Selbsteinschätzungen der Patienten sind ein unverzichtbarer Teil jeder Behandlung – umso wichtiger also, sie systematisch zu erfassen. Wie das auch im hektischen Klinikalltag funktionieren kann, haben deutsche Forscher nun untersucht.
„Der Erhalt der Lebensqualität ist ein wichtiges Ziel in der Behandlung von Tumorerkrankungen. Lebensqualität ist die persönliche und individuell unterschiedliche Wahrnehmung des gesundheitlichen Befindens während und nach einer Krebsbehandlung“, erklärt Dr. Heike Schmidt, Studienleiterin und Leiterin der AG Lebensqualität. Selbsteinschätzungen von Patienten seien daher eine wichtige Ergänzung zu medizinischen Befunden.
„Mehrere Studien haben gezeigt, dass durch die elektronische Erfassung von Symptomen, vor allem im ambulanten Bereich, schwerwiegende Therapienebenwirkungen früher erkannt und Komplikationen vermieden werden können“, so Prof. Dirk Vordermark, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Strahlentherapie. Durch die elektronische Erfassung der Lebensqualität ließen sich demnach sogar die Überlebensaussichten verbessern.
Ein Team der Universitätsklinik und Poliklinik für Strahlentherapie und des Institutes für Gesundheits- und Pflegewissenschaften hat nun erste Ergebnisse mit der elektronischen Erfassung der Lebensqualität während der stationären Behandlung in der Klinik für Strahlentherapie veröffentlicht. „Mittels Tablet-PCs oder schwenkbarem Bildschirm am Krankenbett konnten Patienten systematisch und regelmäßig Angaben zu Aspekten ihrer Lebensqualität machen. Dabei standen vor allem diagnose- und therapiebezogene Symptome im Vordergrund“, so Schmidt.
Die Angaben wurden automatisch in die elektronische Dokumentation eingespeist, leicht verständlich und übersichtlich grafisch aufbereitet und den Behandlungsteams als Grundlage für Visitengespräche bereitgestellt. „Die von den Patienten eingegebenen Daten ermöglichen den Behandlungsteams, im Gespräch gezielter auf Probleme einzugehen und bedarfsgerechte Unterstützungsmaßnahmen zu planen“, fasst Schmidt zusammen.
Insgesamt wurde die elektronische Erfassung der Lebensqualität fast 2.400-mal, häufig mehrfach, von Tumorpatienten ausgefüllt: Es zeigte sich, dass im Vergleich zur Routinedokumentation mehr Symptome identifiziert wurden und Patienten, die den Fragebogen ausgefüllt haben, mehr Maßnahmen zu deren Behandlung erhalten haben.
Die Auswertung von knapp 1.600 protokollierten Kontakten zeigte zudem eine gute Akzeptanz bei den Patienten und einen vertretbaren zeitlichen Aufwand beim erklären und unterstützen. „In unserer Klinik für Strahlentherapie ist das System bereits fest implementiert. Zukünftig ist die Einführung in anderen Kliniken der Universitätsmedizin Halle angedacht, beispielsweise im Krukenberg-Krebszentrum Halle. Deshalb arbeiten wir derzeit daran, die Umsetzung im Klinikalltag so niedrigschwellig wie möglich zu gestalten“, so Vordermark.
Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Universitätsmedizin Halle (Saale). Die Originalpublikation haben wir euch hier und im Text verlinkt.
Bildquelle: Towfiqu barbhuiya, unsplash.