Viele Brustkrebspatientinnen berichten über eine beeinträchtigte sexuelle Gesundheit während und nach der Krebsbehandlung. Sie wünschen sich laut einer Studie vor allem eins: bessere Aufklärung durch Ärzte.
„Mehr als 3,8 Millionen Brustkrebspatientinnen leben mit dauerhaften oder vorübergehenden physischen und psychischen Folgen der Behandlung, die sich auf ihre sexuelle Gesundheit auswirken. Es gibt jedoch nur wenige Daten, die den Leistungserbringern Hinweise auf das bevorzugte Format und den Zeitpunkt der Aufklärung über die sexuelle Gesundheit geben“, sagte Sarah Tevis, MD, Assistenzprofessorin für chirurgische Onkologie an der University of Colorado School of Medicine auf dem CU Anschutz Medical Campus.
In der Studie, die in den Annals of Surgical Oncology erschienen ist, wird erwähnt, dass die meisten Onkologenteams viele der möglichen Auswirkungen der Brustkrebsbehandlung auf die sexuelle Gesundheit nicht mit den Patientinnen besprechen. „Die Patientinnen, mit denen wir in Fokusgruppen sprachen, berichteten alle von sexuellen Nebenwirkungen, auf die sie während der Behandlung nicht vorbereitet waren. Alle haben jedoch den Wunsch geäußert, dass diese Auswirkungen bereits in einem frühen Stadium der Diagnose angesprochen werden, und wünschen sich eine Beratung durch das medizinische Team“, so Tevis, Mitglied des CU Cancer Center.
Die Studie ergab, dass Fruchtbarkeits- und Wechseljahrsprobleme zwar in der Regel von den Ärzten angesprochen werden, allgemeine Probleme wie Scheidentrockenheit, Libidoverlust, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Probleme mit dem Körperbild jedoch nur selten diskutiert werden. Dies liegt entweder an der begrenzten Zeit, die zur Verfügung steht, am Unbehagen gegenüber dem Thema oder an der mangelnden Ausbildung in der Diagnose und Behandlung von sexuellen Problemen.
„Eine der Patientinnen, mit denen ich sprach, erzählte mir, dass sie jedes Mal blutete, wenn sie auf die Toilette ging, weil sie vaginale Trockenheit hatte“, so Tevis. „Sie hat ihren Arzt nie darauf angesprochen, weil sie davon ausging, dass man da nichts machen kann. Wir müssen diese Probleme von Anfang an besprechen, damit sich die Patientinnen wohler fühlen, wenn sie mit ihrem Behandlungsteam sprechen, und damit die Patientinnen wissen, welche Strategien zur Linderung der Beschwerden sie anwenden können.
Die Studie zeigte auch, dass es bei der Bewältigung dieser Probleme kein Universalrezept gibt. Von den 87 Patientinnen, die an der Studie teilnahmen, hatte jede ihre eigene Präferenz, wie sie mit solch sensiblen Informationen konfrontiert werden wollten.
„Wir fanden heraus, dass jüngere Patientinnen persönliche Gespräche mit ihrem Team bevorzugten, während ältere Patientinnen eher schriftliche Unterlagen einsehen wollten“, so Tevis. „Kulturelle Hintergründe und Überzeugungen hatten ebenfalls einen Einfluss darauf, wie die Patienten das Thema ansprechen wollten. Das bedeutet, dass Ärzte bei der Informationsvermittlung an jeden Einzelnen denken müssen.“
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung des University of Colorado Anschutz Medical Campus. Die Originalpublikation haben wir euch hier und im Text verlinkt.
Bildquelle: JEFERSON GOMES, unsplash