Patienten mit hereditärem Angioödem leiden unter heftigen Schwellungen verschiedener Körpergewebe. Forscher stellten nun eine neue Therapie vor: Mithilfe der CRISPR-Methode kann das Protein gehemmt werden, das die Anfälle auslöst.
Das hereditäre Angioödem (HAE) ist eine seltene, genetisch bedingte Erkrankung, die durch schwere, wiederkehrende Schwellungen in verschiedenen Organen und Geweben gekennzeichnet ist. Diese sind nicht nur schmerzhaft, sondern können auch lebensbedrohlich sein. Eine aktuelle Studie zeigte nun, dass eine Behandlung mit der Genom-Editierungstechnologie CRISPR die Schwellungen lindern und die Häufigkeit der Anfälle verringern kann.
Das Forschungsteam stellte nun die vorläufigen klinischen Daten aus der ersten Phase-1-Studie mit einem vielversprechenden Kandidaten vor: NTLA-2002. „NTLA-2002 ist ein einmaliger, systemisch verabreichter CRISPR-Genom-Editing-Kandidat, der für HAE entwickelt wird“, erklärt Hauptautorin Dr. Hilary Longhurst.
„Es soll das KLKB1-Gen in den Leberzellen ausschalten und so die Produktion eines bestimmten Proteins namens Kallikrein reduzieren, dessen unkontrollierte Aktivität für die wiederkehrenden, schwächenden und potenziell tödlichen Schwellungsattacken verantwortlich ist, die bei Menschen mit HAE auftreten.“ Longhurst und ihr Team behandelten dazu Patienten mit HAE, die eine Behandlung mit aufsteigenden Dosen von 25 mg, 50 mg und 75 mg erhielten.
„Auch wenn die Daten noch nicht vorliegen, konnten wir bei allen Patienten, die mit einer Einzeldosis NTLA-2002 in den Dosiskohorten 25 und 75 mg behandelt wurden, eine rasche und signifikante Senkung des Plasmakallikrein-Spiegels feststellen“, so Studienautor Dr. Danny Cohn. „In dem Zeitraum, in dem die HAE-Attacken der Patienten in der 25-mg-Dosierungskohorte analysiert wurden, konnte ebenfalls bei allen Patienten ein signifikanter Rückgang der Anfälle verzeichnet werden.“
Sowohl die 25- als auch die 75mg-Dosis NTLA-2002 sei gut verträglich, die meisten Nebenwirkungen – wie infusionsbedingte Reaktionen – nur leicht, so die Wissenschaftler. Bislang wurden keine dosislimitierenden Toxizitäten oder andere schwerwiegende Nebenwirkungen beobachtet. „Diese frühen Daten unterstützen NTLA-2002 als potenzielle einmalige Behandlung zur Heilung der HAE-Symptome“, so Dr. Longhurst. Der zweite Teil der klinischen Entwicklung soll in der ersten Hälfte des Jahres 2023 beginnen.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung des American College of Allergy, Asthma, and Immunology. Die Originalpublikation haben wir euch hier und im Text verlinkt.
Bildquelle: Miles Burke, unsplash.