Sich durch verschiedene Medikamente zu testen, bis eines zum Patienten passt – das schlägt nun eine Studie als Ansatz in der Diabetes-Therapie vor. Was intuitiv klingt, wurde bisher überraschenderweise noch nie versucht.
Eine großangelegte Studie bietet einen neuen Ansatz für die Behandlung von Typ-2-Diabetes, bei dem Patienten selbst über ihre Medikamente entscheiden können. Die Trimaster-Studie ist die erste, die es Menschen mit Typ-2-Diabetes ermöglicht, ihre Medikamente selbst zu wählen, nachdem sie drei verschiedene Medikamente nacheinander ausprobiert haben. Sie kommt zu dem Schluss, dass dieser Ansatz ein Weg sein könnte, die beste Behandlung zu finden.
Forscher der Universität Exeter leiteten die Studie, bei der Menschen mit Typ-2-Diabetes drei üblicherweise verschriebene Medikamente über einen Zeitraum von jeweils 16 Wochen erhielten (Sitagliptin, Canagliflozin und Pioglitazon). Während der Studie überwachten die Forscher die Auswirkungen der einzelnen Medikamente auf den Blutzuckerspiegel und das Gewicht der 448 Patienten und erfassten Nebenwirkungen. Zum Abschluss der Studie, die in Nature Medicine veröffentlicht wurde, konnten die Patienten das Medikament auswählen, das für sie am besten geeignet war. Das jeweils gewählte Medikament senkte nicht nur den Blutzucker am wirksamsten, sondern hatte auch weniger Nebenwirkungen.
Die Hauptautorin der Studie, Dr. Beverley Shields von der University of Exeter, sagt: „Die richtige Behandlung von Diabetes ist von grundlegender Bedeutung, um die besten Ergebnisse zu erzielen und eine gute Lebensqualität zu erhalten. Unsere Studie ist die erste, die Menschen mit Typ-2-Diabetes auffordert, nacheinander gängige Medikamente auszuprobieren, um herauszufinden, welches für sie am besten geeignet ist. Interessanterweise stellten wir fest, dass die Teilnehmer in der Regel die Behandlung wählten, mit der sie ihren Blutzucker am besten kontrollieren konnten – noch bevor sie die Ergebnisse kannten.“
Bei Teilnehmer Tim Keehner aus North Devon wurde vor 15 Jahren Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Er nahm an der Studie teil, weil sein Blutzucker zu hoch war. „Mir wurden drei Medikamente verschrieben. Die ersten beiden haben bei mir überhaupt nicht gewirkt, bei einem fühlte ich mich sogar noch schlechter. Glücklicherweise fühlte ich mich vom ersten Moment der Einnahme des dritten Medikaments an anders – ich hatte mehr Energie und ich wusste, dass es das richtige Medikament für mich war. Ich nehme es heute immer noch und kann alle Sportarten ausüben, die ich liebe. Das ist fantastisch.“
Studienleiter und Diabetes-Berater Prof. Andrew Hattersley, Universität Exeter, sagt: „Dies ist die erste Studie, in der ein und derselbe Patient drei verschiedene Arten von blutzuckersenkenden Medikamenten ausprobiert hat, so dass er sie direkt vergleichen und dann entscheiden konnte, welches für ihn am besten ist. Wir haben gezeigt, dass die Wahl der Patienten zu einer besseren Blutzuckereinstellung und weniger Nebenwirkungen führt als jeder andere Ansatz. Wenn nicht klar ist, welches Medikament am besten geeignet ist, sollten die Patienten es erst ausprobieren, bevor sie sich entscheiden. Überraschenderweise wurde dieser Ansatz noch nie ausprobiert.“
Dieser Artikel basiert auf einer Pressemitteilung der Universität Exeter. Die Studie haben wir euch hier und im Text verlinkt.
Bildquelle: Ksenia Yakovleva, Unsplash