Normalgewichtige Patienten mit einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung sollten besonders gut betreut werden. Denn offenbar ist ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen höher als das von übergewichtigen und adipösen Patienten.
Menschen mit einem normalen Body-Mass-Index (BMI), die an einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD) leiden, haben ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als übergewichtige oder fettleibige Menschen. Dies geht aus einer Studie hervor, die auf der diesjährigen Digestive Disease Week vorgestellt wird. Obwohl schlanke Patienten seltener an Leberzirrhose, Diabetes, hohem Cholesterinspiegel oder Bluthochdruck litten, wurde dieser Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt.
„Unser Team hatte erwartet, dass Menschen mit einem normalen BMI seltener an Stoffwechsel- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden würden. Daher waren wir sehr überrascht, diesen Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu finden“, so Dr. Karn Wijarnpreecha, leitender Forscher der Studie und Transplantationshepatologe an der Universität von Michigan. „Allzu oft übersehen wir NAFLD-Patienten mit einem normalen BMI, weil wir davon ausgehen, dass ihr Risiko für schwerwiegendere Erkrankungen geringer ist als das der Übergewichtigen. Aber diese Denkweise kann diese Patienten gefährden.“
Das Hauptmerkmal der NAFLD ist, dass zu viel Fett in den Leberzellen gespeichert ist. Sie verläuft in der Regel ohne Symptome und kann zu anderen gefährlichen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Leberzirrhose führen. Die NAFLD tritt zwar häufiger bei Menschen auf, die übergewichtig oder fettleibig sind, aber auch bei Menschen mit einem normalen BMI. Dennoch gibt es wenig bis gar keine Forschung zu den Begleiterkrankungen dieser Bevölkerungsgruppe.
Die Wissenschaftler führten eine retrospektive Kohortenstudie mit mehr als 10.000 Erwachsenen durch, bei denen zwischen 2012 und 2021 am University of Michigan Hospital eine NAFLD diagnostiziert wurde. Darin verglichen sie die Prävalenz von Zirrhose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen und chronischen Nierenerkrankungen in vier Klassen von Patienten: schlank (BMI = 18,5 bis 24,9), übergewichtig (BMI = 25–29,9), fettleibig der Klasse 1 (BMI = 30–34,9) und fettleibig der Klasse 2–3 (BMI = 35 < 40).
Sie fanden heraus, dass schlanke Patienten im Vergleich zu nicht schlanken Patienten eine geringere Prävalenz von Zirrhose, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Dyslipidämie aufwiesen, dafür aber eine höhere Prävalenz von peripheren Gefäßerkrankungen, zerebrovaskulären Erkrankungen und jeglichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
„In einer weiteren Analyse stellten wir fest, dass schlanke Patienten mit NAFLD auch eine signifikant höhere Prävalenz von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufwiesen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Ethnie, Raucherstatus, Diabetes, Bluthochdruck und Dyslipidämie“, so Wijarnpreecha. Die Forscher planen weitere Studien, in denen die Patienten langfristig beobachtet werden, um festzustellen, ob schlanke Patienten ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Folge der NAFLD haben.
Angesichts der unbekannten Gründe für die höhere Prävalenz von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei schlanken NAFLD-Patienten sollten Ärzte darauf achten, diese Gruppe nicht zu übersehen. Denn sie könnten mit ähnlichen schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen zu kämpfen haben wie übergewichtige oder adipöse Patienten.
Dieser Artikel basiert auf einer Pressemitteilung der American Gastroenterological Association.
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