Das Protein Fel d 1 sorgt bei Allergikern für Schnappatmung. Möchten Patienten trotzdem eine Katze halten, müssen Lösungen her. Von Luftreinigern, Spezialfutter und genetischer Modifikation.
Zirka 15 Prozent aller Menschen reagieren allergisch auf Katzen. Genauer gesagt reagieren sie aber nicht auf die Haare selbst, sondern auf das darin enthaltene Protein Fel d 1. Wer allergisch ist, muss den Kontakt zu Katzen weitgehend meiden. Das Hauptallergen wird in Speichel-, Haut- und Talgdrüsen produziert und gelangt beim Putzen auf das Fell. Die winzigen Proteinpartikel verbreiten sich dann in der ganzen Wohnung und haften selbst an Kleidung oder Möbeln. Von dort verbreitet es sich mit Hautschuppen und Haaren in der Luft – auch in Räumen, in denen gar keine Katze lebt.
Studien zeigen, dass bis zu 90 Prozent aller Patienten mit Katzenallergie IgE-Antikörper gegen Fel d 1 bilden. Der Proteinkomplex besteht aus zwei Untereinheiten (CH1 und CH2), deren Gene stark variieren. Diese Vielfalt erklärt, warum manche Katzenrassen weniger allergen erscheinen als andere. Wissenschaftlich gesichert ist ihre Hypoallergenität jedoch nicht.
Viele Strategien zur Behandlung allergischer Atemwegserkrankungen setzen darauf, die Belastung durch Allergene zu verringern. Besonders wirksam sind Luftreiniger mit HEPA-Filtern. Eine randomisierte, doppelblinde Studie konnte belegen, dass ein modernes Filtersystem („Intense Pure Air XL“) bei Menschen mit Katzenallergie und Asthma sowohl frühe als auch späte asthmatische Reaktionen deutlich reduziert. In der Untersuchung sank die maximale bronchiale Reaktion, gemessen am Abfall des forcierten exspiratorischen Volumens (FEV₁), um etwa ein Drittel. Luftreiniger stellen damit eine wissenschaftlich gut belegte, nichtinvasive Behandlungsoption dar, vorausgesetzt, sie laufen dauerhaft und werden regelmäßig gewartet.
Auch das Waschen der Katze selbst haben Forscher untersucht. Eine Studie ergab, dass dreiminütiges Auswaschen der Katzenhaare mit Leitungswasser oder Tiershampoo die Menge an Fel d 1 auf dem Fell deutlich senkten und den Allergengehalt der Raumluft um bis zu 79 Prozent verringern kann. Allerdings hielt der Effekt höchstens eine Woche an – und das regelmäßige Baden ist für Tier und Mensch kaum praktikabel. Das wissen alle Katzenhalter.
Ein völlig neuer Ansatz zielt darauf ab, das Allergen bereits nach seiner Entstehung zu neutralisieren. Forscher haben dazu ein spezielles Katzenfutter entwickelt, das Antikörper aus Hühnereiern (IgY) gegen das Hauptallergen Fel d 1 enthält. Sie binden das Protein im Speichel der Katze und verhindern, dass es auf das Fell und in die Umgebung gelangt. In einer Studie mit über 100 Katzen konnte gezeigt werden, dass die Menge des aktiven Fel d 1 im Fellhaar durchschnittlich um 47 Prozent gesenkt worden ist – ein vielversprechender Schritt, um die Allergenbelastung in Haushalten mit Katzen zu verringern.
Eine Folgestudie mit allergischen Katzenhaltern bestätigte die Wirksamkeit: Nach Fütterung der IgY-haltigen Diät verbesserten sich in einer viermonatigen Beobachtung die Symptomwerte für Nase, Augen und Asthma signifikant, gemessen mit der Smartphone-App MASK-air®. Etwa zwei Drittel der ursprünglich unkontrollierten Allergien gingen in eine kontrollierte Form über. Damit gilt die IgY-Diät derzeit als praktikabelste, evidenzbasierte Maßnahme zur Verringerung der Belastung von Katzenhaltern mit Allergie.
Einen Schritt weiter gehen Forscher mit einer HypoCat-Impfung. Sie immunisieren die Katze selbst, um Antikörper gegen das eigene Allergen Fel d 1 zu bilden. Das Vakzin besteht aus Virus-ähnlichen Partikeln, an die Fel d 1 gekoppelt worden ist. Geimpfte Katzen entwickelten starke, langanhaltende Antikörperantworten und wiesen deutlich niedrigere Fel d 1-Spiegel im Speichel auf. Eine Folgestudie mit Katzenhaltern zeigte zudem, dass die allergischen Symptome beim Kontakt mit ihren Tieren messbar zurückgingen. Die Katzen haben die Impfung gut vertragen; Nebenwirkungen traten nicht auf. Die Datenbasis ist zwar noch klein, aber das Konzept gilt als vielversprechender Ansatz.
Der bislang radikalste Ansatz im Kampf gegen Katzenallergien ist, Gene für das Hauptallergen Fel d 1 vollständig auszuschalten. Mit dem CRISPR-Cas9-System ist es Forschern im Jahr 2024 tatsächlich gelungen, Katzen zu züchten, bei denen die CH2-Kette des Fel-d-1-Proteins gezielt inaktiviert wurde. Die Tiere produzierten kaum noch messbare Mengen des Allergens – und blieben dabei gesund und unauffällig im Verhalten.
Parallel dazu zeigten Vergleiche der Genome verschiedener Katzenarten, dass Fel d 1 zwischen den Spezies stark variiert und vermutlich keine lebenswichtige biologische Funktion erfüllt. Damit ist die Zucht hypoallergener Katzen durch Gen-Editierung keine Science-Fiction mehr. Ob und wann solche Möglichkeiten marktreif werden, hängt von ethischen, rechtlichen und tierschutzrechtlichen Bewertungen ab.
Maßnahmen gegen Katzenallergie – die Evidenz im Überblick
Quellen
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