Mütter, die mindestens einmal in ihrem Leben gestillt haben, haben im Vergleich zu Müttern ohne Still-Erfahrung ein verringertes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Das zeigt eine neue Metaanalyse.
Laut Angaben der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft erleiden in Deutschland jedes Jahr ca. 270.000 Personen einen Schlaganfall. Frauen sind dabei ein wenig überrepräsentiert: Sie machen 55 % der Fälle aus. Das kann daran liegen, dass – zusätzlich zu geschlechtsunabhängigen Risikofaktoren wie Diabetes und Rauchen – hormonelle Verhütungsmethoden oder Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie für Frauen das Risiko zusätzlich erhöhen.
Umso erfreulicher daher ein neuer Artikel im Journal of the American Heart Association: Die Metaanalyse kommt zu dem Schluss, dass Stillen das Risiko für Schlaganfälle und auch andere kardiovaskuläre Erkrankungen verringern kann.
Die Metaanalyse umfasst insgesamt 8 Einzelstudien mit zusammengerechnet 1.192.700 Probandinnen, die alle mindestens ein Kind bekommen hatten. Das mittlere Alter bei Studienbeginn betrug 51,3 Jahre; das mittlere Alter bei der Geburt 24,6 Jahre. 82 % dieser Frauen hatten ihr Kind für durchschnittlich 15,6 Monate gestillt.
Aus den zusammengefassten Daten der einzelnen Studien ließ sich das Rsisko für kardiovaskuläre Erkrankungen auch quantifizieren: Das allgemeine Risiko für Mütter, die mindestens einmal gestillt hatten, eine Herz-Kreislauf-Krankheit zu entwickeln, war um 11 % reduziert (HR: 0,89; 95 % KI: 0,83–0,95) im Vergleich zu denen, die kein einziges Mal gestillt hatten. Für den Schlaganfall im Speziellen betrug die Risikoreduktion 12 % (HR: 0,88; 95 % KI: 0,79–0,99); für die Entwicklung einer koronaren Herzkrankheit 14 % (HR: 0,86; 95 % KI: 0,78–0,95).
Für die Risikoreduktion spielte es keine Rolle, wie viele Kinder die Probandinnen bekommen hatten, oder wie alt sie bei der Geburt waren; jedoch zeigte sich der Effekt deutlicher, wenn die Frauen 12 Monate oder länger gestillt hatten. Die Autoren der Analyse bemängeln insgesamt allerdings eine große Heterogenität in der Studienlage, sodass die Qualität der Beweislage eher als moderat zu bewerten ist.
Die Studie demonstriert also, dass das Stillen nicht nur dem Kind zugutekommt, sondern auch die Gesundheit der Mutter davon profitiert. Als mögliche Gründe für den Zusammenhang nennen die Autoren positive hormonelle Einflüsse auf das Gefäßsystem – beispielsweise durch die Ausschüttung von Oxytocin –, aber auch eine schnellere Gewichtsabnahme nach der Schwangerschaft und die Möglichkeit eines Resets des mütterlichen Stoffwechsels.
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