Auf dem diesjährigen europäischen Krebskongress wurde eine Vielzahl aktueller Studien präsentiert. Die spannendsten Ergebnisse findet ihr hier im Schnelldurchlauf.
Die SWOG S1801 ist eine randomisierte Phase II-Studie, die den Checkpointinhibitor Pembrolizumab neben der üblichen adjuvanten nun auch zusätzlich in der neoadjuvanten Behandlung des malignen Melanoms in den Stadien III-IV untersuchte. Die Patienten wurden 1:1 randomisiert und erhielten entweder nach initialer Resektion 18 Gaben Pembrolizumab oder aber neoadjuvant 3 und postoperativ 15 Gaben des Antikörpers.
Letztlich ergab sich unter der neoadjuvanten Therapie sowohl ein signifikant verbessertes event-freies Überleben (p = 0,0015; HR 0,59) als auch ein verbessertes Gesamt-Überleben (p = 0,091; HR 0,63). Die neoadjuvante Therapie führte zudem in 21% der Fälle zu einer pathologischen, kompletten Remission, was diese zu einer sinnvollen, künftigen Therapieoption macht.
Die Phase III-IPSOS-Studie untersuchte den PD-L1-Inhibitor Atezolizumab in der Erstlinientherapie des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) bei Patienten, die auf Grund von fortgeschrittenem Alter (>70 Jahre) oder einem schlechten Performance-Status (ECOG ≥2) nicht für eine platinhaltige Chemotherapie in Frage kamen. Die Patienten wurden 2:1 zu einer Therapie mit entweder Atezolizumab oder einer Mono-Chemotherapie mit Vinorelbin oder Gemcitabin randomisiert. Das mediane Alter der Patienten lag in dieser Studie bei 75 (33 – 94) Jahren, 83% hatten einen ECOG ≥2.
Die Behandlung mit Atezolizumab führte zu einer signifikanten Verbesserung des Gesamtüberlebens (OS; 10,3 vs. 9,2 Monate, HR 0,78, p = 0,028) bei gleichzeitig besserem Nebenwirkungsprofil (Grad 3/4 Nebenwirkungen: 16,3% vs. 33,3%). Die Rate jener Patienten, die nach zwei Jahren noch am Leben waren, ist unter der Immuntherapie sogar quasi verdoppelt (24,3% vs. 12,4%). Somit stellt die Immuntherapie mit Atezolizumab in diesem Kollektiv gebrechlicher Patienten eine gute Alternative dar.
Der orale Tyrosinkinase-Inhibitor Fruquintinib hatte basierend auf der ersten FRESCO-Studie (2018) bereits eine Zulassung für die Behandlung des therapierefraktären metastasierten kolorektalen Karzinoms in China erhalten. Die FRESCO-2-Studie untersuchte nun in einem größeren Kollektiv dieselbe Therapie auch in Europa, den USA, Japan und Australien. Es handelte sich hierbei um eine randomisierte, placebo-kontrollierte, doppelt verblindete Phase-III-Studie, welche Fruquintinib vs. Placebo (+ jeweils best supportive care) ab der dritten Therapielinie testete.
Die eingeschlossenen Patienten mussten bereits mindestens eine Chemotherapie, eine anti-VEGF-Therapie, ggf. weitere zielgerichtete Therapien je nach Mutationsstatus, sowie Trifluridin/Tipiracil und/oder Regorafenib erhalten haben. In diesem somit deutlich vorbehandelten Kollektiv konnte Fruquintinib eine signifikante Verbesserung nicht nur des OS (7,4 vs. 4,8 Monate, HR 0,66, p < 0,001), sondern auch des progressionsfreien Überlebens (PFS; 3,7 vs. 1,8 Monate, HR 0,32, p < 0,001) bei gleichzeitig guter Verträglichkeit demonstrieren.
Die randomisierte, doppelt verblindete Phase III-Studie KEYNOTE-142 untersuchte den PD-1-Inhibitor Pembrolizumab vs. Placebo, jeweils in Kombination mit Strahlenchemotherapie, in der Behandlung lokal fortgeschrittener Kopf-Hals-Tumoren. Die 804 eingeschlossenen und 1:1 randomisierten Patienten erhielten je eine Gabe von Pembrolizumab/Placebo vor Beginn der Strahlenchemotherapie mit Cisplatin, zwei währenddessen und anschließend 14 weitere Gaben als Erhaltungstherapie.
Der primäre Endpunkt dieser Studie war das ereignisfreie Überleben (EFS). Hinsichtlich dessen zeigte die KEYNOTE-142 eine Tendenz zu einer Verbesserung des EFS (HR 0,83, p = 0.0429), allerdings erreichte sie leider nicht das zuvor festgelegte statistische Signifikanzniveau, sodass die Studie formal negativ ist. Ob es sich hierbei nur um eine statistische Schwäche handelt und die Checkpointinhibition über kurz oder lang doch den Weg in die Therapie der lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumore findet, werden weitere Analysen und Studien zeigen müssen. Neue Sicherheitsbedenken bzgl. der Therapie mit Pembrolizumab ergaben sich nicht.
Quelle: https://www.esmo.org/
Bildquelle: Gabriel Gusmao, unsplash