Seit über zwei Jahren haben Schweinehalter nicht nur mit der Pandemie und ihren Auswirkungen zu kämpfen, auch die Afrikanische Schweinepest setzt ihnen zu. Könnten die Viren auch über das Futter in die Bestände kommen?
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat sich in den vergangenen Jahren in Europa und anderen Teilen der Welt ausgebreitet und sich zu einer Panzootie (weltweit auftretende Tierseuche) entwickelt. Da der Erreger in der Umwelt teilweise sehr stabil ist, besteht der Verdacht, dass das Virus auch über Futtermittel, Wasser und andere unbelebte Materialien wie Einstreu in Hausschweinebestände übertragen werden könnte. Empirische Belege dafür gibt es bisher nicht.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam aufgrund theoretischer Annahmen zu dem Ergebnis, dass für bestimmte Futtermittel und Feldfrüchte ein geringes Risiko besteht, ASP-Viren zu enthalten. Es bestehen jedoch große Unsicherheiten wegen fehlender wissenschaftlicher Daten. Einige Wissenslücken sollen nun in einem internationalen Forschungsprojekt geschlossen werden.
Virologen und Futtermittelexperten werden dabei die Stabilität von den Viren auf verschiedenen Futtermitteln und Einstreumaterialien unter praxisnahen Lagerbedingungen untersuchen. Vor Beginn der Untersuchung hat das Team in einer Literaturstudie bislang bekannte wissenschaftliche Erkenntnisse zu Futtermitteln als Infektionsquelle ausgewertet (zur Studie). Berücksichtigt wurden dabei auch der Einfluss von Verarbeitung, Transport und Lagerung auf eine mögliche Verunreinigung von Futtermitteln mit dem ASP-Virus.
Die Fachleute kamen zu dem Schluss, dass bei verarbeiteten Nebenprodukten, Getreide, Extraktionsschroten und Mischfuttermitteln durch die Verarbeitungsschritte eventuell eingebrachte ASP-Viren weitestgehend inaktiviert werden. Allerdings könnte durch eine unsachgemäße Handhabung der Produkte nach der Herstellung eine erneute Kontamination mit ASP-Viren erfolgen. Werden die allgemein geltenden Hygienevorschriften und vorbeugende Maßnahmen zum Umgang und zur Produktion von Futtermitteln (HACCP-Konzepte) eingehalten, ist dieser Übertragungsweg jedoch eher unwahrscheinlich. Bei Futtermitteln, die keiner weiteren Behandlung unterzogen und direkt verfüttert werden, ist eine Übertragung der ASP nicht ganz auszuschließen.
Die Untersuchungen, wie sie jetzt im Forschungsprojekt geplant sind, werden dringend erforderliche Daten zu ASP-Viren während der Verarbeitung und Lagerung in Futtermittelausgangsprodukten für Hausschweine liefern, so erhoffen es sich die durchführenden Institutionen.
Dieser Text basiert auf einer gemeinsamen Pressemitteilung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und des Friedrich Loeffler-Instituts (FLI).
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