Skelett- und Gelenkbeteiligungen gehören zu den frühen und wichtigsten Krankheitsmanifestationen von MPS, weswegen diese lysosomalen Speicherkrankheiten auch zu den Skelettdysplasien zählen.1,2 Hier sind anfangs insbesondere Gelenksteifigkeit vor allem an Schultern, Knien und Hüftgelenken, Gelenkkontrakturen vor allem der Fingerendgelenke und Ganganomalien wie Watschel- und Zehenspitzengang zu nennen. Kinder mit MPS sind typischerweise langsamer als andere und wirken steifer; sie kommen im Schulsport häufig nicht gut mit und werden daher als unsportlich eingestuft.
Normalerweise werden Kinder mit solchen Auffälligkeiten an Orthopäd*innen überwiesen, um abklären zu lassen, ob die Ursache orthopädischer Natur ist. Häufig verordnen die Kolleg*innen dann zunächst eine Physiotherapie – ohne dass sich die Symptome dadurch verbessern. Wenn dann im Laufe der Erkrankung immer weitere, unspezifische Symptome hinzukommen, werden weitere Schritte eingeleitet, wobei nicht selten eine Ärzteodyssee beginnt, die zu einer jahrelangen Verzögerung der Diagnose führen kann. Diese Zeit lässt sich verkürzen, indem man bereits früh – am besten vor der ersten Überweisung – auf gewisse Hinweise achtet.
Noch bevor sich im Krankheitsverlauf nämlich zunehmend schwere Skelett- und Gelenkbeteiligungen entwickeln, treten bei Kindern mit MPS typischerweise bereits unspezifische Symptome wie Nabelhernien, rezidivierende HNO-Infekte oder Atemgeräusche wie Schnarchen oder Schnaufen auf.1 Wenn bei einem Kind also zusätzlich zu einer Gelenkmanifestation weitere solche Auffälligkeiten dazukommen, dann kann dies ein Hinweis auf eine gemeinsame systemische Ursache der Beschwerden sein. Dies sollte möglichst früh abgeklärt werden, da die meisten Formen von MPS behandelbar sind.3
Da viele MPS-Manifestationen äußerlich sichtbar sind, fallen sie bei Routineuntersuchungen oder in der Anamnese beim Pädiater schnell auf. Gerade Kinderärzt*innen mit ganzheitlichen Anspruch können die Verdachtsdiagnose MPS somit häufig gut selbst stellen - mindestens so gut wie orthopädische, fachspezifische Kolleg*innen. Wichtig: Die Kombination der einzelnen unspezifischen Symptome ergibt den entscheidenden Hinweis in Richtung MPS.1 Spezialkenntnisse in Sachen MPS sind dafür nicht vonnöten – das geschulte Auge von Pädiater*innen reicht völlig aus.
Viele der Auffälligkeiten betreffen das Skelettsystem (in ihrer Gesamtheit als „Dysostosis multiplex“ bezeichnet) (s. Abbildung) und daraus resultierende Folgen wie Ganganomalien.4 Aber auch vermehrte Operationen in jungem Alter (z.B. Hernienreparatur, Tonsillektomie, Adenektomie, Paukenröhrchenimplatation, Karpaltunnelfreilegung), rezidivierende Infekte, Atemgeräusche, Schnarchen, Hornhauttrübung und Auffälligkeiten am Herzen können auf eine MPS hinweisen.1,5
Abb. Blickdiagnose: MPS I-Symptome die auf einem Blick zu erkennen sind. Dargestellt ist ein MPS I-Patient mit eingeschränkter Beweglichkeit der Schulter- und Hüftgelenke, sowie Kontrakturen der Fingerendgelenke, Ellenbogen- und Kniegelenke.
Die verschiedenen Formen von MPS mit ihren vielfach überlappenden Symptomen voneinander zu differenzieren ist für die Diagnose zunächst nicht erforderlich. Bei einem Verdacht in Richtung MPS empfiehlt sich ein Trockenblut-Panel-Test oder ein Urintest, mit denen auf verschiedene MPS-Formen gleichzeitig getestet werden kann. Zudem sollte bereits bei Verdacht oder spätestens bei Diagnose einer MPS Kontakt mit einem spezialisierten MPS-Zentrum aufgenommen werden.
Quellen:
UrheberrechtFoto: Shannae, Syndey, MPS I; Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
MAT-DE-2104971 V2.0 07/2024