Speichel als Beziehungsindikator, smarte Wundnähte und Frösche mit nachwachsenden Beinen – zum Wochenende haben wir für euch wieder drei nerdige Studien.
Die Fähigkeit, sich in sozialen Beziehungen zurechtzufinden, müssen Babys und Kleinkinder erst lernen. Aber wie finden sie heraus, wie stark die Beziehung zwischen zwei Menschen ist? Offenbar hilft ihnen ein ganz besonderes Signal dabei: Ob diese beiden Menschen sich küssen, ihr Essen teilen oder auf andere Art und Weise Speichel austauschen. Das zeigten Neurowissenschaftler vom MIT in einer neuen Studie, die in Science erschienen ist.
Die Forscher beobachteten Kleinkinder und Babys bei der Interaktion zwischen menschlichen Schauspielern und Puppen. Dabei teilte eine Puppe eine Orange mit einem Schauspieler und warf dann einen Ball mit einem anderen Schauspieler hin und her. Nachdem die Kinder diese ersten Interaktionen beobachtet hatten, analysierten die Forscher die Reaktionen der Kinder, wenn die Puppe zwischen den beiden Schauspielern saß und sich scheinbar bedrückt fühlte.
Die Forscher wollten nun herausfinden, ob die Kinder bereits erkennen können, wie eng die Beziehung zwischen den Schauspielern und der Puppe ist und vom wem sie eher Hilfe erwarten – denn je enger die Beziehung zwischen Menschen ist, desto eher sollten sie einander helfen. Die Forscher stellten die Hypothese auf, dass Babys zuerst zu der Person schauen würden, von der sie erwarten, dass sie ihnen hilft. Als die Puppe in Not war, blickten die Kinder eher zu dem Schauspieler, der das Essen mit der Puppe geteilt hatte, als zu dem, der ein Spielzeug geteilt hatte.
In einer zweiten Reihe von Experimenten, die sich speziell auf den Speichel konzentrierten, steckte eine Darstellerin entweder ihren Finger in den Mund und dann in den Mund der Puppe oder sie legte ihren Finger auf ihre Stirn und dann auf die Stirn der Puppe. Später, als die Schauspielerin ihre Verzweiflung ausdrückte, während sie zwischen den beiden Puppen stand, schauten die Kinder eher zu der Puppe, mit der sie Speichel geteilt hatte.
Selbst für Babys scheint es also offensichtlich, dass Menschen, die sich beim Essen einen gemeinsamen Löffel teilen oder sich auf den Mund küssen, in der Regel eine besonders enge Beziehung zueinander haben.
Hier findet ihr mehr Infos. Zur Studie geht's hier entlang.
Die Überwachung chirurgischer Wunden nach einer Operation ist ein wichtiger Schritt, um Infektionen und andere Komplikationen zu verhindern. Liegt die Operationsstelle jedoch tief im Körper, beschränkt sich die Überwachung normalerweise auf klinische Beobachtungen oder kostspielige radiologische Untersuchungen. Diese erkennen Komplikationen oft nicht, bevor sie lebensbedrohlich werden. Helfen könnten intelligente Nähte: Sie enthalten einen kleinen elektronischen Sensor, der die Unversehrtheit der Wunde und die Mikrobewegungen des Gewebes überwachen kann.
Die Erfindung besteht aus drei Hauptkomponenten: einer medizinischen Seidennaht, die mit einem leitfähigen Polymer beschichtet ist, einem batterielosen elektronischen Sensor und einem drahtlosen Lesegerät, mit dem die Naht von außerhalb des Körpers bedient werden kann.
Ein Vorteil dieser intelligenten Nähte besteht darin, dass ihre Verwendung nur eine minimale Änderung des chirurgischen Standardverfahrens erfordert. Beim Nähen der Wunde wird der isolierende Teil des Nahtmaterials durch das elektronische Modul geführt und durch Auftragen von medizinischem Silikon auf die elektrischen Kontakte gesichert. In ersten Experiment zeigte sich, dass die intelligente Naht die Wundheilung im Vergleich zu herkömmlichen Nähten nicht beeinträchtigt – aber dafür dem Arzt mehr Informationen liefern kann.
Die Studie findet ihr hier.
Ein Medikamenten-Cocktail ermöglicht es Afrikanischen Krallenfröschen, ihre amputierten Hinterbeine wieder wachsen zu lassen. Die Frösche konnten sich danach fast genauso fortbewegen wie ihre unversehrten Artgenossen. Bislang untersuchte man das Phänomen der Gliedmaßen-Regeneration meist an Tieren, die sowieso schon über natürliche Wachstumsfähigkeiten verfügen. Der Afrikanische Krallenfrosch gehört aber nicht dazu.
Forscher der Tufts University in Massachusetts, USA, lösten bei den Fröschen das Nachwachsen eines verlorenen Beins aus, indem sie einen Cocktail aus fünf Medikamenten in einer tragbaren Bioreaktorkuppel aus Silikon über den Stumpf stülpten. 24 Stunden später wurde das Silikongerüst entfernt. Diese kurze Behandlungsdauer setzte eine 18-monatige Wachstumsphase in Gang, die ein funktionierendes Bein wiederherstellt.
Bei den Medikamenten kamen unter anderem BDNF (brain-derived neurotrophic factor), ein Protein, das zur Gruppe der Neutrophine gehört, sowie weitere Wachstumsfaktoren zum Einsatz.
Bildquelle: Hugo Jehanne, Unsplash