Immer häufiger kommt es bei Kindern und Jugendlichen nach einer Diabetes-Diagnose zu einer lebensbedrohlichen Ketoazidose. Während der Corona-Pandemie verstärkte sich dieser gefährliche Trend, wie eine Studie nun zeigt.
Während der ersten zwei Jahre der Corona-Pandemie ist es bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes vermehrt zu lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisungen gekommen. Wie ein internationales Forscherteam feststellte, gab es im Zeitraum von 2020-2021 deutlich mehr Fälle von diabetischer Ketoazidose – einer Komplikation, die aufgrund von Insulinmangel auftritt und sofortiger Behandlung bedarf. Besonders gefährdet sind Kinder, bei denen die Zuckerkrankheit zunächst unentdeckt bleibt.
Die Studie verwendete Daten aus nationalen Diabetesregistern von mehr als 100.000 Kindern und Jugendlichen, bei denen zwischen Anfang 2006 und Ende 2021 Typ-1-Diabetes diagnostiziert wurde. Die Häufigkeit aufgrund dessen eine Ketoazidose zu erleiden, stieg bei Kindern bereits vor der Pandemie stetig an. Experten erwarteten bei diabetischen Kindern für den Zeitraum 2020-2021 bereits eine Häufigkeit von über 30 %. Doch der gefährliche Trend zur Stoffwechselentgleisung wurde überboten: Tatsächlich erlitten in beiden Pandemie-Jahren knapp 40 % der Kinder mit einer Diabetes-Neudiagnose eine Ketoazidose.
Die Experten sind sich sicher, dass die Pandemie zu diesem Anstieg beigetragen hat, da Erkrankungen in dieser Zeit häufig zu spät diagnostiziert wurden. Im Zusammenhang mit den verspäteten Diabetes-Diagnosen sei es dann zu den vermehrten Fällen von Insulinmangel und Ketoazidosen gekommen.
„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die COVID-19-Pandemie ideale Bedingungen für die Verschärfung bereits bestehender Probleme bei der rechtzeitigen Diagnose und Versorgung von Kindern mit neu aufgetretenem Typ-1-Diabetes geschaffen hat“, sagt Erstautor Dr. Clemens Kamrath. Der Kinderarzt und seine Kollegen fordern nun eine bessere Aufklärung in der breiten Öffentlichkeit, um das Bewusstsein für die Symptome des Typ-1-Diabetes zu schärfen.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung derJustus-Liebig-Universität Gießen. Hier findet ihr die Originalpublikation.
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