Gewichtszunahme unter Antipsychotika kontrollieren: Eine Frage der Auswahl
Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung mit einer ausgeprägten Krankheitslast, die sich auf fast alle Lebensbereiche der betroffenen PatientInnen auswirken kann. In unserer Reihe „Schizophrenie – und?“ werfen wir gemeinsam einen genauen Blick auf die wichtigsten Aspekte, die eine Schizophrenie mit sich bringen kann. Den Auftakt der Artikelreihe bildet das Thema Gewichtszunahme im Rahmen der pharmakologischen Therapie. Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine der häufigsten Nebenwirkungen der atypischen Antipsychotika – mit negativen Folgen für den Therapieerfolg und die Adhärenz: Gewichtszunahme ist nämlich einer der Hauptgründe für einen Therapieabbruch und zudem ein Risikofaktor für die Entstehung eines metabolischen Syndroms inkl. Diabetes.[1],[2],[3],[4] Bei der Auswahl eines Antipsychotikums sollte daher auch der Einfluss auf das Gewicht berücksichtigt werden.[5]
Atypische Antipsychotika sind gegenüber den typischen Antipsychotika mit weniger extrapyramidalmotorischen Nebenwirkungen assoziiert.[6] Dagegen sind sie jedoch mit anderen Nebenwirkungen, darunter Gewichtszunahme, assoziiert.6 Damit können mehrere Probleme einhergehen: Zum einen kann eine Gewichtserhöhung die Entstehung metabolischer Erkrankung wie das metabolische Syndrom (gleichzeitiges Bestehen von Bluthochdruck, abdomineller Adipositas, erhöhten Triglyzerid- und Blutzucker-Werten sowie erniedrigtem »schützenden« HDL-Cholesterin) sowie Diabetes begünstigen.3,4 Zum anderen kann diese Nebenwirkung dazu führen, dass die PatientInnen ihre antipsychotische Therapie absetzen.
Mehr Therapieabbrüche aufgrund von Gewichtszunahme
So konnte nämlich beispielsweise in einer Studie gezeigt werden, dass adipöse PatientInnen mit Schizophrenie ihre antipsychotischen Medikamente aufgrund von Gewichtszunahme 2,5-mal häufiger absetzten als nicht-adipöse Schizophrenie-PatientInnen.1 Eine gute Therapieadhärenz ist jedoch Voraussetzung für den Erfolg der Behandlung bei Schizophrenie: Denn eine Non-Adhärenz für antipsychotische Therapien bei Schizophrenie ist mit negativen Therapieoutcomes wie Rezidiven assoziiert.[7] Die Vermeidung von Rezidiven und damit verbundenen Hospitalisierungen bilden dabei einen der Grundpfeiler des Schizophrenie-Therapiemanagements.5 In diesem Sinne sollte dem Thema Gewichtszunahme in der Schizophrenietherapie mehr Beachtung geschenkt werden: Vor Beginn einer Behandlung ist die erste Strategie, um eine Gewichtszunahme zu vermeiden, Präparate auszuwählen, die diese eher weniger bedingen und im Falle einer Gewichtszunahme, wenn möglich auf solche Präparate zu wechseln.5
Gewichtskontrolle trotz Antipsychotika ist möglich
In klinischen Studien ergaben sich Hinweise darauf, dass die Gewichtszunahme unter manchen Antipsychotika wie z. B. Aripiprazol geringer ausgeprägt ist als andere Präparate.5 Eine Vergleichsstudie zeigte deutlich: Am Ende der 52-wöchigen Open-label-Verlängerungsphase einer 26-wöchigen randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie[8] lag die mittlere Gewichtszunahme in der Olanzapin-Gruppe bei 2,54 kg im Vergleich zu 0,04 kg in der Aripiprazol-Gruppe (p < 0,001; LOCF).[9] Die vergleichsweise schwächere Gewichtszunahme unter Aripiprazol könnte dabei der geringeren Affinität zum Histamin-H1-Rezeptor geschuldet sein.[10]
PatientInnen könnten bei einer Therapie mit Aripiprazol-Depot nicht nur von einer guten Wirksamkeit profitieren[11],[12],[13], sondern aufgrund des guten Nebenwirkungsprofils ihr Leben auch sorgenfreier gestalten: z. B. in der Schule oder im Beruf besser durchstarten, Zeit mit den FreundInnen verbringen oder für die Familie da sein – und das mit einem niedrigeren Risiko für körperliche Beeinträchtigungen durch unerwünschte Effekte wie eine Gewichtszunahme5,9.
Fazit:
Weitere Info:
Die durch die Gewichtszunahme bedingten metabolischen Erkrankungen, wie das metabolische Syndrom und Diabetes mellitus, gehören zu den häufigsten somatischen Komorbiditäten bei Schizophrenie-PatientInnen. Welche Komorbiditäten außerdem auftreten können und warum Sie bei der Auswahl der Therapie berücksichtigt werden sollten, erfahren Sie im Podcast mit Dr. Irene Samman, Karlsruhe.
Referenzen
[1] Weiden PJ et al. Schizophr Res 2004;66:51-57.
[2] Lieberman JA et al. N Engl J Med. 2005;353:1209-1223.
[3] RKI Robert Koch-Institut. Schizophrenie. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. 2010. Heft 50. Berlin: Ver-lag Robert Koch-Institut.
[4] Lieberman JA. Prim Care Companion J Clin Psychiatry 2004;6(suppl 2):8-13.
[5] Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN) (Hrsg.) S3-Leitlinie Schizophrenie. AWMF-Register Nr. 038-009.
[6] Üçok A, Gaebel W. World Psychiatry 2008;7:58-62.
[7] Novick D et al. Psychiatry Res 2010;176:109-113.
[8] Pigott TA et al. J Clin Psychiatry. 2003;64:1048-1056.
[9] Chrzanowski WK et al. Psychopharmacology (Berl.). 2006;189:259-266.
[10] Kroeze WK et al. Neuropsychopharmacology 2003; 28: 519-526.
[11] Schöttle D et al. Eur Psychiatry 2022; 65:e42.
[12] Schöttle D et al. BMC Psychiatry 2023;23:162.
[13] Oluboka O et al. BMC Psychiatry. 2023;23:383.
[14] Leucht S et al. Lancet 2013;382:951-962.
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