Ein Posttransplantationslymphom (PTLD) ist eine seltene, aber schwerwiegende Erkrankung bei Transplantationspatient*innen und häufig Grund für eine erhöhte Morbidität und Mortalität.1,2 Die kumulative Häufigkeit einer PTLD 5 Jahre nach Transplantation liegt bei 1–3 %.3 Bei erwachsenen Leber-Transplantierten sind etwa 1–5,5 % betroffen.4 Ob eine PTLD mit einer chimären Antigenrezeptor (CAR)-T-Zell-Therapie behandelt werden kann, lesen Sie hier.
Transplantationspatient*innen haben ein erhöhtes Risiko, eine PTLD zu entwickeln.5 Bei PTLD handelt es sich um lymphomartige Erkrankungen, die als seltene, aber schwere Komplikationen nach Organtransplantation entstehen können.1,6 Unter Immunsuppression wird die Funktion von zytotoxischen T-Zellen gehemmt.2 In der Folge werden die B-Zellen unkontrolliert aktiviert und proliferieren, was langfristig zur PTLD führen kann.2
Es gibt verschiedene Formen und Schweregrade der PTLD.1 Sie kann beispielsweise Epstein-Barr-Virus (EBV)-assoziiert sein: Zu der EBV-assoziierten PTLD zählt unter anderem die monomorphe B-Zell-PTLD.1,2,6
Zurzeit gibt es keine einheitlichen Richtlinien für eine Behandlung bei refraktärer/rezidivierender (r/r) PTLD.5,7 Ein Großteil der Therapieansätze wird in klinischen Studien geprüft und haben noch keine Zulassung erhalten – darunter zum Beispiel Rituximab.5 Als wirksam erwiesen sich unter anderem die folgenden Behandlungsmöglichkeiten:*,5
Einige Studien (siehe unten) geben jedoch Hinweise darauf, dass eine CAR-T-Zell-Therapie ebenfalls wirksam sein kann.2,5,6,8
Bei der CAR-T-Zell-Therapie werden die T-Zellen aus dem Blut der Patient*innen mittels Apherese isoliert und anschließend genetisch modifiziert.7,9 Die T-Zellen exprimieren daraufhin CAR auf ihren Zelloberflächen.7,9 Diese Antigenerezeptoren ermöglichen das Erkennen von und Binden an Tumor- bzw. B-Zell-Antigene und initiieren so den Abbau der Tumor- bzw. B-Zellen (siehe Abbildung 1).7,9
Abbildung 1 Ablauf einer CAR-T-Zell-Therapie. Modifiziert nach 10.
Die Wirksamkeit und Sicherheit einer CAR-T-Zell-Therapie bei PTLD-Erkrankten wurden in verschiedenen Studien untersucht – eine dieser Studien stellen wir Ihnen hier vor: 2,4–7,8
Eine multizentrische Real-World-Analyse untersuchte 22 Patient*innen mit r/r monomorpher B-Zell-PTLD, die eine CAR-T-Zell-Therapie erhielten.2 Darunter waren 14 Nieren- und 3 Leber-Transplantationspatient*innen.2 Die Studie ergab:2
Die 2-Jahres-Überlebensrate sowie die allgemeine Ansprechrate waren mit früheren Studien zum Einsatz der CAR-T-Zell-Therapie beim großzelligen B-Zell-Lymphom vergleichbar.2 Ebenso betrug der Anteil an Erkrankten, die sich nach Behandlung in Remission befanden, in bereits publizierten Studien etwa ein Drittel.2 Auch das Sicherheitsprofil war mit Daten aus der Fachliteratur vergleichbar.2
Die hier präsentierte Studie zeigte demnach positive Ergebnisse für den Einsatz der CAR-T-Zell-Therapie bei PTLD-Erkrankten.2 Weitere Untersuchungen wurden häufig mit einer geringeren Anzahl an Patient*innen durchgeführt und ergaben teilweise, dass eine CAR-T-Zell-Therapie aufgrund von schweren Nebenwirkungen nicht immer erfolgreich eingesetzt werden konnte.4–7,8
Eine CAR-T-Zell-Therapie bei PTLD ist mit zum Teil starken Nebenwirkungen verbunden.4,7 Das Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) ist bei einer CAR-T-Zell-Therapie zur Behandlung einer PTLD häufig und tritt bei 35–93 % der Erkrankten auf, oft innerhalb der ersten zwei Wochen nach Behandlungsbeginn.7 Bei CRS handelt es sich um eine systemische Entzündungsreaktion, die aus einer vermehrten Freisetzung von Zytokinen resultiert.11 Klinisch äußert sich das CRS in der Regel durch Grippe-ähnliche Symptome und Fieber, in schwerwiegenden Fällen auch durch Hypotonie.7,11 Einflussfaktoren für die Wahrscheinlichkeit eines CRS unter CAR-T-Zell-Therapie können patienten- (z. B. Tumorlast, Komorbiditäten) oder behandlungsbezogen (z. B. CAR-Targetantigen, Dosis der transfundierten CAR-T-Zellen) sein.11
Die CAR-T-Zell-Therapie wurde zur Behandlung von PTLD-Patient*innen bereits erfolgreich eingesetzt.2,4–6,8 Jedoch gibt es ebenfalls Studien, die über Limitationen der Behandlung berichten.7 Insgesamt sind weitere und umfassendere Studien notwendig, um das Verständnis des Nutzens und des Risikos der CAR-T-Zell-Therapie bei PTLD zu verbessern.2 Über aktuelle Forschungsergebnisse zum Einsatz der CAR-T-Zell-Therapie informieren wir Sie auf unserem Kanal!
Fussnoten
* die dargestellten Behandlungsmöglichkeiten basieren auf empirischen Studienergebnissen und sind nicht zur Therapie eines Posttransplantationslymphoms zugelassen.
CAR: chimärer AntigenrezeptorCRS: Zytokin-FreisetzungssyndromEBV: Epstein-Barr-VirusPTLD: PosttransplantationslymphomR-CHOP: Rituximab + Cyclophosphamid, Hydroxydaunorubicin, Oncovin, Prednisonr/r: refraktär/rezidivierend
Referenzen
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