Die WHO ist zuversichtlich: Die Zahl der Affenpocken-Infektionen geht weltweit zurück. Wir haben bei einer Kölner Infektiologin nachgefragt, ob sich der Trend auch in ihrer Praxis zeigt.
In Deutschland wurden dem RKI seit Anfang Mai insgesamt 3.493 Fälle von Affenpocken-infektionen übermittelt (Stand 2.9.22). Dabei ist die Zahl der Fälle seit einigen Wochen leicht rückläufig – so wie auch in anderen Ländern Europas. Hans Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, stimmt das zuversichtlich: „Wir glauben, dass wir die anhaltende Übertragung der Affenpocken von Mensch zu Mensch in der Region eliminieren können“, erklärt er in einem Pressbriefing. „Um die Eliminierung in unserer Region voranzutreiben, müssen wir unsere Anstrengungen dringend verstärken.“
Die rückläufigen Zahlen beobachtet auch die Kölner Infektiologin Nazifa Qurishi: „Ich kann die WHO-Daten bestätigen, auch bei uns in der Praxis nimmt die Zahl der Infizierten ab.“ Noch bis vor 3 Wochen hätte sie 3 bis 4 Affenpocken-Fälle in ihrer Praxis gehabt, aktuelle sehe sie maximal einen Fall pro Woche – wenn überhaupt.
Als Gründe für die rückläufigen Zahlen nennt Catherine Smallwood, Leiterin der Abteilung Affenpocken des WHO-Regionalbüros für Europa, zum Einen die schnellere Diagnose von Infizierten. Es gebe aber auch Anzeichen für Verhaltensänderungen in den Risikogruppen – vor allem bei Männern, die Sex mit Männern haben –, weil sie inzwischen gut über die Erkrankung Bescheid wissen.
Auch das kann Dr. Qurishi bestätigen: „Die Patienten sind zum Teil gut aufgeklärt.“ Auch die Nachfrage nach dem Impfstoff sei groß: „Wir impfen täglich bei Anfrage und soweit der Vorrat reicht.“ Aktuell würden alle Kandidaten nur einmal geimpft, weil dadurch bereits ein ausreichender Schutz entwickelt wird. Geplant sei jedoch im Verlauf eine 2. Impfung für die lebenslange Immunisierung durchzuführen, sobald mehr Impfstoff zur Verfügung steht.
Wie das RKI schreibt, ergebe sich der Gesamttrend der rückläufigen Zahlen aus einzelnen lokalen Trends, die durchaus noch unterschiedlich verlaufen. „Daher muss abgewartet werden, ob sich der Rückgang der Fallzahlen weiter fortsetzt“, heißt es auf der Website des RKI.
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