Der Sommer steht vor der Tür – und mit ihm die nächste Hitzewelle. Aufgrund des Klimawandels nehmen nicht nur die Durchschnittstemperaturen zu, sondern auch die Zahl und die Intensität heißer Tage.1 Was viele mit Urlaub und Freibad verbinden, bedeutet für Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen eine wachsende gesundheitliche Bedrohung. Hier spielt im Rahmen des Klimawandels auch die Luftverschmutzung eine Rolle, denn auch diese kann ein Risiko darstellen.2
Wird der menschliche Körper Hitze ausgesetzt, setzt er verschiedene Schutzmechanismen in Gang. Einer davon ist das Schwitzen. Dabei wird Flüssigkeit über die Haut abgegeben, die beim Verdunsten eine kühlende Wirkung entfaltet. Ein weiterer Mechanismus ist die sogenannte Vasodilatation, also die Erweiterung der Blutgefäße. Sie sorgt dafür, dass überschüssige Wärme aus der Muskulatur an die Umgebung abgegeben wird, indem der Blutfluss verstärkt in Richtung Hautoberfläche gelenkt wird.3
Die Vasodilatation stellt allerdings besondere Anforderungen an das Herz-Kreislauf-System: Um den reduzierten Füllungsdruck des Herzens auszugleichen, muss dieses mit erhöhter Kontraktilität arbeiten. Dies führt zu einer gesteigerten Herzfrequenz und einem erhöhten Sauerstoffbedarf. Bei Menschen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen kann dieses Zusammenspiel schnell aus dem Gleichgewicht geraten, was potenziell schwere Folgen wie Ischämien, Herzinfarkte oder einen Kreislaufkollaps nach sich ziehen kann.3
Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass extreme Hitzeereignisse das Risiko für gesundheitliche Komplikationen erhöhen und sogar tödlich enden können. Ein Blick auf die beiden vergangenen Sommer 2023 und 2024 zeigt, dass diese mit Durchschnittstemperaturen von 18,6 °C bzw. 18,5 °C um 2,3 °C bzw. 2,2 °C über dem Mittelwert der international gültigen Referenzperiode von 1961 bis 1990 (16,3 °C für Deutschland) lagen. In diesen beiden Jahren wurde in Deutschland jeweils eine hitzebedingte Übersterblichkeit von rund 3.000 Todesfällen verzeichnet.4 Dabei treten hitzebedingte Sterbefälle vor allem bei Menschen über 75 Jahren auf und betreffen häufig Personen mit psychischen Störungen wie Demenz sowie Personen mit Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen.5,6
Neben Hitze ist auch die zunehmende Luftverschmutzung eine ernsthafte Folge des Klimawandels – mit besonders schweren Auswirkungen für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Studien zeigen, dass Schadstoffe wie Feinstaub (PM2,5) und Ozon Entzündungen und oxidativen Stress fördern und das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle direkt erhöhen.2
Der Klimawandel verschärft diese Belastung zusätzlich: Höhere Temperaturen begünstigen die Ozonbildung, während Trockenheit und längere Vegetationsperioden zu mehr Feinstaub in der Luft führen. Für herzkranke Patient:innen bedeutet das eine doppelte Gefährdung durch Hitze und verschmutzte Luft. Beide Faktoren wirken zusammen und erhöhen die Wahrscheinlichkeit schwerer Komplikationen deutlich.2,3
In ihrer Pressemitteilung zum UN-Klimagipfel 2023 betont die Deutsche Herzstiftung die zentrale Rolle des Gesundheitssystems beim Schutz von Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor den gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels.7
Um Patient:innen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirksam vor den Folgen des Klimawandels zu schützen, sollten Hausärzt:innen daher eine aktive Rolle bei der Aufklärung und Vorsorge übernehmen. Dazu gehört, Patient:innen über klimabedingte Gesundheitsrisiken und notwendige Verhaltensmaßnahmen zu informieren, beispielsweise über die mögliche Anpassung der Medikation bei Hitze oder über das richtige Verhalten bei Atemwegserkrankungen im Fall von erhöhter Luftbelastung, wie sie beispielsweise durch Waldbrände entstehen kann.7,8
Gleichzeitig sollten kommunale Hitzeaktionspläne und bestehende Schutzinfrastrukturen wie klimatisierte öffentliche Räume, Hitzeleitstellen oder Frühwarnsysteme ausgebaut und deren Nutzung empfohlen werden. Eine wichtige Rolle spielt auch eine klimaresiliente Stadtplanung mit mehr Grünflächen, Frischluftschneisen und einer Förderung des Rad-, Fuß- und öffentlichen Verkehrs. Dieses Thema sollte in Zukunft stärker in den Fokus der Gesundheitspolitik rücken. Bei den letzten beiden Punkten besteht in Deutschland allerdings noch Handlungsbedarf.7,8
Referenzen: