Ob Herzgesundheit, Körpergewicht oder Rückenschmerzen – Bewegung ist gut, Sitzen ist schlecht. Aber wie wirkt sich die Ära des sitzenden Menschen auf das Demenzrisiko aus?
Wir sitzen zu viel. Egal ob im Beruf oder in der Freizeit, in der Jugend oder im Alter. Das wirkt sich auf die Gesundheit aus. Knapp 6 Stunden täglich verbringen Senioren ab 65 Jahren täglich vor dem Fernseher. Menschen zwischen 50–64 stehen dem mit 4–5 Stunden täglich wenig nach – und das ist nur eine von vielen sitzenden Tätigkeiten. Eine aktuelle Studie, die in JAMA veröffentlicht wurde, beschäftigte sich nun damit, ob diese langen Sitzzeiten einen negativen Einfluss auf das Demenzrisiko haben können.
Für ihre Studie bedienten sich die Forscher an Daten der UK Biodatenbank und untersuchten fast 50.000 Erwachsene über 60 Jahre (Durchschnittsalter: 67,19 Jahre; 54,7 % Frauen). Die Studienteilnehmer trugen eine Woche lang 24/7 einen Bewegungsmesser und hatten zum Zeitpunkt der Messung keine Demenzdiagnose. Die Forscher konnten dann anhand dieser Daten die durchschnittlichen Bewegungsdaten der jeweiligen Teilnehmer ermitteln. Dabei wurde mit Hilfe von machine learning auch zwischen verschiedenen Arten von sitzenden Tätigkeiten unterschieden.
Nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von sechs Jahren konnten die Forscher 414 Demenz-Fälle unter den Teilnehmern feststellen. Auch nach der statistischen Bereinigung war das Ergebnis eindeutig: „In den vollständig angepassten Modellen zeigte sich ein signifikanter nichtlinearer Zusammenhang zwischen der Zeit, die mit sitzendem Verhalten verbracht wurde und dem Auftreten von Demenz“, fassen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse zusammen.
Das sind wahrscheinlich keine überraschenden Ergebnisse, werden Bewegung und eine Reduzierung der Sitzzeit doch für so viele Indikationen empfohlen. Aber wie viel sitzen ist eigentlich zu viel?
„Wir waren überrascht, dass das Demenzrisiko nach 10 Stunden täglicher sitzender Tätigkeit rapide ansteigt – unabhängig davon, wie die sitzende Tätigkeit akkumuliert wurde“, sagt Studienautor Prof. Gene Alexander. „Dies deutet darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen sitzender Tätigkeit und Demenzrisiko durch die Gesamtzeit der sitzenden Tätigkeit bestimmt wird. Wichtig ist jedoch, dass ein geringeres Maß an sitzender Tätigkeit bis zu etwa 10 Stunden nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden war.“
Ebenfalls interessant: die Art und Weise, wie die tägliche Sitzzeit verbracht wird, scheint irrelevant. Es ist also egal, ob man 10 Stunden am Stück sitzt, oder über den Tag verteilt – auf das Demenzrisiko scheint das keinen Einfluss zu haben. „Dies sollte diejenigen unter uns beruhigen, die einen Bürojob haben, bei dem man lange sitzen muss, solange wir unsere tägliche Gesamtdauer der sitzenden Tätigkeit begrenzen“, sagt Studienautor David Raichlen.
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