Um 6.32 Uhr dringen mehrere schwerbewaffnete Beamte des Bundeskriminalamts in ein Wohnhaus in Bad Godesberg ein. "Ich bin Offizier der Nationalen Volksarmee der DDR und Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit”, soll der Bewohner gesagt haben. “Ich bitte, meine Offiziersehre zu respektieren." Es war Günter Guillaume, die zentrale Figur eines der spektakulärsten Spionagefälle der Bundesrepublik.
1956 kommen Guillaume und seine Frau Christel getarnt als Flüchtlinge von der DDR nach Westdeutschland. Tatsächlich arbeiteten beide schon damals für die Stasi. Guillaume tritt in die SPD ein und macht in den folgenden Jahren Parteikarriere. So schafft er es 1972 bis zum persönlichen Referenten des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt, wo er als enger Wegbegleiter Zugriff auf pikante politische und private Informationen hatte. Diese Position hatte er bis zu seiner Festnahme am 24. April 1974 inne – und das, obwohl es schon weitaus früher Hinweise auf sein Doppelleben gab. Ein Skandal, der den Kanzler schließlich sein Amt kosten sollte.
Die “Feinde” und verdeckten Agenten in unserem Körper sehen anders aus. Es sind Krankheitserreger – Viren, Bakterien, Parasiten. In manchen Fällen – wie bei Krebs – sind es aber auch unsere eigenen Zellen, die verheerenden Schaden anrichten können, wenn sie zu lange unentdeckt bleiben. Der Abwehr unseres Körpers, unserem Immunsystem, stehen dazu mehrere Mechanismen zur Verfügung, Krebszellen von gesunden Zellen zu unterscheiden. Die meisten Krebszellen erkennt das Immunsystem über die auf der Oberfläche der Tumorzelle vom MHC-Komplex präsentierten tumorassoziierten Antigene (TAAs). Sie führen durch Bindung an den T-Zell-Rezeptor (TCR) zu einer T-Zell-Aktivierung und damit zu einer Immunreaktion gegen die Tumorzellen. Auf der anderen Seite führt die Expression von Checkpoint-Liganden wie PD-L1 (“programmed cell death ligand 1”) auf den meisten Körperzellen zu einer Inhibition der T-Zell-Aktivierung durch Bindung an den Checkpoint-Rezeptor PD-1 (“programmed cell death protein 1”) oder B7.1.1 Somit wird eine Immunantwort gegen körpereigene Zellen unterdrückt. Die Expression von PD-L1 ist jedoch auch bei vielen Tumorzellen in unterschiedlichem Maße zu finden. In der Folge wird die Immunantwort gegen den Tumor gebremst.1 So könnte man die Rezeptor-Liganden-Interaktionen zwischen Tumorzellen und T-Zellen als eine Art Passkontrolle betrachten, bei der es dem Krebs gelingt, mit gefälschten Papieren zu passieren und so verheerenden Schaden anzurichten.
Ein erster Verdacht, der zur Enttarnung Günter Guillaumes führte, war eine Grußbotschaft aus Ost-Berlin aus den fünfziger Jahren, die ihm jedoch erst 1973 zugeordnet werden konnte: In der Nachricht wurde Guillaume zur Geburt seines Sohnes gratuliert. Da man noch auf einen endgültigen Beweis hoffte, verblieb Guillaume noch fast ein Jahr in seinem Amt. Der Beweis blieb zwar aus, durch sein Bekenntnis bei der Festnahme war jedoch auch der letzte Zweifel ausgeräumt. Damals wie heute sind geheime Botschaften, wie die an Günter Guillaume, verschlüsselt. Um sie zu empfangen und zu verstehen braucht es bestimmte Technologien oder Hilfsmittel wie Abhöranlagen oder Chiffriermaschinen – und Unternehmen, die diese Innovationen entwickeln.
Auch unser Immunsystem können wir dabei unterstützen, gegen die “getarnten” Krebszellen wieder aktiv zu werden. Wie das funktionieren kann, zeigt der Blick auf die Krebsimmuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren. Dabei handelt es sich um monoklonale Antikörper, die die Modulation der T-Zell-Antwort durch Tumorzellen unterbinden können. Sie richten sich unter anderem gegen PD-1, PD-L1 oder auch CTLA-4, ein Oberflächenprotein auf T-Zellen, welches ebenfalls an der Immunmodulation beteiligt ist.2,3
Checkpoint-Inhibitoren, z. B. PD-L1-Inhibitoren, können durch mehrere Mechanismen die antitumorale Immunantwort reaktivieren. Durch eine spezifische Bindung an PD-L1 blockiert diese den PD-1- und B7.1-abhängigen Signalweg in den T-Zellen. Die Immunantwort gegen den Tumor kann so reaktiviert werden. Die Wirkung ist jedoch nicht auf den Tumor beschränkt, sondern zeigt sich auch in den Lymphknoten. Dort führt es durch Bindung an PD-L1 auf den zytotoxischen T-Zellen zu deren (Re-)Aktivierung. Das Immunsystem wird so wieder in die Lage versetzt, die Krebszellen zu erkennen und darauf zu reagieren.
Durch die Krebsimmuntherapie konnten in den letzten Jahren bereits beeindruckende Erfolge erzielt werden. In vielen Indikationen hat diese die Onkologie geradezu revolutioniert. Das honorierte 2018 sogar die Nobelversammlung und verlieh den Nobelpreis für Medizin an den US-amerikanischen Wissenschaftler James Allison und den japanischen Forscher Tasuku Honjo für ihre Entdeckung der Checkpoint-Inhibitoren CTLA-4 und PD-1.4 Checkpoint-Inhibitoren kommen in der Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) zum Einsatz. Dort ermöglichen sie auch Patient:innen mit fortgeschrittenem metastasiertem NSCLC neue Behandlungsoptionen. Die Therapieentscheidung beim NSCLC richtet sich heute vor allem nach den molekularen Eigenschaften des Tumors. Um im Bild zu bleiben: Abhängig von dessen Eigenschaft wählt man im Kampf gegen einen feindlichen Agenten auch nicht immer das gleiche Werkzeug. Beim NSCLC unterscheiden sich zum Beispiel individuell die Expressionslevel von PD-L1 auf den Tumorzellen. Andere Mutationen können hingegen eine bestimmte Therapie erschweren oder wieder andere erfolgversprechender machen.
Im zweiten Teil unserer Geschichte legen wir unser Augenmerk auf Patient:innen ohne hohe PD-L1-Expression auf den Tumorzellen (IC3) sowie auf Patient:innen, mit fehlender Expression von Thyroid Transcription Factor-1 (TTF-1), die nicht auf eine Behandlung mit einem Zytostatikum ansprechen und für die daher andere Therapieoptionen erwogen werden müssen.
Wie wir diesen ganz speziellen Agenten dennoch etwas entgegensetzen können, erfahren Sie demnächst auf diesem Kanal in unserem zweiten Teil der Geschichte.
Sie sind jetzt schon neugierig? Weitere Infos zur Wirkweise der PD-L1-Hemmung finden Sie hier.
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