Die International Osteoporosis Foundation (IOF) veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Zahlen zur Versorgungssituation von Osteoporose-Erkrankten. Für Europa wird die sog. Scorecard for Osteoporosis in Europe (SCOPE) publiziert, die wesentliche Indikatoren zur Versorgungslage enthält und die Situation mit dem vorherigen Erhebungszeitraum vergleicht. Eingang in den SCOPE-Bericht fanden Daten aus 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) sowie der Schweiz und Großbritannien (Gruppe der sog. EU 27+2 Länder). Der SCOPE-Bericht 2021 zeigt, dass die Osteoporose die nationalen Gesundheitssysteme weiterhin stark belastet.1
Die letzte Auswertung, die Daten bis 2019 berücksichtigt, zeigte für Deutschland eine enorme Behandlungslücke auf:2
Geschätzte Anzahl Osteoporose-Betroffener
Ca. 5,7 Mio.
Neue Fragilitätsfrakturen in 2019
831.000
Geschätzter Anstieg Fragilitätsfrakturen 2019-2034
+ 16,4 %
Direkte Kosten bestehender und neuer osteoporotischer Frakturen
EUR 13,8 Milliarden (entspricht 3,7 % der nationalen Gesundheitsausgaben)
Behandlungslücke (Anteil der Frauen mit hohem Frakturrisiko, die nicht behandelt wurden)
76 %
Tabelle 1: SCOPE-Kennzahlen. Adaptiert nach 2.
Mit lediglich einer behandelten von vier Frauen, die für eine Osteoporose-Therapie infrage kommen, liegt Deutschland im europäischen Vergleich nur auf Rang 16 von 29 Ländern – gleichzeitig wurden die Verfügbarkeiten von chirurgischer Versorgung nach Fraktur, Knochendichtemessungen und nationalen Leitlinien grundsätzlich als vergleichsweise gut bewertet. Weniger positiv schnitt Deutschland allerdings hinsichtlich gesundheitspolitischer Rahmenbedingungen ab.2
Der Bericht gibt allerdings auch Anlass zur Hoffnung: Gegenüber 2010 ließ sich im Trend eine Verbesserung der Versorgungssituation erkennen2 – auch wenn es weiterhin viel zu tun gibt. Erste positive Veränderungen zeigten sich zum Beispiel in den Scores für den Zugang zu Knochendichtemessungen und für die Priorisierung der Osteoporose-Versorgung in der Gesundheitspolitik.2,3
Abbildung 1: Scorecard für Osteoporose in Deutschland. Adaptiert nach 4.
Ein Blick auf die wichtigsten SCOPE‑Kennzahlen für Deutschland verdeutlicht die Krankheitslast der Osteoporose und die damit verbundenen ökonomischen Herausforderungen.2
Hier Scorecard vergrößern oder herunterladen
Im Rahmen des OrthoTraumaLive-Events „Osteoporose: Versorgungslücke schließen – Leitlinien korrekt anwenden“ am 09. März 2026 waren auch die deutschen Kennzahlen und insbesondere die Versorgungslücke ein Thema. Dr. Friederike Thomasius, Osteologin und Koordinatorin der DVO S3‑Leitlinien, ordnet den SCOPE-Report in diesem Video ein. Sie mahnt zur Wachsamkeit angesichts der steigenden Frakturzahlen durch den demografischen Wandel und der nach wie vor großen Versorgungslücke bei Frauen mit Osteoporose.
DE-DA-2400263