Der lange Atem in der Schizophrenie-Behandlung: Warum eine gute
Adhärenz so wichtig ist
Eine kontinuierliche medikamentöse Therapie ist eine wesentliche Voraussetzung für den Behandlungserfolg bei Schizophrenie: Sie kann besser vor Rückfällen schützen als eine intermittierende Therapie[1], sowie zu einer Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität beitragen[2]. Dafür ist es jedoch notwendig, dass Schizophrenie-PatientInnen ihre Medikation akzeptieren, dieser „treu“ bleiben und sie fortsetzen. Leider sind Therapieabbrüche in der Schizophrenie-Behandlung jedoch relativ häufig. Zu den Möglichkeiten zur Verbesserung der Therapietreue gehören der Einsatz von lang wirksamen Depot-Antipsychotika sowie ein Behandlungsansatz, der die Bedürfnisse und Wünsche der PatientInnen in den Fokus stellt[3].
Einer schwedischen Kohortenstudie zufolge nehmen nur etwa 58 % der PatientInnen mit einer ersten psychotischen Episode die verschriebene Medikation während der ersten 30 Tage nach der stationären Entlassung ein.[4] Insgesamt sind Therapieunterbrechungen bei Schizophrenie häufig, vor allem im ersten Jahr nach der Diagnose.[5] Eine unzureichende Therapieadhärenz kann jedoch zahlreiche negative Folgen mit sich bringen: Dazu gehören eine verminderte Wirksamkeit der antipsychotischen Medikation sowie ein erhöhtes Risiko für Rezidive/Hospitalisierungen und Suizidversuche.[6] Die Krankheitsprognose kann sich verschlechtern und der Weg zu Remission und Recovery schwerer werden. Doch wie kann die Adhärenz bei PatientInnen mit Schizophrenie verbessert werden? In der Literatur werden einige Maßnahmen diskutiert, von denen eine sehr vielversprechende der verstärkte Gebrauch von lang wirksamen Depot-Antipsychotika ist.3 Aktuelle Daten der Real-World-Studien AMBITION und DOMINO zeigen dabei, dass der Vertreter Aripiprazol-Depot (Abilify Maintena®) mit einer hohen Therapiepersistenz bei PatientInnen mit Schizophrenie verbunden ist.[7],[8],[9]
Real-World-Evidenz: Abilify Maintena® mit hoher Therapiepersistenz verbunden
In die retrospektive Real-World-Studie AMBITION wurden Daten von PatientInnen mit Schizophrenie eingeschlossen, die im Zeitraum vom 01.01.2017 bis zum 31.12.2019 eine Therapie mit Abilify Maintena® oder oralen Antipsychotika (OR) begonnen haben.7 Nach 12 Monaten Behandlung wurden u. a. die Therapiepersistenz (Prozentualer Anteil der PatientInnen, die ihre Behandlung noch fortsetzen) sowie die Anzahl und Dauer der Hospitalisierungen in beiden Kohorten erfasst und miteinander verglichen. Dabei zeigte sich, dass signifikant mehr PatientInnen unter Abilify Maintena® persistent waren im Vergleich zu PatientInnen, die eine orale Medikation erhielten (64,9 % vs. 53,7 %; p < 0,001).7 Zudem war das Risiko für eine Hospitalisierung in derAbilify Maintena®-Kohorte um 40 % niedriger als in der OR-Kohorte (Hazard Ratio: 0,60 [95 %-KI: 0,49 bis 0,74]).7
Ergänzt werden diese Ergebnisse durch Daten der Real-World-Studie DOMINO, in die 261 Schizophrenie-PatientInnen unter Therapie mit Abilify Maintena® eingeschlossen wurden: Hier konnte für mind. 6 Monate eine Therapiepersistenz bei 86 % der TeilnehmerInnen festgestellt werden.8 Eine Erhebung nach 4 Jahren zeigte, dass fast 70 % (69,6 %) der TeilnehmerInnen weiterhin persistent war.9 Erstaunlich ist die hohe Persistenz (für mind. 6 Monate) auch bei schwer erkrankten PatientInnen mit höheren CGI-S-Werten zu Beginn der Abilify Maintena®-Therapie (5 = 82 %, 6 = 73 %, 7 = 90 %).8
Depot-Antipsychotika klar im Vorteil
Lang wirksame Depot-Antipsychotika zeichnen sich gegenüber den täglich einzunehmenden oralen Antipsychotika durch längere Dosierungsintervalle aus. Dadurch, dass die tägliche Tabletteneinnahme entfällt, werden die betroffenen PatientInnen auch nicht täglich an ihre Erkrankung erinnert, was sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken könnte. Zudem findet die Medikamentengabe im Rahmen der Depot-Therapie unter ärztlicher Aufsicht statt. Der enge Kontakt zwischen den PatientInnen und BehandlerInnen im Rahmen der Depot-Therapie ermöglicht dabei eine frühzeitige Intervention für den Fall, dass die PatientInnen nicht für die Verabreichung des Depots vorstellig werden. Dies sind einige der Gründe dafür, dass Depot-Antipsychotika zu einer Verbesserung der Adhärenz und Persistenz (Beibehalten der begonnenen Therapie) beitragen können.[10],[11]
Die Wünsche der PatientInnen in den Mittelpunkt stellen
Eine weitere Option zur Verbesserung der Therapieadhärenz besteht darin, die PatientInnen in der therapeutischen Entscheidungsfindung stärker miteinzubeziehen3. Die verstärkte Berücksichtigung der individuellen PatientInnenperspektive könnte nicht nur dazu beitragen, die Therapiebereitschaft und -adhärenz der PatientInnen zu steigern, sondern sie auch bei der Wiedererlangung der Funktionalität und Lebensqualität zu unterstützen. Dahinter verbirgt sich das Behandlungskonzept „Patient Life Engagement“, das darauf abzielt, den PatientInnen eine aktive Teilnahme am Leben zu ermöglichen.[12] Eine zentrale Komponente ist dabei das Shared-Decision-Making (SDM): Therapeutische Entscheidungen sowie die Festlegung von Therapiezielen sollten gemeinsam mit den PatientInnen erfolgen – unter Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse und Prioritäten.[13] Dazu gehören z. B. der Erhalt bzw. die Verbesserung der sozialen/familiären Kontakte, eine verbesserte Gesundheitspflege sowie die (Wieder)-Aufnahme eines Berufs bzw. einer Ausbildung.12 Das übergeordnete Ziel ist ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben mit Wiederherstellung der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit (Recovery).[14] Eine Therapie mit Depot-Antipsychotika wie z. B. Abilify Maintena® könnte dazu beitragen, diesem Ziel näher zu kommen (siehe Infokasten).
Fazit:
Die Adhärenz und Persistenz sind wichtige Einflussfaktoren für den Behandlungserfolg bei Schizophrenie. Therapieabbrüche sind jedoch häufig und können mit negativen Folgen für die betroffenen PatientInnen verbunden sein. Der Gebrauch von lang wirksamen Depot-Antipsychotika sowie ein PatientInnen-zentrierter Behandlungsansatz können zu einer Verbesserung der Adhärenz beitragen. Studiendaten zufolge ermöglichen Depot-Antipsychotika eine bessere Adhärenz und Persistenz als orale Präparate. Dies konnte durch aktuelle Real-World-Daten in Bezug auf Abilify Maintena® bestätigt werden. Ein weiterer Lösungsansatz ist das Patient Life Engagement, das die Recovery der PatientInnen zum Ziel hat. Dabei werden die Wünsche und Bedürfnisse der PatientInnen in den Mittelpunkt aller therapeutischen Überlegungen gestellt.
Abilify Maintena®: Schritt für Schritt auf dem Weg zum selbstbestimmten Leben
Wichtige Ziele auf dem Weg zur Recovery sind Therapieansprechen (Response) sowie Remission (Zustand [weitestgehend] ohne Symptome). Daten der Real-World-Studie REACT zeigen, dass Abilify Maintena® PatientInnen dabei unterstützen kann, diese beiden Zwischenziele zu erreichen.[15],[16],[17] Nach Umstellung auf die Depot-Medikation konnten über die Hälfte (54,4 %) der Studienteilnehmenden eine klinisch relevante Response* erreichen.15 45,2 % erreichten sogar eine klinische Remission**. Zudem kam es im Beobachtungszeitraum nach dem Score des Global Assessment of Functioning (GAF) zu einer deutlichen Zunahme des Funktionsniveaus um 11,7 Punkte von 47,7 Punkten zu Baseline auf 59,4 Punkte zu Monat 6 (p<0,001).16 Dabei kann eine breite PatientInnenpopulation, unabhängig vom Geschlecht,
von Alter und Dauer der Erkrankung sowie unabhängig vom Schweregrad der
Erkrankung und von den Symptomen von der Behandlung mit Abilify Maintena® profitieren.16
*definiert als BPRS (Brief Psychiatric Rating Scale)-Reduktion um ≥ 20 % in Monat 6 gegenüber Studienbeginn.
**definiert als BPRS-Wert ≤ 3 Punkte bei den folgenden BPRS-Items bei 2 aufeinanderfolgenden Besuchen: Grandiosität, Misstrauen, ungewöhnliche Gedankeninhalte, halluzinatorisches Verhalten, konzeptionelle Desorganisation, Manierismen und abgestumpfter Affekt
Referenzen
[1] De Hert M et al. CNS Drugs 2015;29:637–658.
[2] Alonso J et al. Value Health 2009;12:536–543.
[3] Goff DC et al. J Clin Psychiatry. 2010;71(Suppl 2):20–26.
[4] Tiihonen J et al. Am J Psychiatry 2011;168:603–609.
[5] Rubio JM et al. Schizophr Bull 2021;47:1611–1620.
[6] Higashi et al. Ther Adv Psychopharmacol. 2013;3:200–218.
[7] Sanchez-Gistau V et al. Front Psychiatry 2023:14:1207307.
[8] Fagiolini A et al. Psychiatry Res 2019:272:698-706.
[9] Fagiolini A et al. Ann Gen Psychiatry 2022;21:39.
[10] Titus-Lay E et al. Ment Health Clin. 2018;8:56–62.
[11] Romagnoli A et al. Curr Rev Clin Exp Pharmacol 2021;16:109–116.
[12] Correll CU et al. J Clin Psychiatry 2022; 83: LU21112AH1
[13] Bienentreu S et al. Psychopharmakotherapie 2021;28 52–62.
[14] Robert Koch-Institut. Schizophrenie. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. 2010. Heft 50. Berlin: Verlag Robert Koch-Institut.
[15] Schöttle D et al. Eur Psychiatry 2022;65:e42
[16] Oluboka O et al. BMC Psychiatry. 2023;23:383.
[17] Schöttle D et al. BMC Psychiatry 2023;23:162.
DE-ABIM-1747 und DE-AM-2400071