Lange Aktivitäten im Sitzen sind nicht gut für die Gesundheit, das ist bekannt. Sitzen ist aber nicht gleich Sitzen: Was genau man in der Zeit tut und wie sehr man dabei sein Hirn fordert, beeinflusst womöglich das Risiko einer Demenz.
Erwachsene im Alter von 60 Jahren und älter, die lange sitzen und dabei fernsehen oder andere passive Tätigkeiten ausüben, haben möglicherweise ein erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken, so eine aktuelle Studie in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences. Die Studie zeigte auch: Bei denjenigen, die im Sitzen aktiv sind (z. B. wenn sie lesen oder Computer benutzen), ist das Risiko geringer. Der Zusammenhang zwischen sitzender Tätigkeit und Demenzrisiko blieb dabei selbst bei Teilnehmern, die körperlich aktiv waren, bestehen.
„Es ist nicht die Zeit, die im Sitzen verbracht wird, sondern die Art der sitzenden Tätigkeit während der Freizeit, die das Demenzrisiko beeinflusst“, sagte Studienautor David Raichlen, Professor für Biowissenschaften und Anthropologie an der University of California. „Aus früheren Studien wissen wir, dass Fernsehen im Vergleich zur Arbeit am Computer oder zum Lesen mit einem geringen Maß an Muskelaktivität und Energieverbrauch verbunden ist“, so Raichlen. „Und während die Forschung gezeigt hat, dass langes, ununterbrochenes Sitzen mit einer verminderten Durchblutung des Gehirns einhergeht, kann die relativ größere intellektuelle Stimulation, die bei der Computernutzung auftritt, den negativen Auswirkungen des Sitzens entgegenwirken.“
Anhand von Daten aus der britischen Biobank untersuchten die Forscher mögliche Zusammenhänge zwischen sitzender Freizeitaktivität und Demenz bei älteren Erwachsenen. Dazu gaben mehr als 145.000 Teilnehmer per Fragebogen selbst Auskunft über das Ausmaß ihrer sitzenden Tätigkeiten während des Untersuchungszeitraums von 2006 bis 2010. Bei den Teilnehmern handelte es sich um Personen im Alter von 60 Jahren und älter, bei denen zu Beginn des Projekts noch keine Demenz diagnostiziert worden war.
Nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von fast 12 Jahren ermittelten die Forscher anhand stationärer Krankenhausunterlagen die Demenzdiagnosen. Sie fanden 3.507 positive Fälle. In der Auswertung wurden bestimmte demografische Merkmale (z. B. Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Art der Beschäftigung) und Merkmale des Lebensstils (z. B. Bewegung, Rauchen und Alkoholkonsum, Schlaf und soziale Kontakte) berücksichtigt, die die Gesundheit des Gehirns beeinflussen könnten.
Die Ergebnisse blieben erstaunlicherweise auch dann unverändert, wenn die Wissenschaftler das Niveau der körperlichen Aktivität berücksichtigten. Selbst bei Personen, die körperlich sehr aktiv waren, war die Zeit, die sie vor dem Fernseher verbrachten, mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden. Freizeit, die am Computer verbracht wurde, war dagegen mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden.
„Obwohl wir wissen, dass körperliche Aktivität gut für die Gesundheit unseres Gehirns ist, denken viele von uns, dass wir den negativen Auswirkungen des Sitzens entgegenwirken können, wenn wir uns einfach tagsüber mehr bewegen“, sagte Studienautor Gene Alexander, Professor für Psychologie an der Universität von Arizona. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Auswirkungen des Sitzens in der Freizeit auf das Gehirn unabhängig davon sind, wie aktiv wir uns körperlich betätigen und dass eine stärkere geistige Betätigung, z. B. bei der Computernutzung, ein wichtiger Weg sein könnte, um dem erhöhten Demenzrisiko entgegenzuwirken, das mit passiven sitzenden Tätigkeiten wie dem Fernsehen verbunden ist“, so Alexander.
Das Wissen darüber, wie sich sitzende Tätigkeiten auf die menschliche Gesundheit auswirken, könnte zu einigen Verbesserungen führen. „Was wir tun, während wir sitzen, ist wichtig“, fügte Raichlen hinzu. „Dieses Wissen ist entscheidend, wenn es darum geht, gezielte Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu entwickeln, die darauf abzielen, das Risiko neurodegenerativer Erkrankungen durch sitzende Tätigkeiten durch eine positive Verhaltensänderung zu verringern.“
Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der University of Southern California. Die Originalpublikation haben wir euch hier und im Text verlinkt.
Bildquelle: Stephen Monterroso, unsplash.