist das ein wichtiger Hinweis, den Schutzeffekt von Doxycyclin und anderen entzündungshemmenden Ansätzen weiter zu untersuchen.“ Bislang gibt es keine wirksamen Maßnahmen, um das Schizophrenie-Risiko bei Jugendlichen mit psychischen Problemen gezielt zu senken.
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