Bakteriophagen gelten als große Hoffnung im Kampf gegen antibiotikaresistente Bakterien. Ein Forschungsteam hat nun eine neue Methode entwickelt, mit der sich die Viren effizient und risikolos gewinnen lassen.
Immer mehr Bakterien sind resistent gegen Antibiotika. Eine Alternative zur Bekämpfung der Bakterien sind sogenannte Bakteriophagen. Dabei handelt es sich um Viren, die sehr spezifisch bestimmte Bakterien befallen und ihre DNA in diese einschleusen, um sich zu vermehren. Am Ende töten sie die Zelle ab und treten aus, dadurch wirken Bakteriophagen wie ein spezifisches Antibiotikum.
„In den Bakteriophagen steckt ein enormes Potenzial für eine sehr wirksame, personalisierte Therapie von bakteriellen Infektionskrankheiten“, betont Neurobiologe Prof. Gil Westmeyer. „Bisher war es jedoch nicht möglich, die Bakteriophagen gezielt, reproduzierbar, sicher und effizient herzustellen – genau dies sind aber die entscheidenden Kriterien für eine erfolgreiche Produktion von Pharmazeutika.“ Westmeyer und sein Team entwickelten daher ein neues Verfahren, mit dem sich kontrolliert Bakteriophagen für therapeutische Zwecke herstellen lassen.
Mithilfe einer speziellen Nährlösung, die aus einem E. coli-Extrakt besteht und keine lebensfähigen Zellen enthält, zeigten die Forscher, dass sich gezielt Bakteriophagen herstellen lassen: Alles was man dafür braucht, ist die DNA der gewünschten Viren, die sich zusammen mit der Nährlösung – die die molekularen Bausteine und Enzyme des E. coli-Bakteriums enthält – zu Bakteriophagen zusammenfügen.
„Die Herstellung ist nicht nur schnell und effizient, sondern auch sehr sauber“, so Westmeyer. Bisher wurden zur Bakteriophagen-Gewinnung Zellkulturen mit potenziell infektiösen Bakterienstämmen verwendet. „Eine Kontaminationen durch bakterielle Toxine oder andere Bakteriophagen, die in Zellkulturen möglich waren, sind in diesem Verfahren ausgeschlossen“, so der Wissenschaftler weiter. Das Forscherteam stellte die Technik unter Beweis, indem sie einen Patienten, der an einer antibiotikaresistenten Hautinfektion litt, erfolgreich mit den selbst hergestellten Bakteriophagen behandelten.
„Unsere Untersuchungen zeigen, dass es möglich ist, zellfrei wirksame Bakteriophagen für eine personalisierte Medizin herzustellen, mit der sich auch Infektionen mit multiresistenten Keimen therapieren lassen“, so Westmeyer. Ideal sei die Technik in Verbindung mit einem genetischen Archiv, in dem in Zukunft die DNA relevanter Bakteriophagen gespeichert werden könne. Im Bedarfsfall könne man mit Hilfe dieses Archivs in der Nährlösung schnell vollständige Bakteriophagen herstellen.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung der Technischen Universität München. Hier gehts zur Originalpublikation.Bildquelle: hobijist3d, unsplash.