Frauen in psychosozial und materiell belasteten Lebenslagen stillen seltener und kürzer. Eine aktuelle Studie hat erstmalig nach den Beweggründen der Mütter gefragt. Die Erkenntnisse helfen, Beratungsangebote zu verbessern.
Schwangerschaft, Geburt und frühe Kindheit sind sensible Lebensphasen. Hier werden zentrale Weichen für die spätere Gesundheit gestellt. Das trifft insbesondere auch auf eine gesundheitsförderliche Ernährung zu. Für Säuglinge ist Stillen die bevorzugte Ernährungsform: Die signifikant protektiven Effekte für die Gesundheit von Mutter und Kind sind wissenschaftlich belegt. Die aktuelle Empfehlung lautet, dass Säuglinge ein halbes Jahr ausschließlich gestillt werden sollen.
Doch die aktuelle Stillquote in Deutschland ist verbesserungswürdig und weist zudem einen starken sozialen Gradienten auf: Laut KiGGS-Studie beträgt die ausschließliche Stillquote mit vier Monaten bei Müttern mit einfacher Bildung 21 % im Vergleich zu 35 % bei Müttern mit mittlerer und 50 % mit hoher Bildung. In einer qualitativen Zielgruppenanalyse wurden nun 14 Teilnehmerinnen mit niedrigem und mittlerem Sozialstatus sowie keiner und kurzer Stilldauer zu Themen wie Wissen und Einstellungen zu Säuglingsernährung, Stillen in der Öffentlichkeit, Stillverhalten und Inanspruchnahme von Vorsorgeangeboten befragt. Weiterhin wollten die Forscher wissen, wie und wo sich die Frauen informieren und welche Wünsche und Anregungen sie zu Informationsangeboten rund um das Thema Stillen haben.
Die Ergebnisse: Mütter in belasteten Lebenslagen weisen eher negativ geprägte Stillerfahrungen auf. Eine externe Stillvorbereitung hat kaum stattgefunden, reale und mediale Vorbilder und Unterstützer sind selten. Objektive Vorteile des Stillens werden vielfach als unzutreffend zurückgewiesen. Insbesondere für Frauen in belasteten Lebenslagen ist Stillen ein emotionales und sensibles Thema. Eine möglichst umfassende und individuelle Stillberatung wäre hilfreich. Und das bereits in der Schwangerschaft – so das Fazit der Forscher.
Da eine Stillintention schon sehr früh geprägt wird, sollte das Thema Stillen im gesamten Lebenslauf präsenter sein, beispielsweise durch eine verstärkte, auch mediale Präsenz öffentlich Stillender. Zudem sollte der stigmasensible Umgang mit dem Thema Stillen gefördert werden: Mütter sollen sich bei der Wahl der Ernährungsform ihres Säuglings nicht unter Druck gesetzt fühlen.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung des Netzwerks Gesund ins Leben. Hier und im Text findet ihr die Originalpublikation.
Bildquelle: Dave Clubb, unsplash.